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Arbeiten hinter der Kamera

Job-Boom in der Filmbranche

Katja Evers
Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine Karriere in der Filmbranche. Feste, unbefristete Jobs sind rar. Der Einstieg lohnt trotzdem: Die Branche boomt. Die Zahl der Beschäftigten steigt.
Mit "Das Leben der anderen" gelang Jungproduzent Quirin Berg ein Welterfolg.Foto: © Thomas Dashuber
Manchmal ist die Entstehung und Karriere eines Films genauso spannend wie die Geschichte auf der Leinwand. Quirin Berg hat das erlebt. Er, ein junger, unbekannter Produzent, setzte nämlich alles auf eine genauso junge, unbekannte Karte - und gewann damit einen Oscar. Sein Film: "Das Leben der Anderen".Als der heute 30-jährige Berg vor fünf Jahren den Regie-Debütanten Florian Henckel von Donnersmarck, Student der Münchener Hochschule für Fernsehen und Film, kennenlernt, ist er von dessen Idee des Stasi-Films fasziniert - aber noch unerfahren. Mit seinem Produzentenkompagnon Max Wiedemann betreibt er eine kleine Firma in München. "Wir haben zwar nie an dem Film gezweifelt", sagt er heute, "aber es gab schon ein paar Momente, in denen wir schlecht geschlafen haben." Von vielen potenziellen Partnern bekamen sie eine Absage, keiner glaubte an den kommerziellen Erfolg. Berg und Wiedemann schon. Sie gingen das Risiko ein und finanzierten den Film selbst.

Die besten Jobs von allen

Heute, diverse Filmpreise später - darunter den Oscar für den besten ausländischen Film 2007 -, hat "Das Leben der Anderen" 50 Millionen Euro eingespielt, bei vier Millionen Euro Produktionskosten. Seitdem zählen Quirin Berg und Max Wiedemann zum gefragten Vorzeigenachwuchs der deutschen Filmbranche.So märchenhaft dieser Aufstieg verlief - typisch ist er nicht für die Branche. Die Werdegänge verlaufen eher so wie bei Jochen Laube, 29, der über seinen Antrieb, Filme zu produzieren, sagt: "Ich bin ein typischer Netzwerker und mag es, mich in verschiedenen Bereichen zu engagieren." Seit der Gründung von Sommerhaus, seiner eigenen kleinen Produktionsfirma, im Jahr 2005 hat er sich auf Kinofilme und Dokumentationen spezialisiert. Von der Stofffindung über das Schauspieler-Casting bis hin zur Auswahl - Laube ist bei allen wichtigen Entscheidungen seiner Produktionen involviert.Während Produzenten großer Firmen oft nur mit der Akquise neuer Projekte und der Leitung der Geschäfte beschäftigt sind, kümmern sich Produzenten in kleinen Unternehmen oft selbst um einzelne Filme und nehmen die Funktion des "Producers" wahr. Neben der Erstellung des Drehbuchs und der Auswahl der Filmcrew besteht seine Hauptaufgabe darin, die Finanzierung des Films zu sichern. Er muss die Kosten des gesamten Projekts kontrollieren, Kalkulationen aufstellen können und gegebenenfalls Gelder bei Sendern oder Filmförderungen beantragen. Ein schwieriger Job, der kaufmännische, künstlerische und organisatorische Fähigkeiten erfordert.Oliver Berben ist Geschäftsführer der Fernsehproduktionsfirma Moovie - The Art of Entertainment und arbeitet seit mehr als zwölf Jahren erfolgreich als Produzent in Deutschland. "Es gibt immer wieder Misserfolge", sagt der 37-Jährige. Doch je länger man in der Branche arbeite, desto mehr profitiere man von seinen Erfahrungen und wisse, "mit welchen Leuten man gerne und produktiv zusammenarbeiten kann".Nach Abbruch seines Studiums der Luft- und Raumfahrttechnik, arbeitete der Sohn von Schauspielerin Iris Berben zunächst als Assistent und Aufnahmeleiter bei Werbefilmproduktionen mit. Dann, 1996, gründete er zusammen mit dem Regisseur Carlo Rola Moovie, fusionierte drei Jahre später mit der von Bernd Eichinger geleiteten Constantin Film AG - und seitdem produziert Berben auch Kinofilme, darunter "Sass" und "Elementarteilchen". Derzeit läuft die Verfilmung von Donna Cross' Bestseller "Die Päpstin" unter der Regie von Sönke Wortmann.Die Filmbranche ist kein Geschäft, in dem man sicher planen oder präzise vorausschauen kann. Vor zehn Jahren sei es noch einfacher gewesen, eine Produktionsfirma zu gründen, "heute ist der Markt gesättigt und bereits verteilt", so Berben. Auch wenn das Kinojahr 2007 insgesamt, gemessen an den Zuschauerzahlen, einen Rückgang von rund sechs Prozent brachte, war es ein erfolgreiches Jahr für Berben. Den TV-Dreiteiler "Afrika, mon amour" mit Mutter Iris Berben verfolgten im Januar 2007 neun Millionen Zuschauer und verhalfen dem ZDF zu einem Marktanteil von 24 Prozent. Und auch mit seiner ersten "Tatort"-Produktion "A g'mahde Wiesn" sicherte er der ARD mit sechseinhalb Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von knapp 20 Prozent den Tagessieg.Solche Rekordmeldungen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Arbeiten in der Filmbranche längst nicht immer glamourös ist. Die Gehaltsunterschiede sind beispielsweise in der Produktion sehr groß. Der Einstieg als Junior-Producer wird mit etwa 1000 Euro im Monat honoriert. Gestandene Producer können zwischen 5000 und 8000 Euro im Monat verlangen. Oft gibt es für Neuaufträge noch eine Provision: Für eine Fernsehfilmproduktion kann man bei einem Budget von zwei Millionen Euro etwa 30000 Euro erwarten, als ausführender Produzent für einen Kinofilm mit vier Millionen Euro Budget rund 50000 Euro.

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