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Können Politiker den Stress am Arbeitsplatz verbieten?
Stress im Job: Wie können Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Stress verhindern und Burnout vermeiden?Foto: Nomad_Soul/Fotolia.com
Anti-Stress-Gesetz

Kann man Stress verbieten?

Tina Groll, zeit.de
Die SPD und Gewerkschaften fordern erneut eine gesetzliche Anti-Stress-Verordnung. Kann gesetzlich geregelt werden, dass der Chef seine Mitarbeiter nicht anrufen darf?
Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will erneut prüfen, ob sich ein Anti-Stress-Gesetz einführen lässt. Denn die Anzahl der stressbedingten Erkrankungen steigt hierzulande ständig. Erst kürzlich veröffentlichte die OECD Zahlen, denen zufolge sich die Work-Life-Balance in fast allen europäischen Ländern verschlechtert hat. Gleichzeitig stellte eine Umfrage der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) fest, dass gut ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland auch nach Feierabend für die Arbeit zur Verfügung zu stehen hat. Jeder Fünfte ist wegen der ständigen Erreichbarkeit zu erschöpft, um sich noch zu Aktivitäten mit Freunden und Familie aufzuraffen.

Ideen für die Anti-Stress-Verordnung

Auch Familienministerin Manuela Schwesig, Anhängerin der 30-Stunden-Woche für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, befürwortet eine juristisch festgeschriebene Anti-Stress-Regelung. Und Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) hat schon konkrete Ideen zur Ausgestaltung. Schneider fordert ein Gesetz, das es Arbeitgebern verbietet, ihre Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten zu kontaktieren.

Eine solche Regelung könnte allerdings so massiv in die Wirtschaft eingreifen, dass es schädlich wäre. Zu unterschiedlich sind die Branchen und Produktionsabläufe in den Unternehmen, und zu stark ist der globale Wettbewerb.

Konkrete Vorgaben

Es gibt bereits mehrere gesetzliche Regelungen zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Zentral ist das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Besonders wichtig ist Paragraf 5, der Arbeitgeber verpflichtet, eine Gefährdungsanalyse für die Arbeitsplätze in ihrem Unternehmen durchzuführen. Zu den maßgeblichen Risiken zählt der Paragraf auch ausdrücklich Stress.

Ergänzt wird das Arbeitsschutzgesetz durch allerlei Vorschriften und Verordnungen, aber auch durch Urteile von Arbeitsgerichten. Zusätzlich macht das Arbeitszeitgesetz konkrete Vorgaben, die festlegen, wie stark Mitarbeiter zeitlich beansprucht werden dürfen und welche Phasen zur Erholung ihnen zustehen. So beträgt die maximale wöchentliche Höchstarbeitszeit 48 Stunden, die nur in Ausnahmen überschritten werden dürfen. Ist das aufgrund von zwingenden betrieblichen Gründen der Fall, muss der Arbeitnehmer zeitnah einen Freizeitausgleich erhalten.

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