Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Mein schlimmster Job

Leiden für ein Mofa

Mariam Schaghaghi
Armin Rohde hat in seiner Jugend einiges einstecken müssen: Als er die Vereinszeitung für den Wuppertaler SV verkaufte, wurde er im Fußballstadion von rüpelhaften Fans gepiesackt und mit Bier übergossen.
Armin Rohde schuftete im FußballstadionFoto: © Carsten Sander
Der blödeste Job, den ich hatte, das war im Wuppertaler Fußballstadion. Da war ich 13 oder 14 Jahre alt und habe die Vereinszeitung verkauft. So eine Tasche voller Zeitungen, mit 100 oder 200 Exemplaren, das ist echt schwer, besonders für so einen Steppke. Das sind einige Kilos, die man da schleppt. Und das Wuppertaler Stadion hatte damals so eine steil ansteigende Radrennbahn aus Beton zwischen den Rängen.Jedenfalls gab es da immer wieder Leute, die es für witzig hielten, einen da raufzuwinken, unter dem Vorwand, sie wollten dir ein Blättchen abkaufen. Aber stattdessen haben die mir ein Bier über den Kopf gegossen. Dann hattest du nicht nur keine Zeitung verkauft, sondern auch noch nasse, stinkende Klamotten und Haare - von irgendeinem Idioten, der das irre komisch fand. Ich war damals noch so ein nachdenkliches, stilles Bürschchen, ein echtes Sensibelchen. War das fies!

Die besten Jobs von allen

Langes Sparen auf ein MofaIch war damals für den Job locker acht, neun Stunden unterwegs - von Wuppertal-Ronsdorf nach Wuppertal-Elberfeld war schon ein echter Ritt. Und abends musste ich wieder im Dunkeln heim. Wenn man an so einem Tag richtig gut abkassierte, dann hatte man sieben Mark fuffzich in der Tasche - 7,50 DM! Zwei Saisons lang habe ich das durchgehalten. Das war in der kurzen Zeit, als der Wuppertaler SV in der Bundesliga war. Heute sind die in der dritten oder vierten Liga, vielleicht gibt's den Verein auch gar nicht mehr.Ich habe damals davon geträumt, mir von dem Geld irgendwann ein Mofa kaufen zu können. Denn wer damals ein Mofa hatte, hatte auch eine Freundin. Das war das große Ziel. Aber es hat nicht gereicht. Es gab kein Mofa. Trotz zwei Jahren Schufterei, schwerer Tasche und Bier über den Kopp kriegen. Die erste Freundin kam trotzdem, mit 16 - auch ohne Mofa. Die hab ich in der Disko angesprochen, bei einer langsamen Nummer, ich glaube, es war ,Whiter Shade of Pale'.Da war ich das erste Mal mutig. Mir gefiel es ja selbst nicht, so schüchtern zu sein. Also habe ich sechs Jahre lang Judo gemacht, dann Taekwondo - denn ich wollte ein Kerl werden. Unbedingt! Irgendwann muss ich den Bogen aber überzogen haben, heute denken alle: ,Der Rohde ist ein totales Raubein.'Lesen Sie von anderen schlimmsten Jobs:Volker Schlöndorff: "Regieführen ist Diplomatie"
Christian Tramitz: Als Sirupflasche im Werbespot
Oliver Kalkofe: Allein vor 1000 Saufköppen
Dieser Artikel ist erschienen am 17.05.2010

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick