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Down Under

Leben und arbeiten in Australien

Barbara Bierach
Australiens Wirtschaft bleibt trotz Finanzkrise auf Immigranten angewiesen. Die Anreize sind groß: Endlose Sandstrände und über 300 Tage Sonne im Jahr ziehen Menschen aus aller Welt nach Down Under. Doch das vermeintliche Traumland für Auswanderer hat auch seine Tücken.
Deutsche schätzen das entspannte Arbeitsklima in SydneyFoto: © Patrick Bingham-Hall
„Probleme werden offen angesprochen und die Lösungsstrategien der Australier sind mitunter ziemlich hemdsärmelig.“ Tobias Bücheler, 37, mag die Geschäftskultur in Australien. „Die Leute hier sind pragmatisch und direkt“, findet der Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Sydney. Bernd Martin kann nur zustimmen: „Die Zusammenarbeit hier ist unkompliziert. Vielleicht stimmt das Klima die Menschen ein wenig milder?“ Der 42-jährige Projektmanager für Business Development bei Fresenius Medical Care genießt die multikulturelle Atmosphäre seiner Wahlheimat, in der Australier, Neuseeländer, Europäer, Südafrikaner und Asiaten friedlich kooperieren. Den entspannten Umgang der Menschen miteinander schätzt auch Ariane Falkenberg, Personalmanagerin beim Zertifizierungs-Unternehmen NCS International: „Im Gegensatz zu den Deutschen haben die Australier in der Regel gute Laune und das versüßt mir oft den Tag!“ Australien hat Anlass zur Fröhlichkeit, nicht nur dank Traumstränden und 300 Tagen Sonne im Jahr. Ein wirtschaftlicher Boom über zwei Dekaden sorgte für Wachstum – in vielen Branchen allerdings auch für einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Der machte das Land offen für gut ausgebildete Migranten. In der Folge ist Australien eines der letzten großen Einwanderungsländer der Erde: Allein im vergangenen Jahr kamen über 190 000 Menschen auf den nur 21 Millionen Einwohner zählenden Kontinent. Jeder vierte Bürger mit australischem Pass ist nicht im Land geboren; trotzdem klappt der kulturelle Mix, Rassenunruhen sind hier weitgehend unbekannt.

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Es gibt folglich kaum ein anderes Land, in dem sich interkulturelle Fähigkeiten besser trainieren ließen. Nach Englisch ist Chinesisch die am häufigsten gesprochene Sprache, dazu kommen so ziemlich alle anderen asiatischen und europäischen Idiome. Viele internationale Konzerne sind auch deswegen vor Ort, weil sie hier leicht das mehrsprachige Personal finden, um von Australien aus den gesamten südostasiatischen Raum zu beackern. Ausländische Führungskräfte und ihre Familien ziehen gerne nach Down under, lässt sich hier doch das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Das Land gilt als Abenteuerspielplatz mit hohem Freizeitwert, gleichzeitig ist es sicher und politisch stabil. Medizinische Versorgung, Schulsystem und Lebensqualität sind erstklassig, kurz: Hier wird auf hohem Niveau gearbeitet und geforscht.Entsprechend beliebt ist Down Under bei deutschen Auswanderern. Umfragen zufolge liegt es nach den USA und Kanada auf Platz drei bei den außer-europäischen Wunschzielen. Doch längst nicht jeder Australien-Fan kann einfach so die Koffer packen. Bei aller Gelassenheit im Lebensstil, das „offizielle Australien“ ist ein durchaus bürokratischer Apparat. Wer umsiedeln will, braucht ein Visum und das kriegt nur, wer entweder von einem Unternehmen ins Land gebeten wird oder einen Beruf hat, der hier gefragt ist.Die Liste mit den erwünschten Professionen ist allerdings lang: Begehrt sind vor allem Ingenieure, Experten für Landwirtschaft oder Bergbau, IT-Spezialisten, Kaufleute und medizinisches Personal. Chirurg Volker Benseler, 34, beispielsweise arbeitet seit fünf Jahren am renommierten Forschungszentrum Centenary Institute, wo er sich mit immunologischen Fragen bei Organtransplantationen beschäftigt. Der Mediziner kam an das zur University of Sydney gehörende Zentrum, weil ein renommierter Arzt aus Deutschland vielversprechende Kollegen nachholte. Benseler „wollte immer mal ins Ausland“, das ihm angebotene Forschungsprojekt „klang super“ und „die Aussicht auf Sydney, Sonne, Strand und Surfen“ fand er attraktiv. Vor blauäugigem Überschwang jedoch kann er jedoch nur warnen: Nicht jeder Doc, der ankommt, wird in einer der großen Städte Beschäftigung finden. Besonderer Ärzte-Mangel herrscht in den ländlichen Gebieten und wer nicht als Forscher gefragt ist, landet unter Umständen im dünn besiedelten Outback. „Wer neu hierher kommt, muss sich erst mal hinten anstellen.“ Warnungen sind auch aus dem Deutschen Generalkonsulat in Sydney zu hören, das immer wieder mit Landsleuten zu tun hat, die auf eigene Faust mit zu hohen Ansprüchen, zu kleinem Budget  und zu geringen Englischkenntnissen ins Land kommen, stranden und dann erwarten, auf Staatskosten wieder nach Hause geflogen zu werden – was übrigens nicht ohne weiteres zu den konsularischen Services gehört.Visa - Punkte sammeln

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