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Ratgeber

Konflikte richtig lösen

Tina Groll / Zeit.de
Kaum jemand kann sich Konflikten am Arbeitsplatz entziehen. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Geht man sie richtig an, bieten Auseinandersetzungen Potenzial für Verbesserungen im Team.
Konflikten am Arbeitsplatz kann man sich nur selten entziehen.Fotolia.com

Als der 36-jährige Oliver Zencke zum Teamleiter in seiner Firma befördert wurde, war plötzlich alles anders. Statt seinen Kollegen auf Augenhöhe zu begegnen, musste er Anweisungen erteilen und dafür sorgen, dass alle ihre Zielvorgaben erfüllen. Konflikte, das hatte der 36-Jährige geahnt, sind da programmiert.

„Führung ohne Konflikte gibt es nicht. Überall, wo Menschen miteinander agieren, reiben sie sich auch aneinander“, sagt Susanne Klein, Coach für Performance Management. Sie hat das Buch „Wenn die anderen das Problem sind“ geschrieben. Das Buch gibt Führungskräften Tipps für ein erfolgreiches Konfliktmanagement. „Viele Konflikte sind Teil des Arbeitsalltags“, sagt Klein. Beispielsweise da, wo sie schon durch die Unternehmensstruktur angelegt seien. „Dass Außen- und Innendienst häufig unterschiedliche Interessen haben, ist strukturbedingt“, so Klein. Eine Vielzahl an Konflikten entsteht jedoch durch mangelnde Transparenz, fehlende Kommunikation oder weil Sach- und Beziehungsebene miteinander vermischt werden.

An sich sind Konflikte jedoch nicht negativ. „Sie sind immer auch die Chance zur Veränderung und Verbesserung. Auch haben sie eine wichtige Funktion, wenn Teams aufgebaut werden“, sagt die Beraterin.

Diese Erfahrung hat auch Oliver Zencke gemacht. Sein Aufstieg in die Leitungsfunktion bedingte eine Neustrukturierung der Abteilung. Für manche war das ein schwieriger Prozess. „Für meine Kollegen kam die Entscheidung, dass ich die Teamleitung übernehme, eher überraschend“, erzählt Zencke. Einige Kollegen distanzierten sich von ihm. Und dann kamen mit der Umstrukturierung auch noch zwei neue Mitarbeiter an Bord. Die Karten wurden neu gemischt, jeder in der Abteilung musste seinen Platz neu finden, was für einige schmerzhaft war.

Mitarbeiter müssen auch fordern

Teambildung vollzieht sich gewöhnlicherweise in vier Phasen: Zunächst gibt es eine Orientierungsphase, in der sich die Mitglieder beschnuppern und besser kennenlernen. Sie stellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede fest. Darauf folgt die Phase der Abgrenzung, die mit Konflikten verbunden ist. "Es ist wichtig, dass Führungskräfte diese Phase als solche erkennen und in ihrer Funktion verstehen", sagt Klein. Rivalitäten und Positionskämpfe sind während dieser Zeit nicht unüblich. Erst danach kann es zu einer Klärung kommen, in der sich der Zusammenhalt festigt, weil alle ihre neue Rolle gefunden haben. Anschließend tritt das Team mit einem neuen Wir-Gefühl in die Arbeitsphase ein.

Führungskräfte müssen ihre Mitarbeiter während dieser Phasen unterstützen, Impulse von außen geben, aber sich auch zurücknehmen. Entscheidend ist eine klare Kommunikation. Wenn der Vorgesetzte eindeutige Anweisungen gibt und Zuständigkeiten deutlich benennt, kann jeder seinen Platz in der Gruppe schneller finden. „Gute Kommunikation ist immer eine Hol- und Bringschuld“, sagt Klein. Heißt: Nicht nur der Vorgesetzte muss kommunizieren, die Mitarbeiter müssen Informationen einfordern und sagen, was sie auf dem Herzen haben. Wird die konfliktreiche Abgrenzungsphase jedoch zu früh abgebrochen, kann sich kein produktives Wir-Gefühl entwickeln. Die Konflikte schwelen dann im Untergrund weiter – und belasten oftmals die Zusammenarbeit.


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