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Knast
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Manager hinter Gittern

Knast mit Promi-Bonus

Teil 2: Vom Entscheider zum Befehlsempfänger

Meist haben sich ihre Straftaten wie ihre legalen Geschäfte in den Chefetagen abgespielt. Sie waren Entscheider, führten ein bequemes Leben. Im Gefängnis sind sie Befehlsempfänger, teilen den Flur und manchmal die Zelle mit Mördern, Bankräubern, Vergewaltigern.

Auf etwa sieben Quadratmeter hinter verschlossener Tür mit Klo in der Ecke ist ihr Spielraum begrenzt. Licht kommt durch ein hochliegendes, vergittertes Fenster. Gemeinschaftsdusche, Hofgang nur nach Ansage statt Spaziergang nach Wetterlage – die Entmündigung ist perfekt.

"Manager wie Hoeneß müssen sich umgewöhnen", sagt Marcus Rautenberg, Ex-Gefängnispsychologe in der Justizvollzugsanstalt Mannheim. "Anders als bisher haben sie im Gefängnis niemandem mehr zu sagen, was er tun und lassen soll. Auch ihre Zelle müssen sie selbst sauber halten. Wer weiß, wie lange sie das nicht mehr gemacht haben."

Gefühl der Demütigung

Kalli J., Häftling der JVA Mannheim, beschreibt das Gefängnis als "Ort, an dem alles selbstständige Denken abgenommen wird". Telefonate mit Frau, Kindern und Freunden gibt es nur auf Antrag, mailen, skypen oder Smartphone-Nutzung sind nicht erlaubt. Erstleser privater Briefe ist die Anstaltsleitung.

"Ich fand das unheimlich demütigend", sagt Kinowelt-Gründer Michael Kölmel über die zwei Tage, die er in Untersuchungshaft verbrachte. Eine Strafhaft blieb ihm dank Bewährungsstrafe gerade noch erspart. Wirtschaftsanwalt Jürgen Wessing hat Mandanten erlebt, die nach der ersten Woche hinter Gittern "mehr wie ein Clochard und nicht mehr wie ein Unternehmensführer aussahen".

Für Ex-Comroad-Chef Schnabel war die Toilette auf der Krankenstation "eine Katastrophe. Viele Gefangene sind nicht besonders reinlich."


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