Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Maschinenbau

Ingenieure tüfteln an der Zukunft

Kirstin von Elm
Die Krise trifft auch den Maschinenbau hart. Schätzungen zufolge werden die knapp 6000 Maschinenbau-Unternehmen in Deutschland im Jahr 2009 etwa 20 Prozent weniger produzieren als im Vorjahr. Warum trotzdem Nachwuchs gesucht wird.
Daniel Wolff ist Projektingenieur im Bereich ProduktionssystemeFoto: © Frank Rothe
Mercedes, Porsche, Ferrari - diese Vergleiche fallen dauernd, wenn ambitionierte Heimwerker von ihrem Hilti-Bohrhammer schwärmen. Zur Freude von Franz Mößnang. Denn der 30-jährige Maschinenbau-Ingenieur entwickelt im bayerischen Kaufering die leuchtend roten Profi-Werkzeuge. "Ein neuer Bohrhammer ist zwar nicht so komplex wie ein neues Auto, trotzdem bietet mein Job genügend Herausforderungen", sagt Mößnang, der seit dreieinhalb Jahren beim Liechtensteiner Konzern mit weltweit über 20000 Mitarbeitern arbeitet. Rund 1000 weitere Ingenieure und Facharbeiter entwickeln und produzieren 60 Kilometer westlich von München mit ihm Bohrhämmer, Antriebe und Motoren. "Mein Vater ist Bau-Ingenieur, deswegen kannte ich die Produkte schon als Junge", erzählt Franz Mößnang, der noch dazu gleich um die Ecke des zweitgrößten Hilti-Standortes aufgewachsen ist.Direkt nach seinem Studium an der TU München stieg Mößnang im Frühjahr in die Serienentwicklung des TE 80 ein. So heißt der wuchtige Kombi-Hammer für die härteren Jobs auf der Baustelle. Als Erstes trieb der Nachwuchsingenieur dem Gerät sein allzu heftiges Vibrieren aus, damit das Zehn-Kilo-Teil Bauarbeitern beim Bohren und Meißeln nicht aus der Hand fliegt. "Ähnlich wie bei Autos geht es auch bei unseren Werkzeugen darum, immer mehr Leistung mit immer weniger Gewicht und Energieverbrauch oder mehr Sicherheit und Komfort zu erzielen", sagt Mößnang.

Die besten Jobs von allen

Besonders gut gefällt ihm, dass er bei Hilti nicht auf die reine Serienentwicklung festgelegt ist, sondern auch an neuen Produkten mit entwickeln kann - angefangen von der ersten Computerskizze über die Prototypen-Konstruktion bis hin zu Funktionstests. Anschließend wird das Gerät dann für die Serienproduktion optimiert. Auch das hat seinen Reiz: "In Serienprojekten ist der Termin- und Kostendruck zwar höher, dafür hält man am Ende ein fertiges Produkt in den Händen, das jeder kaufen kann", sagt Franz Mößnang. In Kürze wird die Vertriebsmannschaft mit Mößnangs jüngstem Baby -einem neuartigen Kombi-Bohrhammer - ausschwärmen. Die äußerst kostspieligen Werkzeuge gibt es nämlich nicht im Baumarkt um die Ecke.Um die hohen Preise für die Premiumprodukte durchzusetzen, vertreibt der Hersteller sie über ein weltumspannendes Netz technisch versierter Verkaufsberater. Allein in Deutschland reisen derzeit rund 1100 Außendienstler von Baustelle zu Baustelle, darunter auch viele Ingenieure. Philip Janssen, der für Deutschland zuständige Personalmanager, möchte seine Verkaufstruppe auch im nächsten Jahr weiter aufstocken, denn dank staatlicher Konjunkturpakete gibt es zumindest auf deutschen Baustellen für Hilti noch genug zu bohren. Insgesamt sind in Deutschland ungefähr 50 Positionen jährlich zu besetzen, auch wenn der Werkzeughersteller genau wie viele andere Maschinenbau-Unternehmen derzeit Kurzarbeit fährt.Erstes Minus nach fünf Jahren WachstumKaum eine andere deutsche Industriebranche hat die globale Finanz- und Wirtschaftskrise so hart getroffen, wie den exportabhängigen Maschinenbau. Glaubt man den Schätzungen des Verbandes Deutscher Anlagen- und Maschinenbau (VDMA) in Frankfurt werden die rund 5 900 deutschen Maschinenbau-Unternehmen 2009 rund 20 Prozent weniger als im Vorjahr produzieren. Das ist das erste Minus nach fünf Jahren Wachstum. Um Entlassungen zu vermeiden, schickt die Branche ihre Leute wie Hilti in Kurzarbeit. Von Januar 2008 bis März 2009 ist die Zahl der Kurzarbeiter von überschaubaren 1000 auf 158000 explodiert. Zusätzlich haben bereits 18000 Menschen ihren Job verloren. Und der VDMA befürchtet, dass bis Jahresende noch weitere 42000 folgen.Allerdings sind arbeitslose MaschinenbauIngenieure noch immer selten: Mitte 2009 hatten gerade mal knapp 5500 Maschinenbauer mit Hochschulabschluss keinen Job. Das sind zwar rund 1400 mehr als noch im Sommer 2008. Dennoch liegt ihre Arbeitslosenquote nach wie vor unter vier Prozent, und entspricht praktisch Vollbeschäftigung. Und das dürfte auch so bleiben: "Trotz starker Auftragseinbußen braucht die Branche weiterhin gut qualifizierte Ingenieure", sagt Willi Fuchs vom Verband Deutscher Ingenieure (VDI) in Berlin. Schon allein aus demografischen Gründen: "Heute haben wir mehr Maschinenbau-Ingenieure über 50 Jahre als junge unter 35", rechnet der VDI-Direktor vor. Vor zehn Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick