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Betriebliche Wiedereingliederung

Krank, aber nicht ausgemustert

Tina Groll, zeit.de
Jeder zweite Beschäftigte bezweifelt, gesundheitlich bis zur Rente durchzuhalten. Betriebliches Gesundheitsmanagement hilft Kranken zurück in den Job.

Foto: Gernot Krautberger/Fotolia

Völliger Zusammenbruch

Mit 42 war Schluss. Aus den chronischen Rückenschmerzen war ein Bandscheibenvorfall geworden – aus der nervlichen Angespanntheit ein Burn-Out. "Ich konnte einfach nicht mehr", sagt Jutta Kleinert. 20 Jahre lang hatte sie ihren Job als Altenpflegerin mit Leidenschaft ausgeübt, hatte sich weitergebildet und es zu Pflegeleiterin gebracht.

Doch die Arbeit wurde immer mehr, der Druck nahm zu; und es gab dauerhaft zu wenige Mitarbeiter für zu viel Arbeit. Irgendwann wurde es für Kleinert zu viel. Auch zu Hause fand die Altenpflegerin kaum Ruhe: Ihr Mann und sie bauten ein Haus, der Sohn war in der Pubertät. Dann kündigte der Betrieb ihres Mannes Kurzarbeit an. Die finanziellen Sorgen lasteten zusätzlich auf Kleinert. Sie brach zusammen und wurde dauerkrank.

Die besten Jobs von allen


Wie Kleinert geht es etwa fünf Prozent der Arbeitnehmer, die dauerhaft – also länger als sechs Wochen im Jahr – erkrankt sind, schätzt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA). Besonders oft sind Menschen in sozialen, pflegenden oder erzieherischen Berufen betroffen, aber auch Bauarbeiter und Führungskräfte erkranken überdurchschnittlich oft.

Krank heißt nicht unkündbar

Diese Jobs fordern einen entweder körperlich oder psychisch viel. Wenn dann das Arbeitsumfeld nicht stimmt oder private Probleme den Mitarbeiter belasten, steigt das Risiko einer Erkrankung. Besonders häufig fallen Mitarbeiter wegen Muskel- und Skeletterkrankungen für lange Zeit aus. Seit einigen Jahren führen auch psychische Erkrankungen zu Dauerausfällen. Bei Kleinert kam gleich beides zusammen.
 
Doch was geschieht im Fall einer dauerhaften Erkrankung? Das Entgeltfortzahlungsgesetz regelt zwar die finanzielle Situation – allerdings nicht ohne Einbußen. Nur sechs Wochen lang zahlt der Arbeitgeber das Krankengeld, danach springen die Krankenkassen ein. Doch sie zahlen nur 70 Prozent des beitragspflichtigen Bruttoeinkommens, höchstens aber 90 Prozent des Nettoeinkommens.

Auch arbeitsrechtlich können kranke Mitarbeiter nicht ganz unbesorgt sein. Zwar schützt das Arbeitsrecht Arbeitnehmer, die unverschuldet erkrankt sind – unkündbar sind sie deshalb aber nicht.


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