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Mein schlimmster Job

Knochenjob in der Wüste

Claudia Obmann
In der Handelsblatt-Serie "Mein schlimmster Job" erzählen Prominente aus Wirtschaft, Politik und Kultur von ihren ersten skurillen Erfahrungen im Berufsleben. Diesmal: Yahoo-Deutschland-Chef Terry von Bibra. Er sollte in seiner Jugendzeit harte körperliche Arbeit kennenlernen, deshalb schickte ihn sein Vater auf die Ölfelder in der kalifornischen Wüste.
Terry von Bibra schuftete auf kalifornischen ÖlfeldernFoto: © PR
Mein Einsatz als Hilfsarbeiter auf den kalifornischen Ölfeldern steht definitiv ganz oben auf der Liste schlimmster Jobs, die ich jemals machen musste. Als ich 16 Jahre alt war, fand mein Vater, dass mein Bruder und ich doch mal harte körperliche Arbeit kennenlernen sollten. Zu der Zeit gingen wir beide noch zur Schule in Los Angeles. In den Sommerferien kommandierte er uns also auf die Ölfelder in der kalifornischen Wüste ab. Wir arbeiteten dort von montags bis freitags, nur an den Wochenenden durften wir zurück nach Hause fahren.Während der insgesamt drei Monate kampierten wir in Schlafsäcken in der dreckigen Aufseher-Bude neben der Werkstatt, wo es gerade mal eine Dusche und einen Kühlschrank gab - denn unser Lohn war so gering, dass wir uns ein Motel nicht leisten konnten. Wir ernährten uns meistens von Instant-Suppen in Plastikbechern, auf die man nur heißes Wasser zu gießen brauchte. Tagsüber waren es 40 Grad im Schatten, aber keiner von der Bohrmannschaft arbeitete natürlich im Schatten.

Die besten Jobs von allen

Schikane vom AufseherDer Aufseher hatte meinen Bruder und mich - die Söhne vom Chef - ganz besonders im Visier. Uns zu schikanieren, machte ihm offenbar besonders großen Spaß: Er ließ uns die unsinnigsten Arbeiten erledigen. So mussten wir das Unkraut etwa 100 Meter rund um die Bohrlöcher jäten. Währenddessen lag er faul auf seinem Pick-up und machte sich auch noch lautstark über uns lustig oder lästerte darüber, dass wir die Pflanzen dem harten, ölverkrusteten Boden kaum entreißen konnten. Unsere Kollegen, darunter sehr viele Mexikaner, waren sehr solidarisch und mit ihnen haben wir immer eine Menge Spaß gehabt, was das Leben dort durchaus erträglicher machte.Mein Vater dagegen gab auf unsere Beschwerden zuhause nichts weiter, sondern schickte uns in den nächsten Ferien wieder raus. Weil ich für einen Europa-Trip sparte, zog ich noch einmal Richtung Ölfeld los, nichts Gutes ahnend. Dass ich dann meine Genugtuung erhalten sollte, konnte ich ja nicht wissen. Dem faulen und filmreif psychopathischen Aufseher unterlief im zweiten Sommer ein folgenschwerer Fehler: Er ließ einen Öltank mit unzähligen Litern auslaufen - und wurde endlich gefeuert.Zur Person
Terry von Bibra ist Geschäftsführer der Yahoo Deutschland GmbH.
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Dieser Artikel ist erschienen am 02.08.2010

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