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Kopfmassagen für Zukunftsdenker
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Wissensarbeiter motivieren

Kopfmassagen für Zukunftsdenker

Claudia Obmann
Damit Wissensarbeiter Bestleistungen erbringen, braucht es flexible Arbeitsbedingungen, Freiräume und eine neue Form der Führung.
Diese "kreativen Köpfe brauchen Coaches, keine Kontrollfreaks", sagt Frank Schabel vom Personaldienstleister Hays. Er hat rund 430 Manager, 300 fest angestellte und 270 freiberufliche Wissensarbeiter aus Deutschland zur Bedeutung und zu den Bedürfnissen von Wissensarbeitern befragt.

Um Bestleistungen zu erhalten, ist ein mitarbeiterorientierter Führungsstil gefragt, der es Wissensarbeitern selbst überlässt, wann, wo und wie sie ihre Aufgaben erledigen, und sie gleichzeitig stark an Entscheidungen beteiligt. Ergänzt um Wohlfühlatmosphäre und Wir-Gefühl. Wer so führt, motiviert seine Mitarbeiter nicht nur anders, sondern besser. Denn "das macht aus Mitarbeitern Beteiligte", sagt Frank Kohl-Boas. Er leitet die Personalabteilung bei Google in Hamburg.

"Immer im Beta-Modus"

Wenn Ergebnisse zählen, nicht die Anwesenheit, und wenn die Grenzen zwischen Freizeit und Privatleben verschwimmen, hat das Auswirkung auf die klassische Hierarchie. "Wir sind immer im Beta-Modus", sagt Frank Kohl-Boas, "auch was die Personalarbeit betrifft." Bei Google wird viel ausprobiert.

Unter dem Projekttitel "Oxygen" startete die Belegschaft den Selbstversuch, ob Führungskräfte verzichtbar sind. Nach etwa einem halben Jahr lautete das Ergebnis: "Es geht nicht ohne." Manager müssen Hürden für die Wissensarbeiter beseitigen und sie von Verwaltungsaufgaben entlasten.

Das ist etwas, was sich die Mehrheit der deutschen Wissensarbeiter wünscht. Die Hays-Studie zeigt, dass sie Routineaufgaben noch deutlich häufiger als charakteristisch für ihren Joballtag erachten. 55 Prozent sagen das, von den Führungskräften glaubt nur noch ein Viertel, dass Wissensarbeiter damit zu tun haben.
"Sonntags, montags, dienstags, mittwochs und donnerstags geschlossen" stand auf dem Schild vor einem Kunstmuseum in Indien. Wegen der kuriosen Öffnungszeiten musste Amit Sood wieder abreisen, ohne die selten ausgestellten Meisterwerke dort gesehen zu haben.

Diese Enttäuschung ließ den indischen IT-Spezialisten nicht mehr los. Als er Jahre später als Programmierer bei Google in den USA arbeitete, plauderte er mal wieder zwischendurch mit Kunstfans anderer Abteilungen und stellte die Frage, wie es gelingen könne, berühmte Gemälde wie van Goghs "Sonnenblumen" oder Rembrandts "Nachtwache" viel mehr Menschen zugänglich zu machen.

In 20 Prozent der Zeit zum Pionier 

Vor allem denjenigen, die keine der großen Galerien in ihrer Nachbarschaft haben, um jeden Pinselstrich aus der Nähe zu betrachten. Das war die Geburtsstunde von Googles "Art Project": einem virtuellen Museum der Museen, das zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffnet hat. Und in dem sich heute Galerien in über 40 Ländern wie die Londoner Tate Gallery oder das New Yorker MoMA am PC-Monitor durchwandern und ihre zoombaren Meisterwerke aus größter Nähe betrachten lassen.

In nur 18 Monaten verwirklichte Sood mit Kollegen sein "Art Project". "Eines der Dinge, die ich an Google so mag, ist, dass du heute mit einer Idee auftauchen kannst, und schon am nächsten Tag beginnst, sie zu realisieren", sagt er. Die "20 Prozent"-Regel machte es möglich: Mitarbeiter dürfen 20 Prozent ihrer Arbeitszeit in eigene Ideen und Projekte stecken. Solche Freiräume machen sich bezahlt, ist Google-Gründer und Chef Larry-Page überzeugt. Der Erfolg gibt ihm recht.

Wissensarbeiter erwarten viel 

Amit Sood ist ein typischer Vertreter der wachsenden Gruppe von "Wissensarbeitern": Hochqualifizierte Experten mit naturwissenschaftlichem, kaufmännischem oder technischem Hintergrund, deren Know-how zur wichtigsten Ressource in den bisherigen Industrienationen wird.

Die aber auch deutlich anders ticken, als so manche Führungskraft der alten Schule es sich vorstellt: Ein angemessen hohes Gehalt ist für Wissensarbeiter, die eine sehr hohe Eigenmotivation zeigen, selbstverständlich. Anderes spielt für ihre Zufriedenheit eine deutlich wichtigere Rolle. Aspekte wie persönliche Karriereentwicklung in Balance mit dem Privatleben, ein gutes Arbeitsklima und viele weitere Angebote – vom Betriebskindergarten bis zur Weiterbildung – werden wichtiger.

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