Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Besser mit sehenden Augen voran
Foto: kevron2001/Fotolia.com
Equal Pay Day

Lebensweg verursacht Lohnkluft

Anne Ritter
Es ist der Tag, an dem mit der Ungerechtigkeit abgerechnet werden soll: Der Equal Pay Day weist auf die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern hin – Gründe für die Gaps sind nicht die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, sondern die unterschiedlichen Lebenswege.
Präsidentin Henrike von PlatenFoto: Inga Haar Businessfotografie | BPW Germany e.V
Der 21. März ist rechnerisch der Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland länger arbeiten müssen, um auf das gleiche Jahresgehalt zukommen wie Männer 2013. Die Differenz zwischen den durchschnittlichen Stundenlöhnen beträgt 22 Prozent. In keinem anderen Land ist der Unterschied so groß wie der Bundesrepublik.

Das bedeutet: Frauen arbeiten bei gleichem Arbeitsvolumen wie ihre männlichen Kollegen 80 Tage – beinahe drei Monate – für "lau". "Es gibt absolut keinen Grund müde zu werden und zu meinen, dass die Entgeltlücke stagniert. Im Gegenteil: Jede Statistik ist erneut ein Ansporn für gemeinsame Wege und weitere Aktionen", sagt Henrike von Platen, Präsidentin der deutschen Business and Professional Women (BPW), Initiatorinnen der Kampagne für Entgeltgleichheit.

Mit einem registrierten Brutto-Stundenlohn von 15,56 Euro liegen die Frauen wie in den Vorjahren deutlich hinter den Männern mit 19,84 Euro.

Gender Pay Gap entsteht durch Unterschiede im Lebensweg

Wie kann es sein, dass Frauen im Beruf derart benachteiligt werden? Gründe für die Gender Gaps offenbaren sich, wenn man sich die unterschiedlichen Lebensverläufe anschaut. Diese ganzheitliche Perspektive verdeutlicht, wie sich Entscheidungen von Frauen langfristig auswirken – besonders vom Übergang von einer Lebensphase in die nächste. So kann eine junge Mutter, die zugunsten der Familienbetreuung für eine Weile aus dem Beruf aussteigt, damit ihre eigenen Entwicklungs- und Einkommenschancen dauerhaft beschränken.

Es sind also nicht unbedingt die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die zu der Benachteiligung führen. Sondern die familiären und beruflichen Knotenpunkte der Biographie – bei denen offensichtlich wird, dass sich die weichenstellenden Entscheidungen vieler Frauen in Hinblick auf die Karriere negativ auswirken.

Gleichstellung von Mann und Frau nicht erreicht

Doch Menschen können ihre Entscheidungen nur bedingt frei treffen – schließlich hängen sie von vielen Faktoren ab, wie dem sozialen Umfeld, Rollenerwartungen oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Die Bundesregierung hat darauf im Jahr 2011 in ihrem ersten Gleichstellungsbericht hingewiesen und bekräftigt, "die bestehenden Benachteiligungen in Arbeitswelt, Politik und Gesellschaft zu beseitigen und die Chancengleichheit von Frauen und Männern weiter zu fördern."

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg: Obwohl das Grundgesetzt den Staat dazu verpflichtet, für uneingeschränkte Gleichberechtigung zu sorgen, erhalten Frauen in Deutschland noch immer 22 Prozent weniger Gehalt. Sind zu wenige Frauen in Führungspositionen und schaffen es nur 14 Prozent der Familien, die Erziehungs- und Haushaltsaufgaben gerecht zu teilen. "Wir müssen weiter für gleiche Chancen von Frauen und Männern kämpfen, denn die rechtliche Gleichstellung muss auch in der Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern ankommen", so Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) bei ihrer Rede zum Internationalen Frauentag am 14. März.
Infografik: Dana Wroblewski

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick