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Jobsharing: Geteilte Stelle, halbes Gehalt, mehr Zeit
Den Staffelstab weitergeben – nach diesem Prinzip funktioniert die Arbeitsplatzteilung.Foto: mezzotint_fotolia/Fotolia.com
Jobsharing

Karriere trotz Teilzeit

von Kerstin Dämon, wiwo.de
Zwei Mitarbeiter, eine Stelle: Jobsharing hat gegenüber klassischer Teilzeit Vorteile und ist auch für Männer attraktiv. Jana Tepe, Gründerin der Jobsharing-Plattform Tandemploy, erklärt, für wen sich das Modell eignet.
Ihr Unternehmen Tandemploy vermittelt zwei Personen auf eine freie Stelle. Fragt der Markt das nach?

Die Nachfrage nach Jobsharing steigt stark. Allein zwischen 2003 und 2009 ist sie um 124 Prozent gestiegen. Mittlerweile wird das in jedem fünften deutschen Unternehmen eingesetzt und der Trend ist stark steigend. Es gibt leider noch keine neueren Zahlen, die letzten sind aus dem Jahr 2009. Aber neuere Studien aus der Schweiz belegen einen starken Trend, weshalb man davon ausgehen kann, dass es sich in Deutschland ähnlich entwickeln wird.

Sie sind selber Jobsharer. Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen mit der geteilten Position?

Ich teile mir eine Stelle mit meiner Mitgründerin und Mitgeschäftsführerin Anna Kaiser. Das heißt, wir haben Tandemploy gemeinsam gegründet und teilen uns die Aufgaben der Geschäftsführung nach unseren Stärken auf. Das hat sich als sehr angenehm erwiesen, weil Anna all das gut kann und gerne macht, was ich nicht kann oder gerne mache. Wir ergänzen uns da sehr gut.

Also gibt es bei Ihnen zwei Teilzeitchefs.

Ich empfinde das als sehr entlastend. Wir tragen natürlich die Verantwortung gemeinsam, wir sprechen uns ab und können unsere Sichtweisen miteinbringen. Das hat ehrlich gesagt in der Gründungsphase noch nicht zu Teilzeit geführt, in Anbetracht der Tatsache, dass Tandemploy noch ein sehr junges Unternehmen ist. Es hat aber auf jeden Fall zu sehr humanen Arbeitszeiten geführt und dazu, dass wir auch mal entspannt nicht da sein können, weil der andere genau Bescheid weiß und einspringen kann.

Absprachen sind demnach das A und O bei dem, was Sie tun.

Klar. Wir haben zwar jeder unsere eigenen Bereiche, aber wir sprechen uns immer wieder ab und kommunizieren auch eng. Dass man immer einspringen kann, wenn der andere nicht da ist, impliziert ja, dass man wissen muss, was er tut.

Gibt es Berufe oder Branchen, in denen sich Ihrer Meinung nach Jobsharing besonders anbietet?

Es ist gar nicht so sehr branchenspezifisch, sondern hängt mehr von den Positionen ab. Wir finden Jobsharing bei Unternehmen wirklich jeder Größe und jeder Branche. Aber es gibt bestimmte Positionen, bei denen es besonders gut funktioniert. Das sind alle Positionen, bei denen klassische Teilzeit an die Grenzen stößt, man sie also nicht einfach aufsplitten und zwei Menschen ihren abgegrenzten Bereich machen lassen kann. Also überall da, wo es ein bisschen komplexer wird oder wo der Chef sagt, dass er eine 100-prozentige Besetzung braucht, also 100 Prozent Power auf dieser Stelle.

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