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Consulting

Jobchancen bei den "Hidden Champions"

Kirsten Ludowig
McKinsey, Roland Berger, BCG – wer Berater werden will, hat oft nur die großen Namen im Kopf. Dabei haben auch viele kleinere Beratungen trotz der Krise Jobs im Angebot. Drei Erfahrungsberichte schildern Hintergründe, Vor- und Nachteile dieser Jobs.
Kleine Consultingfirmen bieten attraktive JobsFoto: © Kzenon
Markus Ellerbrake (Seite 4) hätte bloß unterschreiben müssen, das Angebot, das man nur einmal im Leben bekommt, lag auf seinem Tisch. Es war Ende vergangenen Jahres, mitten in der Krise. Der 35-jährige SAP-Experte hatte ein paar Bewerbungen rausgeschickt, und tatsächlich: Eine der Top-Strategieberatungen wollte ihn. Namhafte Kunden, das große Geld, blendende Karriereaussichten – all das war jetzt nur noch Formsache.Doch es fühlte sich nicht richtig an. Wollte er tatsächlich einer von tausenden Beratern in dem Unternehmen sein? Das Risiko eingehen, als Mitläufer zu enden, weil alle anderen ehrgeizigen Kollegen auch darum kämpfen, sich durchzusetzen? Ellerbrake, der gerade in Elternzeit war, wog ab. Und entschied sich für das zweite Angebot, das ihm vorlag: von Consileon, einer kleinen Firma in Karlsruhe, die Banken und Versicherungen berät. „Mir war es wichtig, meine Ideen langfristig einbringen und den Erfolg der Beratung aktiv mitgestalten zu können.“

Die besten Jobs von allen

Kleine Unternehmen bieten auch viele ChancenEtwa 13600 Beratungsfirmen gibt es laut dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater auf dem deutschen Markt. Die Global Player, Firmen wie McKinsey, Roland Berger und BCG, die auch in der Krise zahlreiche Jobs zu vergeben haben, kennt fast jeder. Sie werden täglich mit Anschreiben, Lebensläufen und Zeugnissen überschwemmt. Im Hintergrund, vor allem bei potentiellen Bewerbern, stehen die kleineren, häufig auf Branchen und Themen spezialisierten Beratungen. „Das ist einer der Gründe, warum viele dieser Boutiquen bei der Personalsuche auf externe Unterstützung zurückgreifen“, sagt Arne Tom Wörden vom Recruitingdienstleister Access Kelly-OCG. Dabei gibt es durchaus ein paar „Hidden Champions“, sogenannte verborgene Gewinner.Obwohl kleinere, spezialisierte Beratungen laut Dietmar Fink, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und Beratungsexperte, in der Krise im Gegensatz zu den Global Playern tendenziell stärker leiden, da sie häufig von einzelnen Kunden, Branchen und Themen abhängig und weniger gut vernetzt sind, stehen die Hidden Champions momentan relativ gut dar. Sie alle haben eine kritische Größe überschritten, in der Regel 50 Mitarbeiter, und sich ein Nischenwissen angeeignet. So sind sie zunehmend in der Lage, auch den Top-Beratungen Konkurrenz zu machen.Und: Sie stellen 2009 ein. „Vor allem die Beratungen, die keine bekannte Marke im Rücken haben, können sich Einstellungsstopps nicht leisten. Gerade bei ihnen ist die Gefahr groß, dass Personal fehlt, wenn der Markt wieder in Fahrt kommt“, erklärt Fink.Nicht nur die Global-Player stellen weiter einAndererseits können sie nicht mit einem schillernden Image und bekannten Namen beeindrucken. Experte Fink hält in der Tat den nicht vorhandenen Markennamen für das größte Manko: „Einige wenige Beratungen – häufig die, die große Wachstumsambitionen haben und vorrangig auf der Suche nach Professionals sind, versuchen diesen Makel auszugleichen, indem sie noch mehr Geld zahlen als die Großen.“ In der Regel sind die Löhne aber deutlich niedriger, denn der Großteil der Hidden Champions will und kann bei den Gehältern der Top-Strategen nicht mithalten. So können Berufseinsteiger laut Vergütungsspezialist Personalmarkt im Schnitt mit 48000 Euro brutto im Jahr rechnen. Das sind über 20 Prozent weniger als bei McKinsey, Roland Berger und BCG.Auch bei der Weiterbildung sieht Fink Nachteile bei den Hidden Champions. „Aufgrund ihrer Größe und der hohen Kapitalausstattung können Unternehmen wie McKinsey viel mehr Geld in diesen Bereich investieren.“ Zwar unterstützen einige kleinere Beratungen ihre Mitarbeiter individuell, wenn diese zum Beispiel einen MBA machen möchten. Aber die wenigsten haben ein professionelles, in das Karrieremodell integriertes System. Außerdem, fügt Fink hinzu, „können auch die Projektvielfalt und die Möglichkeit, international zu arbeiten, begrenzt sein“.

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