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BWL

Jobchancen in Vertrieb und Marketing

Kirstin von Elm
Kunden werden on- und offline intensiver denn je umgarnt. Für kommunikationsstarke Wirtschaftswissenschaftler sind Vertrieb und Marketing echte Alternativen. Sowohl die Aufstiegs- als auch die Bewerbungschancen sind für BWLer interessant.
Gute Kommuikation ist der Schlüssel zum VertragsabschlussFoto: © Yanik Chauvin - Fotolia.com
Die erste Woche bei ihrem neuen Arbeitgeber verbrachte Sonja Siepen, 35, mit einem beheizbaren Mixer. Morgens, mittags und abends schmiss sie das Gerät an und ernährte sich ausschließlich durch Gerichte, die der "Thermomix" zubereiten konnte. Es gab Kartoffelcremesuppe, Schaschlik-Spieße und Piña Colada, und nach sieben Tagen Schulung im Hotel, in dem sie mit anderen Nachwuchsmanagern lebte, war sie bereit, die flexible Küchenhilfe Hausfrauen vorführen und verkaufen zu können.Der Aufwand, den das Direktvertriebsunternehmen Vorwerk in seinem Einführungskurs betrieb, ist ungewöhnlich aber notwendig. 900 Euro kostet der Thermomix, da sollten Siepens Argumente schon überzeugen, wenn sie Kunden begeistern will. Und das musste die Düsseldorfer Betriebswirtin dann auch gleich üben. Drei Monate lang hieß es: verkaufen, verkaufen, verkaufen. 50 Kundentermine, davon 25 mit Geschäftsabschluss sollten es sein - die Vorgabe ihres Chefs war ambitioniert. "Ich habe alle meine Freunde und Bekannten angerufen und gesagt: ,So, ihr dürft jetzt mal lachen, aber ich will euch einen Mixer andrehen'", erzählt sie.

Die besten Jobs von allen

Verkaufsgespräche müssen trainiert werdenAnders als ihre Kollegen mit den Staubsaugern musste sie aber nicht bei fremden Leuten an der Tür klingeln. Thermomix-Repräsentantinnen kochen ihre 4-Gänge-Menüs im privaten Kreis auf Einladung, ähnlich wie bei einer Tupper-Party. Für die Gastgeberin gibt es anschließend einen Dankeschön-Rabatt. Sonja Siepen meisterte ihre Feuertaufe mit Bravour. Erst wurde sie zur Gruppenleiterin ernannt und stellte eine Verkaufstruppe für den Thermomix zusammen. Dann stieg sie zur Bezirksleiterin auf und übernahm schließlich, keine zwölf Monate nach ihrem Uni-Abschluss, ein Team von acht Gruppenleiterinnen mit 90 Repräsentantinnen.Für BWL-Absolventen ist es ein Traum, früh Verantwortung zu übernehmen. Eine Karriere im Vertrieb dagegen kommt für die meisten nicht infrage. Wer als Wirtschaftswissenschaftler den Schwerpunkt Marketing wählt - und das trifft auf über ein Viertel der gut 44000 Absolventen jährlich zu - möchte meist lieber bei einer weltbekannten Marke wie Porsche, L'Oréal oder Coca Cola arbeiten und dort an kreativen Marketingstrategien feilen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter Marketing-Studenten des Berliner Trendence Instituts (siehe Grafik Seite 3).Auch der Direktvertrieb bietet KarrierechancenBeim Stichwort Vertrieb denken Berufseinsteiger noch immer überwiegend ans Klinkenputzen und an Staubsaugervertreter. Auch Sonja Siepen ging es so. "Um Verkaufs-Jobs habe ich früher immer einen großen Bogen gemacht", sagt sie. Als man ihr zum Beispiel als Werkstudentin bei einem großen Verlag anbot, vom Kundenservice in den provisionsträchtigen Abo-Verkauf zu wechseln, lehnte sie dankend ab. "Und nun bin ich sogar in der Königsdisziplin, nämlich im Direktvertrieb gelandet", sagt sie lachend.Der Schritt hat sich ausgezahlt. Bei Vorwerk, das auch Kosmetik, Finanz- und Gebäudedienstleistungen anbietet und jährlich rund 2,3 Milliarden Euro umsetzt, ist die junge Vertriebsmanagerin seit ihrem Einstieg vor sechs Jahren weit gekommen. Vor knapp zwei Jahren wurde Siepen eine von bundesweit 20 Gebietsleitern - bei Vorwerk "Area Manager" genannt. Über ihr stehen nur noch drei Regionalmanager, dann kommt schon die Geschäftsführung. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen mehr als eine halbe Million freier Handelsvertreter.

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