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Industrie 4.0
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Ingenieure

"Industrie 4.0 schürt die Nachfrage"

Interview: Jan Guldner
Wirtschaftsforscher Oliver Koppel berichtet im Interview über die aktuellen Berufschancen von Ingenieuren.
Wo werden künftig Ingenieure gebraucht, und was müssen sie können? Oliver Koppel, Senior Economist für das Kompetenzfeld Bildung, Zuwanderung und Innovation am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, forscht regelmäßig zu diesem Thema. Besonders gute Perspektiven haben seiner Einschätzung nach Technikexperten mit Wirtschafts- und IT-Kenntnissen.

Herr Koppel, wie sehen Sie die Berufsaussichten für Ingenieure?

Sehr gut. Wichtige gesellschaftliche Trends werden in Zukunft der Klimawandel, die Ressourcen- und Energieeffizienz oder die Elektromobilität sein. Das sind allesamt Probleme, die auch mit technischem Wissen gelöst werden müssen. Unsere Industrie macht zudem große Teile ihres Umsatzes im Ausland, weil sich viele Länder auf der Welt zunehmend industrialisieren wollen. Deshalb braucht die deutsche Industrie künftig immer mehr Ingenieure.

Derzeit gibt es so viele Studenten in den Ingenieurwissenschaften wie nie zuvor. Irren Forscher, die vor einem Überangebot warnen?

Wir erwarten bis 2020 eine starke Nachfrage nach Ingenieuren, die wir auch dank der Rekordeinwanderung gut auffangen können. Wenn die Zahl der Studierenden abnimmt, kann es danach aber zu Engpässen kommen.

Wie bewerten Sie den sogenannten Schweinezyklus? Eine gute Lage auf dem Arbeitsmarkt lockt zu viele Studenten an, für die am Ende nicht genug Stellen da sind ...

Heutige Absolventen finden schnell einen Job, und das wird sich so bald auch nicht ändern. Selbst während der Wirtschaftskrise 2009 gab es keine Delle in der Beschäftigung. Ingenieure sind extrem flexibel einsetzbar, denn ihre Kernkompetenz ist es, praktische Probleme zu lösen. Eher bekommen Absolventen anderer Fachrichtungen Probleme.
 
Welche Branchen sind gerade besonders vielversprechend?

Von 2009 bis 2012 stieg die Zahl der Beschäftigten im Ingenieurberuf um sechs Prozent. Zu einem echten Rückgang kam es in keiner Branche. Überdurchschnittlich viele Erwerbstätige zog es in den Fahrzeugbau und zu wissensintensiven Forschungsdienstleistern wie der Fraunhofer-Gesellschaft.

Sehen Sie dort auch in Zukunft die meisten Arbeitsplätze?

Die Industrie lagert immer häufiger ihre Forschungsarbeit an Dienstleister aus, wo auch Ingenieure an den Fragestellungen arbeiten. Die Lage im Fahrzeugbau dagegen ist unklarer. Wir können noch nicht absehen, was der VW-Effekt anrichten wird.

Was müssen Ingenieure können, um heute erfolgreich zu sein?
 
Sie werden im Vertrieb wichtiger, denn die deutsche Industrie fertigt teils hochspezialisierte Maschinen. Sie zu vermarkten, erfordert hohes technisches Verständnis. Auch die Logistik ist heute ein sehr ingenieurgetriebenes Feld.

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Wirtschaftliches Hintergrundwissen wird also wichtiger?
 
Ja. Dennoch sehe ich den höchsten Bedarf an der Schnittstelle zwischen IT und Fertigung, also in der sogenannten Industrie 4.0. Hier sind Ingenieure dafür zuständig, wie eine Fabrik digital vernetzt wird und wie man neue Informationsströme richtig nutzt.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.01.2016

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