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Berufseinsteiger

Krankenversicherung: Was bei der Wahl zu beachten ist

Catrin Gesellensetter, cg, uh
Gerade zum Beginn der Karriere führt meist kein Weg an der Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung vorbei. Doch eine gute medizinische Versorgung setzt nicht zwangsläufig ein Managergehalt voraus. Mit der richtigen Taktik sichern sich auch Berufseinsteiger einen umfassenden und bezahlbaren Gesundheitsschutz - trotz Beitragserhöhungen und Reformen.
Gesetzlich oder privat: Das müssen Sie beachtenFoto: © Gina Sanders - Fotolia.com
Der Einstieg ins Berufsleben begann für Alexandra Bartusch (Name geändert) mit einer Grippe - und einer völlig neuen Erfahrung. Eigentlich wollte die Rechtsreferendarin vor Dienstantritt beim Anwalt nur kurz beim Hausarzt vorbeischauen, um sich ein Rezept für Nasenspray und Hustensaft zu besorgen. Doch anders als in den Jahren zuvor winkte der Mediziner diesmal ab. "Bagatellmedikamente", so die Auskunft, "müssen Sie künftig selbst bezahlen."

Der Grund: Die private Versicherung, die die Beamtentochter noch im Studium betreut hatte, stand der Berufsanfängerin nun nicht mehr offen. Ihr Referendarsgehalt lag weit unter der Einkommensgrenze von zurzeit 3.975 Euro monatlich, die eine Versicherung im privaten System erlaubt. Stattdessen war die junge Juristin nun, wie 90 Prozent der deutschen Bevölkerung, Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Und die zahlt Arzneien für schnöde Erkältungen schon länger nicht mehr.
Ausreichend, wirtschaftlich und zweckmäßig

Die besten Jobs von allen

Was Kassenpatienten per Gesetz an Behandlungen finanziert bekommen, klingt zugegebenermaßen nicht verheißungsvoll: ausreichend, wirtschaftlich und zweckmäßig. Und damit es keine großen Diskussionen über die Auslegung gibt, hat der Gesetzgeber gleich definiert, welche Medikamente und Therapien diesen Anforderungen entsprechen. Die Folge: Rund 95 Prozent aller medizinischen Leistungen sind verbindlich vorgeschrieben und damit bei jeder der derzeit 241 Krankenkassen fast gleich.Die monatlichen Beiträge, die ein Versicherter zu leisten hat, unterscheiden sich dagegen ziemlich deutlich. Nach der jüngsten Erhöhungsrunde von über 100 Krankenkassen zum Jahresbeginn reicht das Spektrum von 11,8 Prozent des monatlichen Bruttogehalts bei der IKK Sachsen bis zu 15,8 beispielsweise bei der AOK Saarland.

Mit einem Wechsel der Kasse ließe sich also ordentlich Geld sparen: Schon bei einem Monatsbrutto von 3.000 Euro könnte das monatlich fast 60 Euro mehr im Geldbeutel bedeuten - je nachdem, ob die Kasse zwölf oder 15,5 Prozent veranschlagt. "Gerade für Berufsanfänger ist deshalb der Beitragssatz noch immer eines der wichtigsten Kriterien bei der Wahl ihrer Kasse", weiß Christoph Kranich, Abteilungsleiter Gesundheit und Patientenschutz bei der Verbraucherzentrale Hamburg.
Ohne Einschränkungen ist dieses "Geiz-ist-geil"-Prinzip allerdings nicht zu empfehlen. Denn es sind eben nur 95 Prozent der Leistungen identisch. Unterschiede bei den restlichen fünf Prozent und beim Service machen die billigste Variante nicht immer zur besten Wahl. "Die diversen Gesundheitsreformen haben viele Anbieter dem Druck ausgesetzt, sich mit allen Mitteln im Wettbewerb zu behaupten", urteilt Patientenberater Kranich. "Wer sich aber die Mühe macht, akribisch die verschiedenen Angebote zu durchforsten, findet auf jeden Fall einen Anbieter, der den eigenen Ansprüchen gerecht wird."Kassen können ambulante Vorsorgekuren zahlenSo lässt das Gesetz neben den Pflichtleistungen auch Extras zu, die die Krankenkassen nach eigenem Ermessen gestalten können. Kassen, die ihren Kunden mehr als nur Standard bieten wollen, können zum Beispiel ambulante Vorsorgekuren zahlen, Selbsthilfegruppen zur Krankheitsvorsorge organisieren oder Präventionsurlaube bezuschussen. Manche Anbieter sponsern ihren Versicherten bei Krankenhausaufenthalten eine Haushaltshilfe oder unterstützen ihre Mitglieder im Fall eines Behandlungsfehlers. Einzelne Kassen haben mittlerweile sogar Ayurveda, Tai-Chi oder Ozontherapie im Angebot.Versicherte, die solche Leistungen finanziert haben möchten, müssen also mehr als nur die Beitragssätze vergleichen. Eine erste grobe Orientierung bieten Beitragsrechner und -übersichten wie etwa von Finanztest, Forium oder Ino24, bevor man dann gezielt Info-Material bei den Kassen anfordert. Liegt einem eine Behandlung besonders am Herzen, sollte man bei der Kasse explizit nachfragen, was wann wie lange finanziert wird. Denn Papier ist geduldig, insbesondere Werbebroschüren.Besonders bei alternativen Heilmethoden klaffen Versprechen und Praxis weit auseinander. "Manche Kassen werben damit, auch homöopathische Leistungen zu finanzieren, übernehmen dann aber noch nicht einmal die Kosten für ein einziges Therapiegespräch", kritisiert Christoph Trapp, Sprecher des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte in Bonn. Bislang sind die alternativen Heilmethoden zwar noch nicht die Regel; allerdings, ist Christoph Trapp überzeugt, werde sich der Trend zur Komplementärmedizin weiter durchsetzen. Immerhin 90 Kassen, darunter auch so bekannte Namen wie die Deutsche BKK, bieten mittlerweile schon ein Full-Service-Paket jenseits der traditionellen Schulmedizin an.

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