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Weiterbildung

Lebenslanges Lernen? Sponsor gesucht!

Constanze Hacke, UH
Bafög und Stipendien machen das Studium günstiger. Weiterlernen als Arbeitnehmer wird ohne Unterstützung vom Chef teuer. Ein Guide über neue Steuerregeln, Zuschüsse vom Staat und andere Geldgeber.
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Alle plädieren für lebenslanges Lernen - aber wer bezahlt es? Denn Lernen kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern vor allem Geld - viel Geld: Schon für einen simplen E-Learning-Workshop zum Thema Rechnungswesen müssen 350 Euro hingeblättert werden, ein einjähriges Fernstudium Public Relations schlägt mit knapp 5.300 Euro zu Buche, ein MBA kostet locker 30.000 Euro. Ganz zu schweigen von den Ausgaben für Bücher und PC oder die Fahrt zu Präsenzseminaren und die entsprechende Unterbringung.Wenn die Firma streikt

Die besten Jobs von allen

Die Deutschen lassen sich ihre berufliche Weiterbildung einiges kosten: Nach Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) werden jährlich knapp 14 Milliarden Euro für Lehrgänge, Seminare, E-Learning und Fachbücher ausgegeben - Kosten, an denen sich immer seltener die Unternehmen beteiligen. Arbeitgebervertreter wie DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben stellen sich auf den Standpunkt: Geld vom Chef gibt s genug, eine Rundumversorgung in Sachen Weiterbildung könne sich kein Betrieb leisten.Also muss der bildungshungrige Arbeitnehmer ins eigene Portemonnaie greifen. Mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer tut das laut BIBB schon. Notgedrungen. Denn ohne ständige Weiterbildung kein sicherer Job mehr in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit. Der Wechsel in Zweit- und Drittberufe ist mittlerweile gang und gäbe. Bildung zahlt sich also aus - aber wer zahlt ein? Unternehmen ziehen sich aus der Finanzierung zurück und plädieren wie der DIHK stattdessen für die steuerliche Absetzbarkeit von lebenslangem Lernen.Ausbildung absetzen Die deutschen Finanzrichter waren bislang derselben Auffassung und haben in den vergangenen Jahren mit einer Flut von Urteilen die antiquierte Rechtsauffassung vom so genannten Lebensberuf - einmal etwas Anständiges gelernt, reicht für den Rest des Lebens - revidiert: Scheibchenweise wurden Ausbildungen (in einem neuen Beruf) den Fortbildungen (in einem ausgeübten Beruf) angenähert und die komplette Absetzbarkeit als Werbungskosten zugelassen.Für den Staat bedeuten weniger Steuern aber auch weniger Einnahmen, so dass dieser kurzerhand Anfang August dem neuen, teuren Trend einen Riegel vorschob. Bundesfinanzminister Eichel änderte in seltener Einmütigkeit mit seinen Länderkollegen die entsprechenden Paragrafen des Einkommensteuergesetzes, um Milliarden an Steuerausfällen zu verhindern: Nun dürfen zwar alle Bildungshungrigen rückwirkend zum 1. Januar 2004 ihre Kosten für Berufsausbildung oder Erststudium per Gesetz steuerlich geltend machen - aber nicht als Werbungskosten, sondern nur als Sonderausgaben der privaten Lebensführung und auch nur bis zu einem jährlichen Betrag von 4.000 Euro.Weiterer Haken: Sonderausgaben machen sich steuerlich erst dann bemerkbar, wenn es auch Einnahmen jenseits des steuerfreien Existenzminimums von 7.664 Euro gibt - was zum Beispiel bei Studierenden eher selten der Fall ist. Für alle, die ihre Steuererklärung 2003 noch nicht gemacht haben, heißt das, sich auf die damals noch gültige, liberale Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs zu berufen und alle Kosten für die eigene Ausbildung unter Werbungskosten anzusetzen. Wer sich ab 2004 eine Ausbildung gönnt, sollte mit seinen Ausgaben haushalten und sobald er sich der 4.000-Euro-Marke nähert, möglichst viele Ausgaben ins nächste Jahr verlegen.Zur Absetzbarkeit der Ausbildung existiert zudem ein Hintertürchen: das so genannte Ausbildungsdienstverhältnis. Wer einen Job hat, aber für ein berufsbegleitendes Studium oder einen Lehrgang freigestellt ist, kann sämtliche Bildungsausgaben als Werbungskosten abziehen - ohne jedes finanzielle Limit. Gewährt der Chef also zum Besuch der Vorlesungen Sonderurlaub und zahlt das Gehalt weiter, ist die Ausbildung Bestandteil der Dienstverpflichtung, und die Studienkosten können in voller Höhe als Werbungskosten abgezogen werden.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.11.2004

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