Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Gleichgültigkeit?

Kampf für gleiche Gehälter

Claudia Obmann
Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch weniger als Männer. Oft passiert es aus Gleichgültigkeit, wenn Frauen in Sachen Gehalt diskriminiert werden. Doch Ignoranten bekommen verstärkt Gegenwind. In einigen Ländern sollen Gesetze den Arbeitgebern auf die Sprünge helfen.
Die rote Tasche dient als ProtestsymbolFoto: © BPW Germany e.V.
Für Frauen wird es Zeit, ihre rote Handtasche hervorzukramen. Zumindest, wenn sie am Equal Pay Day ein Zeichen setzen wollten. Denn mit dem farbigen Accessoire haben berufstätige Frauen am 26. März auf ihrem Weg zum Arbeitsplatz und bei über 100 Veranstaltungen in der ganzen Republik dagegen protestiert, dass sie am Monatsende weniger in der Tasche haben als Männer - bei gleicher Arbeit.Ob mit einem Infostand am Brandenburger Tor in Berlin oder mit Kundgebungen und Kabarett wie auf dem Münchener Marienplatz, Frauen wollen nicht länger hinnehmen, dass "sie" in Deutschland im Durchschnitt 23 Prozent weniger pro Stunde verdient als "er".

Die besten Jobs von allen

Gründe für die GehaltsschereZumindest ein Teil der von der EU konstatierten Gehaltsschere lässt sich erklären: Etwa mit der weiblichen Vorliebe für Branchen und Berufe, in denen traditionell schlechter verdient wird als in Männerdomänen wie dem Ingenieurwesen. Oder damit, dass Frauen längere Babypausen einlegen und häufiger als Männer Teilzeitstellen akzeptieren. Außerdem sind Frauen öfter in Kleinunternehmen beschäftigt und seltener in Führungspositionen anzutreffen.Doch selbst, wenn all diese Faktoren rausgerechnet werden, bleibt immer noch eine deutliche Gehaltslücke bestehen - je nach Studie beträgt sie zwischen fünf und 12 Prozent. Und sie ist noch immer zu groß, um sich damit stillschweigend abzufinden, meinen die Initiatorinnen der Roten-Handtaschen-Aktion vom Frauen-Netzwerk Business and Professional Women (BPW) und ihre Unterstützer wie die Münchener Karierre-Beraterin Sabine Asgodom: "Das Schlimmste an der Gehaltsdiskriminierung von Frauen ist, dass die wenigsten Unternehmen diese konkret betreiben. Vielmehr fällt sie den meisten Chefs gar nicht auf, weil sie Frauen sowieso nicht im Blick haben oder es ihnen schlicht egal ist." Mit ihren Aktionen am 26. März wollten die Frauen gegen diese Gleichgültigkeit mobil machen.Ignoranz gegenüber Gehaltsschere weit verbreitetDas verbreitete Phänomen der Ignoranz bestätigt jetzt sogar eine Studie der renommierten französischen Business School Insead. Eine Befragung der Personalmanager der 600 größten Unternehmen in 20 Ländern ergab, "dass 72 Prozent von ihnen noch nicht einmal versuchen, Gehaltsdiskriminierung aufzudecken", sagt Studienleiterin Herminia Ibarra.Doch damit, dass Unternehmenschefs die Gehaltsschere billigend in Kauf nehmen, soll Schluss sein. In vielen Staaten gibt es schon Gesetze oder werden gerade vorbereitet, die eine Ungleichheit bei den Gehältern von Männern und Frauen verhindern sollen oder sie bestrafen.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick