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Schwitzen im Büro

Kein Anspruch auf "Hitzefrei"

Tina Groll / Zeit.de
Die sommerlichen Temperaturen machen Arbeitnehmern zu schaffen. Doch Hitzefrei gibt es nicht. Was gegen die Hitze im Büro hilft, zeigt eine Übersicht.
HitzefreiFoto: J. Bredehorn/Pixelio
Auch wenn es in den Arbeitsräumen über 30 Grad warm ist: Hitzefrei gibt es im deutschen Arbeitsrecht nicht. Nach §4 Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber aber verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, "dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden wird".

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) hat die gängige Rechtsprechung im Juni 2010 konkretisiert und in der Richtlinie für Arbeitsstätten eine Obergrenze von 35 Grad genannt (ASR A3.5). Generell soll die Lufttemperatur in Arbeitsräumen 26 Grad nicht überschreiten; es sei denn, die Außentemperatur ist höher. Dann gilt die Obergrenze von 35 Grad.

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Wird die Obergrenze überschritten, sollte der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern Kühlung verschaffen und eine weitere Aufheizung der Räume vermeiden. Beispielsweise durch Jalousien an den Fenstern, die vor direkter Sonneneinstrahlung schützen, oder durch das Lüften der Arbeitsräume in den kühlen Abend- und Morgenstunden.

Auch sollte der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern kostenlos kaltes Wasser zur Verfügung stellen. Ab einer Temperatur über 26 Grad empfiehlt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz das Aufstellen von Ventilatoren und Kühlungsgeräten oder das Lockern des Kleidungskodex sowie elektrische Geräte, Lampen, Drucker und Kopierer nur bei Bedarf in Betrieb zu nehmen.

Spielt der Arbeitgeber nicht mit, dürfte es schwer werden, den Anspruch durchzusetzen. Ebenso verhält es sich mit der Nutzung von Gleitzeitregelungen – beispielsweise, die Arbeitszeit in die kühlen Morgen- oder Abendstunden zu verschieben oder zusätzliche Pausen einzulegen. Arbeitsrechtler empfehlen, dass sich Mitarbeiter gemeinsam mit dem Betriebsrat mögliche Maßnahmen überlegen und diese dann zusammen mit dem Arbeitgeber abstimmen. Ein rechtlicher Anspruch auf kühlende Maßnahmen lässt sich aus der Richtlinie nämlich nicht ableiten. Wer wegen Hitze früher geht oder sogar die Arbeit verweigert, kann seinen Job verlieren.
 


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