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Kinderbetreuung

Kinderleicht in die Selbstständigkeit

Kirsten Ludowig
Marcus Bracht verdiente als Berater gutes Geld – und war unzufrieden. Er suchte nach dem Kick in seinem Leben und wagte sich in die Selbständigkeit. An Kinderbetreuung hätte er damals im Traum nicht gedacht. Heute betreibt er acht Kindertagesstätten und ist zufrieden.
Marcus Bracht, Gründer von EduccareFoto: © Andy Ridder
Marcus Bracht trägt eine randlose Brille, sein braunes Haar ist leicht zur Seite gegelt, in der rechten Hand hält er einen dauervibrierenden Blackberry und in der linken eine schwarze Laptoptasche. Das Hemd und die Krawatte sind sorgfältig auf den dunkelblauen Anzug abgestimmt. Auf den ersten Blick ist der 39-Jährige der klassische Managertyp. Wer ihn anschaut, sieht ihn im Büro, am Konferenztisch oder beim Geschäftsessen. Dann aber fällt der Blick auf seine Schuhe. Es sind elegante Lederschuhe - doch die stecken in großen, grünbraunen Filzpantoffeln mit kleinen rosa Blümchen.Bracht steht in der Eingangshalle der LuKids Süd, einer von zwei Kinderkrippen des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen, und schlittert los - bis ein kniehohes Holzgatter ihm den Weg versperrt. Von der anderen Seite nähert sich mit einem laut quietschenden Dreirad der kleine Daniel. Der Zweijährige kracht gegen das Gatter. "Hey Daniel, don't do that", ruft eine Frauenstimme. Der Crashtest wirft den kleinen Mann nicht aus der Bahn. Er guckt für einen Sekundenbruchteil schuldbewusst, wendet dann abrupt, tritt wieder kräftig in die Pedale und entfernt sich laut quietschend. Bracht blickt ihm kurz hinterher, biegt in einen kleinen Aufenthaltsraum ein und wirft sein Sakko über einen der Stühle. Es ist neun Uhr morgens, sein Arbeitstag bei 30 Windelträgern beginnt.

Die besten Jobs von allen

Der Wunsch nach SelbstständigkeitIm Oktober 2001 hängte Bracht seinen gut bezahlten Job als Unternehmensberater an den Nagel, um Kitas -also Kindertagesstätten - zu betreiben. Gemeinsam mit seinem Partner, Betriebswirt Axel Thelen, gründete er Educcare: eine gemeinnützige GmbH, die 113 Mitarbeiter beschäftigt und sich bis hin zum Firmennamen der frühkindlichen Bildung (education) und Fürsorge (care) verschrieben hat.Das kaufmännische Duo hat bis dato bundesweit acht Kindertagesstätten geplant, aufgebaut und deren Trägerschaft übernommen. Darunter drei kommunale, drei betriebliche und zwei kombinierte Einrichtungen. Reich sind die beiden Gründer bis jetzt noch nicht geworden, aber mittlerweile können sie ihre Familien mit dem, was sie tun, ernähren. "Aus finanzieller Sicht hätte ich lieber in meinem alten Job bleiben sollen. Da habe ich eindeutig ein Minusgeschäft gemacht", sagt Bracht.Mehr als sechs Jahre verdiente er als Berater gutes Geld, kam viel rum, war erfolgreich - und trotzdem nicht zufrieden. Ihm fehlte die innere Motivation, der Job erfüllte ihn nicht. Häufig konnte er mit den Projekten, die er betreute, wenig anfangen. "Ein Online-Portal für Erotikhändler aufbauen - das ist nicht das, wo ich sage: Hey, das ist mein Kick fürs Leben", erzählt er. Der Wunsch, ein Unternehmen zu gründen, schlummerte schon lange in ihm und wurde immer größer. Er wollte etwas Eigenes auf die Beine stellen, etwas bewegen. Was genau, das wusste er nicht. Nahe lag "etwas mit IT"; das bot sich als Wirtschaftsingenieur an. An Kinderbetreuung und große, grünbraune Filzpantoffeln mit kleinen rosa Blümchen hätte er damals nicht im Traum gedacht.

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