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Krankschreibung ohne Attest?
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Debatte um Attestpflicht

Können Sie sich bald selbst krankschreiben?

Till Daldrup, wiwo.de
Forscher fordern, die Regelung für das Krankschreiben zu lockern. Kritisiert wird das von Arbeitgebern, die ein Schlupfloch für Blaumacher fürchten. Das Für und Wider einer lockereren Attestpflicht.
Die Deutschen gehen sehr häufig zum Arzt – wie oft, da sind sich Experten nicht einig. Fest steht aber: Mit zehn bis 18 Arztbesuchen pro Jahr sitzen sie viel häufiger im Wartezimmer als die meisten ihrer West- und Mitteleuropäischen Nachbarn.

Um das zu ändern, fordern Wissenschaftler der Universität Magdeburg nun, die Attestpflicht für Beschäftigte zu lockern. Die Hypothese ihrer Studie: Viele Patienten in Deutschland gehen unnötigerweise zum Arzt, um ihrem Arbeitgeber einen Krankenschein vorlegen zu können. Deswegen plädieren die Wissenschaftler, die Frist für Krankschreibungen von drei auf fünf Tage zu verlängern.

Was spricht für diesen Vorschlag?

Zunächst einmal würde eine solche Lösung die Hausärzte entlasten, sagt Wolfram Herrmann, Leiter des Magdeburger Forschungsteams, im Gespräch mit der Welt am Sonntag. Die Wartezimmer wären nicht mehr gefüllt mit Menschen, die sich wegen einer einfachen Erkältung ein Attest besorgen müssen – und Ärzte könnten sich mit Patienten beschäftigen, die wirklich ihre Hilfe benötigen.

Außerdem könnten die Arbeitnehmer selbstbestimmter entscheiden, ob sie zur Arbeit gehen oder sich lieber vollständig auskurieren. Sie müssten sich am vierten Tag einer Krankheit nicht mehr zur Arbeit schleppen, nur um den Gang zum Arzt zu vermeiden.

Herrmann verweist daneben auf ein Vorbild aus Skandinavien: "Dass durch eine eigenständige Krankmeldung der Beschäftigten die Zahl der Fehltage nicht nach oben schnellt, zeigen Erfahrungen aus Norwegen."

In Norwegen dürfen sich Arbeitnehmer wie in Deutschland für bis zu drei Tage am Stück ohne ärztliche Bescheinigung selbst krankmelden. Doch in einem Großteil der norwegischen Unternehmen ist die selbstständige Krankmeldung sogar bei Ausfällen von bis zu acht Tagen am Stück und bis zu 24 Tagen im Jahr zulässig. Trotzdem ist die Zahl der Krankmeldungen dort seit langem rückläufig – deshalb sehen die Forscher das Land als Vorbild für Deutschland.

Doch während in Deutschland noch über das Für und Wider diskutiert wird, geht man in Norwegen schon einen Schritt weiter: Laut Studienleiter Wolfram Herrmann gibt es dort sogar schon Projekte mit der Möglichkeit, sich bis zu 365 Tage selbst krankzumelden. "So weit brauchen wir nicht zu gehen", gibt er zu. Für den Krankheitszeiträume von einer Woche empfiehlt Herrmann allerdings, das norwegische Modell in Form von Pilotprojekten in Deutschland zu probieren.

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