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Felicitas von Elverfeldt

"Kein Dax-30-Unternehmen verzichtet auf Coaching"

Christoph Mohr
Felicitas von Elverfeldt, Wirtschafts-Psychologin und Buch-Autorin, arbeitet seit über zehn Jahren als Coach von Top-Managern. Zu ihren Kunden gehören Dax-30-Unternehmen wie BMW, Commerzbank, Deutsche Bank, und Siemens.
Felicitas von ElverfeldtFoto: © PR
Noch vor nicht allzu langer Zeit haben Top-Manager lieber verschwiegen, wenn sie die Hilfe eines Karriere-Coach in Anspruch nahmen. Das scheint sich deutlich geändert zu haben.
In der Tat hatte Coaching vor über zehn Jahren noch das Image von „nachsitzen“ oder „Defizite bearbeiten“. Darüber wurde meist hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Mittlerweile ist Management-Coaching die professionelle Form individueller Beratung im beruflichen Kontext und wird vorwiegend für Potentialkandidaten der oberen Führungsebenen genutzt. So wie auch fast jeder Profisportler einen Coach hat, um in einer mental optimalen Verfassung zu sein und höchste Anforderungen erfolgreich zu meistern, nutzen die meisten Top-Manager mittlerweile Coaching zur Erfolgssteigerung.
Teilen Sie die Beobachtung, dass in manchen Unternehmen Coaching geradezu ein neues Manager-Statussymbol geworden ist: Seht her, das Unternehmen bezahlt mir einen Coach, also bin ich auf dem Fast Trek nach oben.
Ohne Zweifel sind viele Manager als erste Reaktion stolz, wenn sie ein individuelles Coaching angeboten bekommen und es wird gerne als Statussymbol oder Incentive gesehen. Jedoch realisieren die Kunden meist sehr schnell, wie wichtig die persönliche Weiterentwicklung bei permanent steigenden Anforderungen ist, um langfristig erfolgreich und zufrieden zu sein. Wenn es nur ein Statussymbol wäre, würden die Kunden nicht alles daran setzen, um ihre Coaching-Termine trotz des enormen Zeitdrucks einzuhalten.

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Wie verbreitet ist Coaching heute tatsächlich?
Kein DAX-30-Unternehmen verzichtet heute mehr auf Coaching. Die jährlichen Zuwachsraten sind im zweistelligen Bereich und nach Trendumfragen, soll die Verbreitung in den nächsten Jahren weiter steigen.
Was sind das für Leute, die zu Ihnen zum Coaching kommen?
Zu mir kommen in erster Linie Führungskräfte der oberen Ebenen von Großkonzernen. Die oberen Führungskräfte suchen in der Regel einen neutralen Sparringspartner, mit dem Sie regelmäßig die Themen besprechen wollen, die sie gerade beschäftigen. Die Manager der Ebenen darunter haben meist konkrete Ziele, an denen sie arbeiten möchten. Dazu sind in der Regel rund sechs bis neun Gespräche üblich.
Werden wir einmal konkret. Was machen Sie als Coach mit einem Coachee?
Jeder Kunde bekommt zunächst ein unverbindliches einstündiges Vorgespräch zum gegenseitigen kennen lernen und um die Ziele sowie das individuelle Vorgehen zu besprechen. Wenn es zu einer Zusammenarbeit kommt, hat jeder Kunde die Möglichkeit, ein schriftliches Stärken-Schwächen Profil von mir zu erhalten. Coaching-Termine dauern in der Regel 2-4 Stunden und finden ca. alle vier Wochen statt. Im Coaching-Prozess werden zunächst die Ziele und Erfolgskriterien mit dem Kunden und optional gemeinsam mit dessen Vorgesetzten vereinbart sowie am Ende des Prozesses überprüft. Bei den Coaching-Sitzungen wird an den vereinbarten Zielen anhand von Fallbeispielen aus dem aktuellen Kontext des Kunden gearbeitet. Der Coach fungiert als neutraler Sparringspartner, Feedbackgeber, bei Bedarf Berater und vermittelt häufig durch seine Fragen eine andere Sichtweise, die dem Kunden hilft, seine Potentiale optimal zu nutzen. Die Gespräche finden in der Regel persönlich statt und nur bei Bedarf per Telefon oder selten per Email.
Gnothi seauton, Erkenne Dich selbst, lehrt doch schon die klassische griechische Philosophie. Das ist also nichts wirklich Neues. Warum ist das heute für Top-Manager so wichtig geworden?
Sich selbst vollständig zu (er)kennen ist eine Lebensaufgabe. Je größer die Veränderungen im Umfeld werden, auf die es zu reagieren gilt, desto häufiger entdeckt man an sich selbst ganz neue Seiten. Da besonders Top-Manager einen immer größeren Veränderungsdruck bei zunehmender Geschwindigkeit meistern müssen, ist die Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken immens wichtig, um erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen und adäquat zu reagieren. Im Coaching geht es darum, den Manager durch kritische Hinterfragung der eigenen Praxis zur Reflexion und optimalen Nutzung seiner Potentiale zu befähigen.
 

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