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Arbeitsklima

Kann Freundschaft im Job funktionieren?

Dorothee Fricke
Freundschaften im Berufsleben sind wunderbar, aber keine Selbstläufer. Falsche Erwartungen, Neid oder Konkurrenzsituationen können zu Konflikten führen. Wer sowohl beruflich als auch privat harmonieren möchte, sollte einige Regeln beachten.
Befreundete Arbeitskollegen: Christiane Bischoff, Thorsten Windus-DörrFoto: © Daniel M
Job weg, Beziehung kaputt. Das Jahr 2008 fängt für Christiane Bischoff aus Hannover nicht gut an. Bei ihrem langjährigen guten Freund Thorsten Windus-Dörr kann sich die 26-Jährige ausheulen. Der hört ihr aber nicht nur zu, sondern macht ihr auch ein Angebot: "Mit dem Mann kann ich dir nicht helfen, aber vielleicht habe ich einen Job für dich." Windus-Dörr hat sich gerade mit einer eigenen PR-Agentur selbstständig gemacht und sucht eine Assistentin. Bischoff greift zu, obwohl andere Freunde sie warnen: "Ihr seid doch befreundet. Das kann nicht gut gehen, wenn Thorsten dein Chef wird."Doch bisher geht es gut: Seit gut vier Monaten arbeitet Bischoff in der Agentur "Eins A Kommunikation" von Windus-Dörr und ist zufrieden - mit Job und Chef. "Thorsten ist fair zu mir. Sogar Kritik kann ich von ihm gut annehmen", sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Bischoff. Auch Windus-Dörr hält seine Assistentin für einen Glücksgriff. Er betont, dass er Christiane Bischoff nicht eingestellt habe, weil er mit ihr befreundet ist, sondern weil er überzeugt war, dass sie gute Arbeit leisten wird: "Das habe ich auch meinem Geschäftspartner deutlich gemacht."

Die besten Jobs von allen

Dass es zwischen Thorsten Windus-Dörr und Christiane Bischoff so gut läuft, ist keine Selbstverständlichkeit: Wer sich privat gut versteht, muss nicht automatisch gut zusammenarbeiten. "Der größte Fehler ist es, anzunehmen, dass alles so bleibt wie bisher", sagt der Psychologe und Karriereberater Uwe Gremmers. Denn wenn aus einem guten Freund der Chef, aus der Kollegin eine enge Freundin oder aus dem besten Kumpel in der Uni-Zeit Geschäftspartner werden, ändern sich die Rollen. "Es ist wichtig, dass man seine Erwartungen aneinander definiert und sich klar darüber austauscht, was die neue Situation bedeutet." Wenn es erst zu einem Streit gekommen ist, sei es oft schon zu spät: "Nicht geklärte Erwartungen sind nicht die Konflikte von morgen, sondern die Konflikte von übermorgen", so Gremmers.Schnaps ist Schnaps...Der Autor des Buches "Neu als Führungskraft" erlebt, dass es oft dann knallt, wenn sich die Hierarchien ändern. Er erlebt, dass sich damit vor allem junge Führungskräfte schwer tun: "Wer aufsteigt und ein Team führen soll, das aus befreundeten ehemaligen Kollegen besteht, muss den anderen klar machen, dass er von nun an auch mal unangenehme Entscheidungen treffen muss und den anderen vielleicht nicht immer alles erzählen darf." Eventuell sei es auch sinnvoll zu vereinbaren, Berufliches und Privates künftig stärker zu trennen nach dem Motto "Schnaps ist Schnaps, und Job ist Job". Verstecken muss man eine Freundschaft aber nicht. Die Einstellung von Thorsten Windus-Dörr hält Uwe Gremmers für richtig. Der geht mit der Freundschaft zu Christiane Bischoff ganz offen um: Als kürzlich eine neue Mitarbeiterin angefangen hat, habe er gleich am ersten Tag zu ihr gesagt: "Wundern Sie sich nicht, dass Frau Bischoff und ich uns duzen. Wir kennen uns nämlich schon sehr lange."Die meisten Job-Freundschaften entstehen ohnehin erst am Arbeitsplatz: 75 Prozent der vom Frankfurter Arbeitspsychologen und Karrierecoach Hermann Refisch für seine Dissertation zum Thema "Führung und Freundschaft" befragten Führungskräfte gaben an, im Berufsleben Freunde gefunden zu haben. Der Spruch "Je höher, desto einsamer" stimme nicht zwangsläufig, so Refisch: Viele der Befragten hätten berichtet, von Freundschaften zu profitieren. Für Berufseinsteiger, die nach dem Uni-Abschluss oft die Stadt wechseln, ist der Arbeitsplatz oft der erste und manchmal der einzige Ort, neue Leute kennenzulernen. "Grundsätzlich spricht überhaupt nichts dagegen, sich mit Kollegen anzufreunden", sagt Refisch, "nur sollte man das nicht überstürzen."Oft würden Bekanntschaften mit echten Freundschaften verwechselt und dann steht man am Ende ziemlich einsam da. Das hat Meike König (Name von der Redaktion geändert) vor einigen Jahren erlebt. Die Sozialpädagogin tritt ihren zweiten Job nach dem Studium in einem neu gegründeten Beratungszentrum an: Mit den neuen Kollegen freundet sie sich schnell an. "Wir waren eine Viererclique, zwei Männer, zwei Frauen." Nicht nur im Job halten sie zusammen, es folgen private Unternehmungen und Einladungen zu Geburtstagsfeiern. Gemeinsames Feindbild ist die nach Meinung aller unfähige Leitung des Zentrums.

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