Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Auch Führungskräfte sollten vor Innovation und Kreativität nicht Halt machen.
Foto: Denisismagilov / Fotolia.com
Führungskräfte in Unternehmen

Keine Angst vor Kreativität!

Daniel Rettig, wiwo.de
Menschen können die Erfolgschance neuer Einfälle durchaus präzise vorhersagen – solange es nicht um ihre eigenen Geistesblitze geht.
Jeder Angestellte soll heute ständig kreativ und innovativ sein. Doch dazu gehört es nicht nur, neue Einfälle zu entwickeln – sondern gleichzeitig deren Erfolgschancen einzuschätzen. Leichter gesagt als getan, besonders in Unternehmen.

Oder, um es mit Thomas Strerath zu sagen: "Die große Kunst ist es, eine gute Idee zu erkennen, sie ins Ziel zu tragen und dabei jedem auf die Finger zu hauen, der sie verschlimmbessern will." Das sagte der Vorstand der Werbeagentur Jung von Matt kürzlich im Interview mit der Fachzeitschrift "Horizont".

Aber wer ist zuverlässiger darin, Hirngespinste von Geniestreichen zu unterscheiden: diejenigen, die täglich neue Ideen entwickeln – oder deren Vorgesetzte, die in diesen kreativen Prozess nicht direkt eingebunden sind?

Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, setzte der Psychologe Justin Berg von der Stanford-Universität für seine neue Studie auf die Hilfe des berühmten kanadischen Zirkus Cirque du Soleil – und zwar aus drei Gründen.

Studie zeigt, dass Führungskräfte bei der Bewertung von Ideen hinten liegen

Erstens ist die Zirkusbranche auf Kreativität angewiesen. Wären die Vorstellungen und Tricks immer gleich, würde kein Besucher mehr ins Zelt kommen. Zweitens sind die Rollen von Artisten und Direktoren getrennt und lassen sich somit vergleichen. Und weil die meisten Führungskräfte eines Zirkus ihre Karriere drittens als Clown, Dompteur oder Artist in der Manege gestartet haben, verfügen beide Gruppen über ähnliches Wissen.
Gute Voraussetzungen für ein kleines Experiment.

Berg konfrontierte 339 Zirkusangestellte aus insgesamt 43 Ländern – Artisten aus der Manege ebenso wie Manager hinter den Kulissen – mit Videos verschiedener Zirkusakte. Außerdem zeigte er die Filmchen 150 Arbeitnehmern. Alle Befragten sollten nun prognostizieren, wie gut die Videos bei neutralen Zuschauern ankommen würden. Im Anschluss stellte er sie ins Internet und ließ sie von Freiwilligen bewerten. Wie gefielen ihnen die gezeigten Akte – und würden sie sie mit ihrem virtuellen Freundeskreis bei Facebook und Twitter teilen?

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick