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Ingenieure

Innovationsboom in der Autobranche

Julia Groth, Christoph Hus
Sparsam sollen die Fahrzeuge der Zukunft sein. Ingenieure, die Elektro- und Hybridantriebe entwickeln können, sind sehr gefragt - auch in der Krise. Denn gerade die schlechte wirtschaftliche Lage lässt die Innovationstechnologien als Ausweg aus dem Tal erscheinen.
Franz Schmidt forscht an HybridmotorenFoto: © Quirin Leppert
Vor einem Jahr noch hätten die Autohersteller Franz Schmidt aus dem Hörsaal heraus rekrutiert. Er brachte alles mit, was sie sich wünschten: Maschinenbaustudium mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik an der Fachhochschule Regensburg, Praktikum bei Porsche, Diplomarbeit über Verbrennungsmotoren. Ideale Voraussetzungen also, um direkt einzusteigen.Aber der 27-Jährige hatte Pech. Die Krise kam - und sie verschonte vor allem die Fahrzeugbranche nicht. Schon Monate vor seinem Abschluss schrieb er Bewerbungen, 40 waren es insgesamt. Nach seinem Abschluss im März dauerte es noch mal drei Monate, bis er eine Zusage erhielt. Zwar träumen Studenten anderer Fachrichtungen davon, in nur zwölf Monaten eine Anstellung zu finden. Für Fahrzeugtechniker ist das aber neu. Wartezeiten? Krisen? Das kannten sie bisher nicht.

Die besten Jobs von allen

Hybridtechnologie ist zukunftssicherSeit Juni ist Schmidt jetzt bei der EVA Fahrzeugtechnik angestellt, einem mittelständischen Münchener Ingenieurbüro, das gemeinsam mit Autoherstellern und Zulieferern neue Autos entwickelt. Damit ist der Jungingenieur sehr zufrieden. Schließlich hat sich sein Wunsch erfüllt, an Autoantrieben zu arbeiten. Er berechnet das Drehmoment eines Hybridantriebs, der Verbrennungs- und Elektromotor miteinander kombiniert. Denn die Hersteller wissen noch nicht genau, welche Kraft bei den neuartigen Antrieben aus welchem Motorenteil in welcher Stärke am Rad ankommt. Ein zukunftssicherer Job, sagt Schmidt. "Hybrid- und Elektroantriebe werden in den nächsten Jahren die zukunftsweisende Technik sein. Sich jetzt auf alternative Antriebe zu spezialisieren, ist also das Beste, was man machen kann."Schmidt arbeitet nicht in den EVA-Labors, sondern in den Werkshallen von BMW. Seine Arbeit ist Teil eines gemeinsamen Projekts von EVA und dem bayerischen Autoriesen. Das Werkeln bei BMW ist ein später Sieg für ihn: Auch dort hatte er sich direkt beworben - aber BMW wollte ihn wegen der Krise nicht einstellen. Jetzt braucht der Münchener Konzern sein Fachwissen trotzdem. "Das BMW-Team hat mich mit offenen Armen empfangen und ist froh, dass ich da bin", sagt der Fahrzeugtechniker.Schmidts Weg ins Berufsleben ist typisch für die aktuelle Situation der Fahrzeugtechnikabsolventen. Und zwar gleich auf mehrere Arten: Erstens müssen derzeit selbst Überflieger Bewerbungen schreiben. Zweitens geben sich besonders die großen Autohersteller bei Neueinstellungen momentan zögerlich, mehr noch als die kleineren Entwickler und Zulieferer. Und drittens hat Schmidt genau das gemacht, was immer mehr Absolventen ins Auge fassen: Er hat sich für einen Job im Bereich der alternativen Antriebe entschieden. Hybrid- und Elektromotoren gelten als Technologien der Zukunft. Denn sie sollen die Umwelt scho- nen, Ressourcen sparen, der angeschlagenen Autobranche aus der Krise helfen - und ganz nebenbei auch noch zukunftssichere Jobs garantieren.Die deutsche Autobranche leidetBisher ist die Stimmung aber düster. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres sind in der deutschen Autobranche rund 15 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. "Momentan sieht es auf dem Markt schlecht aus", sagt Michael Kleiser von der Personalberatung Accetiser. Im ersten Halbjahr 2008 suchten deutsche Unternehmen noch 368 Ingenieure für Forschung und Entwicklung, im ersten Halbjahr dieses Jahres brach die Zahl auf 34 ein. In anderen Bereichen ist die Lage nicht viel besser (siehe Grafik Seite 3).Aber Kleiser sieht immerhin einen Silberstreif am Horizont. "Wir beobachten seit zwei Monaten, dass vor allem große Automobilzulieferer wieder vorsichtig beginnen, in allen Bereichen nach qualifizierten Mitarbeitern zu suchen." Daran haben die neuen Technologien einen großen Anteil: "Dieser Trend ist verstärkt im Bereich alternative Antriebe zu beobachten", sagt Kleiser. Ingenieure sind chronische Mangelware, und für die Antriebe der Zukunft wollen sich die Unternehmen nun besonders gut aufstellen. So rechnen fast 60 Prozent der Automobilfirmen damit, dass ihr Bedarf an Ingenieuren im kommenden Jahr steigen wird, belegen Zahlen des Vereins Deutscher Ingenieure.

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