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Ortswechsel

Leben und arbeiten in Taipeh

Teil 2

Erst gestern hatte Carsten Lammert wieder ein Casting, als Cowboy in einem Film für Taiwans Wirtschaftsministerium. Bekommt er die Rolle, wird nächste Woche gedreht. "Alles läuft hier schneller und spontaner als in Deutschland", sagt der 39-Jährige. "Wer gerne und viel arbeitet, für den ist Taipeh ein guter Ort."Englischlehrer im Kindergarten, Weihnachtsmann, Übersetzer von Motherboard-Handbüchern, Marketing für Online-Rollenspiele und Model in Fernsehspots - das sind nur einige der Jobs, mit denen Lammert sich in Taipeh schon finanziert hat. Nebenbei hat er noch Chinesisch gelernt, denn als er im Jahr 2000 erstmals nach Taiwan kam, verstand er kein Wort. Der Schauspieler war seiner damaligen Freundin gefolgt, die Sinologie studierte. "Wir sind mit 50 Mark in der Tasche gelandet und sofort ganz tief ins Leben eingetaucht." Nach einigen Jahren in Taipeh war sein Chinesisch fließend. Es folgten zwei Jahre Arbeit für eine taiwanische Firma in Stuttgart. Die Rückkehr nach Deutschland war "ein krasser Kulturschock", sagt der gebürtige Wittener. Als er durch die Wirtschaftskrise dieses Frühjahr seinen Job verlor, war sofort klar, dass er nach Taipeh zurückkehrt.Man kommt schnell ans Arbeiten

Die besten Jobs von allen

Und schon ist Lammert wieder viel beschäftigt. Er will Kindertheater in englischer Sprache auf die Bühne bringen, sucht nach Partnern und geeigneten Räumen. Das Stück will er schreiben lassen. Vielleicht werde es "Der gestiefelte Kater", sagt er. "Als Musical, mit viel Gesang und Tanz." Chinesischkurse belegt er weiterhin, für Fortgeschrittene: Zeitungslektüre und Fernsehnachrichten.Er wohnt nahe der Uni in einer Art Penthouse auf dem Dach eines zwölfstöckigen Gebäudes. Lebensqualität, das heißt für ihn auch: mehrere rund um die Uhr geöffnete Supermärkte vor der Haustür, überall Internet-Zugang, U-Bahnen im Zwei-Minuten-Takt. "Mein Freundeskreis besteht zum größten Teil aus Taiwanern", sagt Lammert. "Ich hatte hier jahrelang überhaupt keine deutschen Bekannten." Die Menschen erlebt er als "spontan und impulsiv", Alkohol spiele beim Ausgehen eine geringere Rolle als in Deutschland, wichtiger sei der Gruppengedanke: "Wer beim Karaoke schief singt, denkt nicht: Ich mache mich jetzt lächerlich. Er denkt: Wir haben Spaß zusammen."
Dieser Artikel ist erschienen am 30.10.2009

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