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Kaffee

Jobs für höchsten Genuss

Kirsten Ludowig
Kaffee ist noch vor Bier das Lieblingsgetränk der Deutschen. Auch für den Arbeitsmarkt spielt das braune Gold eine große Rolle. Vor allem, weil die Kaffeebranche vielseitige Jobs bietet. Wer nicht bei einem Unternehmen anfangen will, kann seit September 2008 sogar Coffeemanagement in Hamburg studieren.
Christian Bothe (l.) und Inácio Teixeira suchen Spitzenkaffee für Inter-American CoffeeFoto: © Jens Wunderlich
Die sattgrünen Sofas tourten im letzten Jahr durch eine Reihe deutscher Städte: Sie standen in Bremen auf dem Rathausplatz, in Frankfurt im Main-Taunus-Zentrum, in Berlin am Hauptbahnhof, in Nürnberg in der Altstadt. Viele Menschen hasteten achtlos vorüber, doch einige gönnten sich ein paar Minuten, stopften sich ein Kissen in den Rücken, tranken eine kostenlose Tasse Kaffee und plauderten miteinander. Ganz so wie die 29-jährige Christin Fankhänel aus der Marketing-Abteilung von Kraft Foods es zuvor geplant hatte.Auch in diesem Jahr geht die Sofa-Tour weiter. Sie ist Teil einer Werbekampagne, die Kraft Foods für seine Filterkaffee-Marke Jacobs Krönung inszeniert. Wieder sorgt Betriebswirtin Fankhänel für den Ablauf: Sie plant die Stationen, lädt prominente Stadtvertreter ein, organisiert Pavillons gegen den Regen und Fleece-Decken gegen die Kälte, pflegt den Internetauftritt und mehr. "Eine 360-Grad-Kampagne für Kaffee, das Lieblingsgetränk der Deutschen - und auch meine Leidenschaft. Ich liebe den Duft", schwärmt sie. "Es ist ein Produkt des täglichen Bedarfs, aber mit vielen Emotionen verbunden. Obwohl Kaffee von weit her kommt, ist er bei jedem Konsumenten extrem präsent."

Die besten Jobs von allen

Der Kaffeekonsum wächst seit Jahren weltweit. Das braune Gold ist nach Erdöl der wichtigste globale Exportrohstoff, die Bundesrepublik nach den USA der größte Importeur. "Allein in Deutschland wird mit dem Produkt ein jährlicher Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro erzielt und 10000 Arbeitsplätze sind damit verbunden", sagt Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbands. Kaffee spielt auch für den deutschen Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle: Jedes Gramm Bohnen der 146 Liter Kaffee, die der Deutsche im Schnitt jährlich trinkt, ist wochenlang unterwegs und passiert zumindest auf dem Papier unzählige Schreibtische, bevor es in flüssiger Form in der Tasse landet. Die Reise geht von tropischen Plantagen über die Weltmeere bis hin zum Zielhafen - in der Regel Hamburg - und von dort weiter zu den deutschen Röst- und Verarbeitungsbetrieben und schließlich in die Ladenregale.Zu den größten Anbietern in der Kaffeebranche gehören Discounter wie Aldi mit ihren jeweiligen Eigenmarken, Markenhersteller wie der US-Konzern Kraft Foods mit Deutschland-Zentrale in Bremen, das Hamburger Filial- und Depotunternehmen Tchibo, die Melitta-Gruppe aus Minden und die Münchener Firma Alois Dallmayr.Die Kaffeebranche bietet Jobs in Handel, Transport, Marketing und Vertrieb.Wer in die Branche einsteigen will, der kann seit vergangenem September den staatlich anerkannten Studiengang Coffeemanagement (Bachelor of Arts) an der privaten Northern Business School in Hamburg besuchen. Oder er geht direkt zu einem der Unternehmen. Kraft Foods und Tchibo zum Beispiel suchen vor allem BWLer fürs Marketing und den Vertrieb - und locken junge Akademiker mit Traineeprogrammen. Auch Christin Fankhänel steht kurz vor Abschluss des JuniorManagement-Programms bei Kraft Foods. In derart breit aufgestellten Organisationen sind die Aufgaben in der Regel jedoch nicht nur an das Produkt Kaffee oder an eine bestimmte Marke gebunden, sondern an einen Unternehmensbereich.Wer sich für den Handel und Transport interessiert, ist im Rohkaffee-Geschäft richtig. "Das Geschäft ist kompliziert und erfordert spezielle Warenkenntnisse. Deshalb sind hier in der Regel erfahrene Groß- und Außenhandelskaufleute mit Ausbildungsrichtung Rohkaffee tätig. Quereinsteiger findet man wenige", sagt Hanns-Christian Neumann von der Neumann Kaffee Gruppe, dem weltweit führenden Dienstleister für Rohkaffee.

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