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Voneinander lernen ist in der digitalen Welt wichtiger denn je
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Ditgitales Coaching

Kollegiale Weiterbildung

Teil 2: Ein Kulturwandel im Kopf ist nötig

Die Plattform, die zu dem Karrierenetzwerk LinkedIn gehört, wurde vor allem in den USA durch einfache Video-Lehrgänge bekannt. Wichtig sei, dass die Inhalte immer und von jedem abrufbar seien, so Schoenthal. Eine Maschine streikt? Dann muss ruckzuck ein Tutorial her, wie sie sich reparieren lässt. Gleiches gelte für die Visualisierungstools der Beauty-Kollegen. Für die Mitarbeiter in der Produktion gebe es dafür digitale Terminals, die während der Arbeitszeit erreichbar seien. Außerdem seien Projekte mit Virtual und Augmented Reality geplant.

"Ich lerne auch ganz klassisch in Seminaren, bei denen es vor allem um Rollenspiele und Feedback von anderen Kollegen geht. Das kann die Plattform natürlich nicht ersetzen. Aber zur Ergänzung von systematischem Lernen oder bei einer spontanen Frage ist sie super", sagt Schott. Und vor allem gehe es schneller, als erst ein Buch auszuleihen oder einen Kurs zu buchen.

Für jeden zugänglich


"Wichtig ist, dass jeder Mitarbeiter einfach an die Lerninhalte gelangt. Wir arbeiten daran, es in Zukunft den Mitarbeitern noch einfacher zu machen, jederzeit auf alle relevanten Informationen zuzugreifen", so Schoenthal. Sie spricht in dem Zusammenhang von einer Demokratisierung der (Weiter-)Bildung. "Dass jemand einmal im Jahr zu einem Seminar geschickt wird und darüber hinaus keine Weiterbildung stattfindet, das ist nicht unser Anspruch. Daher ermutigen wir unsere Mitarbeiter, die vielen neuen digitalen Lernformen zu nutzen."

Dafür braucht es aber nicht nur das Angebot und die Bereitwilligkeit der Mitarbeiter. Es braucht auch Führungskräfte, die das Lernen unterstützen – und es nicht als Vergeudung von Arbeitszeit ansehen. Was offenbar, zumindest bei sogenannten Wissensarbeitern, häufiger der Fall ist, wie die Studie "Wissensarbeit im digitalen Wandel. Neue Spannungs- und Handlungsfelder" des Personaldienstleisters Hays zeigt.

Mit Weiterbildung gegen den Fachkräftemangel

Für die Studie wurden 1.215 Wissensarbeiter und Führungskräfte befragt. Das Ergebnis: 62 Prozent der befragten Angestellten sind selbst für ihre Weiterbildung verantwortlich. Wenn sie sich weiterbilden wollen, müssen sie in ihrer Freizeit und auf eigene Kosten Kurse besuchen oder online lernen. Auch 65 Prozent der befragten Führungskräfte halten die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter für deren Sache. Immerhin geht die Mehrzahl der Fach- und Führungskräfte noch nicht so weit, Lernen und Vernetzen als reine Freizeitangelegenheit zu betrachten. Dennoch befürworten 42 Prozent der befragten Führungskräfte und drei von zehn der befragten Fachkräfte diese Auslegung.

Wenn Unternehmen einen Fachkräftemangel befürchten oder schon jetzt spüren, ist das vermutlich keine gesunde Einstellung. Wer möchte, dass die Belegschaft immer auf dem neuesten Stand ist, muss sich eben auch dafür einsetzen. Anders lässt sich auch gar nicht nachhalten, wer was lernt. Und zumindest die Soft Skills, wie sie beispielsweise in Leadership-Trainings angeboten werden, die geforderten mentalen, sozialen sowie konzeptionellen Kompetenzen, die die Wissensarbeit der Zukunft ausmachen, lernt man eben nicht im Volkshochschulkurs. Dafür braucht es Angebote vom Arbeitgeber – digital und analog. Damit das funktioniert, ist offenbar vielerorts bei Mitarbeitern und Vorgesetzen ein Kulturwandel im Kopf nötig. "Nur weil jemand arbeitet, heißt es nicht, dass er nicht lernt und nur weil jemand lernt, heißt es nicht, dass er nicht arbeitet", sagt Schoenthal.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 11.09.2017

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