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Nebenjob

Jobben nach Dienstschluss

Melanie Rübartsch
DJ, Dozent oder Übungsleiter - wer einen Zweitjob hat, muss ein paar Regeln beachten und vorher unbedingt seinen Chef informieren. Sonst droht eine Abmahnung oder sogar die Kündigung im Hauptjob.
Arbeit im Callcenter? Bei Nebenjobs vorher den Chef fragenFoto: © www.dieexklusiven.de - Fotolia.com
Ob als DJ am Plattenteller, als Trainer in der Sporthalle, als Virenexperte am Computer oder als Dozent im Vortragssaal - bei immer mehr Deutschen geht der Trend zum Zweitjob. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hatten Ende vergangenen Jahres 2,22 Millionen Deutsche einen Nebenjob. Das waren acht Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Gründe sind unterschiedlich: Die einen wollen sich ein paar Euro hinzuverdienen, die anderen suchen Abwechslung zum Berufsalltag. Wieder andere machen ihr Hobby zum Zweitjob oder polieren ihr Renommee auf. Doch egal welche Motivation hinter der Feierabendaktivität steckt: Es gilt, ein paar wichtige Regeln zu beachten. Sonst steht der Hauptjob auf dem Spiel.Muss mein Chef etwas von meinem Nebenverdienst wissen?

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Das hängt vom Arbeits- oder Tarifvertrag ab. Meist sind dort Klauseln enthalten, nach denen Nebentätigkeiten vom Arbeitgeber genehmigt werden müssen. Und selbst wenn es keine Regelungen gibt, muss der Chef informiert werden, wenn seine Interessen berührt werden. "Sicherheitshalber sollte der Mitarbeiter den Chef über jeden Zweitjob kurz schriftlich informieren", sagt Anwalt Michael Felser, der auf Arbeitsrecht spezialisiert ist. Das schafft Vertrauen und beugt in Krisenzeiten dem Vorwurf vor, sich nicht ordnungsgemäß verhalten zu haben.Kann der Chef den Nebenjob verbieten?Grundsätzlich darf er den Zweiterwerb nicht verbieten, wenn die Tätigkeit seine betrieblichen Interessen nicht beeinträchtigt (BAG, 9 AZR 464/00 ). Das bedeutet umgekehrt: Der Chef kann sich querstellen, wenn der Nebenjob zum Beispiel in der Hauptarbeitszeit erledigt werden muss oder der Mitarbeiter bei der Konkurrenz tätig werden will. Auch wenn die Leistungen im Hauptjob leiden, wird es kritisch: "Wer ständig abends kellnert, ist morgens unter Umständen nicht mehr fit genug für seine Büroarbeit", sagt Experte Felser.Was droht, wenn ich mich nicht an die Regeln halte?Der Arbeitgeber kann seine Genehmigung zurückziehen, wenn er nicht richtig informiert wurde oder die Arbeitsleistung leidet. Wer seinen Nebenjob trotz vertraglicher Pflicht verschweigt, muss mit einer Abmahnung oder der Entlassung rechnen (BAG, 6AZR 537/95 ).  Und wer für die Konkurrenz tätig wird, riskiert die fristlose Kündigung (BAG, Az 2 AZR 442/97).Kann ich im Nebenjob so viel arbeiten wie ich möchte?Nein. Der Nebenjob darf - außer bei leitenden Angestellten - zusammen mit dem Hauptjob die zulässige Höchstarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten.Darf ich während des Urlaubs für den zweiten Arbeitgeber arbeiten?Im Urlaub soll man sich erholen. Daher darf ein Mitarbeiter zum Beispiel nicht extra für einen Zweitjob Urlaub nehmen. Laufende Feierabend- oder Wochenendjobs müssen während der Urlaubszeit aber nicht unterbrochen werden.Was ist mit meinem Nebenjob, wenn ich krankgeschrieben bin?Beeinträchtigt der Job den Heilungsprozess, ist er tabu. "Wer weiter arbeiten möchte, lässt sich am besten vom Arzt bescheinigen, dass er den Nebenjob ausüben kann, obwohl er im Hauptjob krankgeschrieben ist", rät Anwalt Felser. > Wie werden die Einnahmen aus dem Nebenjob versteuert? Die Nebeneinkünfte laufen über eine zweite Steuerkarte mit der unattraktiven Klasse VI. Bei der Einkommensteuererklärung werden alle Einkünfte in einen Topf geworfen und zum persönlichen Steuersatz abgerechnet.Gibt es Steuererleichterungen für bestimmte Berufe?Übungsleiter, Ausbilder oder Erzieher dürfen in ihrem Nebenjob pro Jahr 2100 Euro steuerfrei verdienen. Voraussetzung ist, dass ihr Arbeitgeber eine gemeinnützige Organisation oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts ist und die Tätigkeit einem gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zweck dient.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.10.2008

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