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Diversity Management

Kampf um die Geschlechter

Stefanie Bilen
Der Kosmetikkonzern L'Oréal hätte gerne mehr Männer als Mitarbeiter, die Baumarktkette Hornbach mehr Frauen. Immer mehr Unternehmen buhlen um das jeweils unterrepräsentierte Geschlecht. Denn die Berufswahl ist in Deutschland nach wie vor geschlechtsabhängig.
Benjamin Rachow arbeitet im Marketing von GarnierFoto: © PR
Benjamin Rachow trägt sein kurzes lockiges Haar ohne Gel, und auch sonst sind auf den ersten Blick keine Anzeichen von dekorativer Kosmetik sichtbar. Bei der Frage "Strähnchen, Tönen oder Färben?" macht Rachow jedoch keine Frau etwas vor - selbst seine Chefin nicht. Ihr hat der 31-Jährige sogar schon eigenhändig die Haare getönt. Farbe 535, ein "schönes Schokoladenbraun". Rachow arbeitet für den Kosmetikkonzern L'Oréal - um genau zu sein für die Marke Garnier im Marketing - und ist damit meist allein unter Frauen und eine Ausnahmeerscheinung.Die Berufswahl ist in Deutschland nach wie vor geschlechtsabhängig. Schon bei kleinen Kindern ist zu beobachten, dass es nicht die Mädchen sind, die ausdauernd mit Baggern und Rennautos spielen, und nicht die Jungen, die ihre Puppen mit Stethoskop und Fieberthermometer untersuchen.

Die besten Jobs von allen

Jungen träumen von Helden, Mädchen vom Helfen. Diese Schlussfolgerung formulieren etliche Studien, die Kinder schon in frühen Jahren nach ihren Berufswünschen befragen. Meist ändern sich diese zwar bis zur Pubertät noch zigmal - trotzdem bleibt die Tendenz bestehen. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung steht der Kfz-Mechatroniker ganz oben auf der Liste der beliebtesten Ausbildungsberufe für Jungen, gefolgt vom Koch und Industriemechaniker. Bei den Mädchen stehen Friseuse, Verkäuferinnen und Arzthelferinnen hoch im Kurs.Das soll sich ändern. Unternehmen, Organisationen und nicht zuletzt die Politik setzen sich für ausgeglichene Verhältnisse ein. Der Fachkräftemangel droht in vielen Bereichen. Das Thema "Diversity" ist deshalb inzwischen anerkannt und wird von vielen Personalmanagern angewandt.Heimwerkerinnen gesucht: Die Baumärkte haben die Frauen entdecktSo unterscheiden viele Arbeitgeber nicht mehr nur generell zwischen Männlein und Weiblein, sondern fördern auch das jeweils unterrepräsentierte Geschlecht. Die Vielfalt zahlt sich aus. Sie fördert das Betriebsklima, klingt nach Political Correctness und spiegelt den Gesellschaftswandel wider. So heimwerkern längst nicht mehr nur Männer, und pflegen sich längst nicht mehr nur Frauen.Der Haarpflege- und Lippenstiftkonzern L'Oréal stellt deshalb seit Jahren Männern nach. So veranstaltet L'Oréal gemeinsam mit dem Autobauer Audi Recruiting-Veranstaltungen und kommt dabei mit Bewerbern ins Gespräch, die sonst im Leben nicht auf die Idee gekommen wären, für eine Lippenstiftmarke zu arbeiten.44 Prozent aller Mitarbeiter von L'Oréal in Deutschland sind inzwischen männlich. "Wenn unsere männlichen Mitarbeiter sagen, dass unsere Produkte sexy seien, und authentisch von ihrer Arbeit berichten, ist das die beste Nachwuchswerbung für andere Männer", sagt Personalchef Andreas Reusch.Auf Frauenfang sind andere Unternehmen - etwa die Baumärkte. Dübel, Spachtel, Zement - nichts klingt weniger feminin. Trotzdem beschäftigen Bauhaus, Hornbach oder Praktiker Männer und Frauen im ausgeglichenen Verhältnis. Nur die Leiter der Baumärkte sind traditionell männlich. Elke Schneider-Hädecke ist daher eine echte Minderheitenvertreterin, sie ist eine von insgesamt zwei Marktleiterinnen bei Hornbach.

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