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Kuhle Werbung - Vom Bauer zum Agenturchef

Sara Kammler
Martin Deß hat als Besamungstechniker erst dafür gesorgt, dass die richtige Kuh den richtigen Bullen trifft und sich dann selbstständig gemacht - mit einer Werbeagentur. Den elterlichen Hof hat er verkauft, seiner Heimat ist er treu geblieben.
Martin Deß ist heute Chef der Werbeagentur DessignFoto: © Bernd Telle
Was möchtest du denn später einmal werden, kleiner Martin? Auf die Frage des Sparkassen-Angestellten in der Küche seiner Eltern antwortet der vierjährige Steppke nicht wie erwartet. Der Erstgeborene der jungen Eheleute Deß sagt nicht, dass er einmal Feuerwehrmann oder Lokomotivführer werden will - und auch nicht, dass er Landwirt wie sein Vater und Großvater werden will. Schon als Vierjähriger hat Martin Deß seine ganz eigenen Vorstellungen, zwischen Mittagstisch und Abendbrot verkündet er Anfang der 70er-Jahre in Röckersbühl: "Ich will später einmal Chef von mindestens 500 Mitarbeitern sein." Große Worte für einen kleinen Mann.Vom Bauer zum Chef einer Werbeagentur

Die besten Jobs von allen

35 Jahre später hat Deß nicht nur den heimischen Herd verlassen und den Hof in Oberbayern mit 120 Hektar Land und 50 Milchkühen verkauft. Deß ist Chef der von ihm selbst gegründeten Werbeagentur Dessign und geht mit seinen heute mehr als 60 Mitarbeitern unter dem Slogan "Die Jäger von Röckersbühl" auf die Jagd nach Ideen. Und das sehr erfolgreich: Im Jahr 2007 war Dessign im Ranking der inhabergeführten Werbeagenturen des Fachblattes "Werben und Verkaufen" unter dem Aspekt Umsatzwachstum die zweitstärkste Agentur in Deutschland. Die Agentur steigerte ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 56 Prozent auf 5,4 Millionen Euro. Zu den Kunden gehören die Deutsche Telekom, Conrad Electronics, Puma und der Sparkassenverband.Büro auf dem LandeSeiner Heimat ist Deß treu geblieben. Von der Terrasse vor seinem Büro aus hat der 39-Jährige einen Blick über Wiesen, Felder und auf sein Heimatdorf, das 320-Seelen-Nest Röckersbühl. Wenn er redet, klingt sein bayerischer Akzent bei jedem Wort durch. In seinem gut sitzenden Anzug und dem Hemd , in das seine Initialen eingestickt sind, würde er aber keine gute Figur mehr auf dem Traktor oder im Kuhstall machen. Vom derben Hoferben zum smarten Werber war es aber ein langer Weg.Nach der Chefansage in der elterlichen Küche kommt Deß zunächst dem Wunsch seiner Eltern nach und bereitet sich auf ein Leben als Landwirt vor. Wozu brauche ich Abi oder mittlere Reife, habe er sich gefragt. Ich muss ja eh den Hof übernehmen. Von da an führte sein Weg über das Gymnasium zur Realschule und schließlich zur Hauptschule. Mit 16 Jahren beginnt er eine Lehre zum Landwirt. Als Deß 21 ist, zieht sein Vater für die CSU in den Bundestag ein, und er übernimmt den Hof. Um möglichst unabhängig zu sein, lernt er, wie man Kühe künstlich besamt. "Ich bin staatlich anerkannter Besamungstechniker."Computerprogramm für KuhpaarungIn seiner Freizeit beschäftigt sich Deß mit Computern, und sieht eine Chance, mehr als ein oberbayerischer Landwirt zu sein: IT-Unternehmer. Zusammen mit einem Freund programmiert er ein Anpaarungsprogramm für Kühe. Die Eigenschaften von Kühen werden mit denen von Bullen abgeglichen. Der Computer ermittelt, welcher Bulle am besten zu welcher Kuh passt. "Das Programm muss man als Meilenstein bezeichnen, wenn man sich die Partner-Börsen ansieht, die es heute so gibt", sagt er.Wenn Deß von diesem Programm erzählt, kommt seine Begeisterung für Kühe durch. Da geht es um schöne oder nicht so schöne Euter; gute, schlechte oder stark überwinkelte Kuhbeine; die Milchmenge, die eine Kuh gibt, und deren Fettgehalt. Die Nutzungsrechte für das Programm verkaufte Deß an landwirtschaftliche Betriebe und schließlich das ganze Programm selbst an ein Investorenkonsortium. Umgerechnet 100 000 Euro bringt ihm das ein. Da ist er gerade 22 Jahre alt.

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