Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
GTZ

In der Welt zu Hause

Barbara Erbe
Wer bei der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) einsteigt, arbeitet international. Als Entwicklungshelfer in Afghanistan oder Mali sind Absolventen fast aller Fächer gesucht. Gesellschaftliches Engagement und Hobbys sind Türöffner.
Eva-Maria Melis geht für die GTZ nach KolumbienFoto: © Andreas Reeg
Wenn sich Jörg Yoder für einen Geschäftstermin in Schale schmeißt, trägt er ein weites Hemd mit langen Ärmeln und eine lockere Baumwollhose. Zudem bringt er viel Zeit mit: Zum einen für die oft beschwerliche Anreise - meist im Geländewagen, durchaus aber auch mal auf dem Rücken eines Pferdes. Und auch zum Tee trinken und Plauschen mit seinen Gastgebern, denen gegenüber es ein absoluter Affront wäre, ohne Umschweife auf geschäftliche Projekte zu sprechen zu kommen.Yoders Arbeitsplatz ist in Faizabad, Afghanistan; in jenem Land in Zentralasien, in dem seit der US-Invasion und dem Sturz des Taliban-Regimes im Herbst 2001 Krieg herrscht. Von hier aus leitet der 39-Jährige für die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ein Programm, das die Lebensgrundlagen der Menschen wiederherstellen soll.

Die besten Jobs von allen

Er unterstützt die örtlichen Regierungen bei der Auswahl und Planung von Wiederaufbaumaßnahmen, hilft den Dörfern Gemeinderäte einzurichten und begleitet sie bei Projekten wie Wiederaufforstung, Trinkwassergewinnung, Infrastruktur oder auch Aus- und Weiterbildung. "Damit wollen wir die Menschen in die Lage versetzen, solche Vorhaben in Zukunft eigenständig umzusetzen", erklärt Jörg Yoder.Die GTZ gehört zu 100 Prozent dem Bund und nimmt Aufgaben gemeinnützig wahr.Die Beratung in Entwicklungs- und Transformationsländern ist das Kerngeschäft des 1975 gegründeten Unternehmens. Die GTZ arbeitet vor allem für deutsche Ministerien, aber auch für internationale Organisationen, Regierungen anderer Staaten und private Unternehmen. Sie ist privatrechtlich als GmbH organisiert, befindet sich allerdings zu 100 Prozent im Bundesbesitz und nimmt ihre Aufgaben gemeinnützig wahr. Das heißt: Überschüsse werden ausschließlich wieder für eigene Entwicklungsprojekte verwendet.14000 Mitarbeiter beschäftigt die GTZ weltweit, Tendenz steigend. 1700 von ihnen arbeiten in der deutschen Zentrale in Eschborn bei Frankfurt, etwa ebenso viele Deutsche sind als internationale Experten im Ausland. Sie kooperieren dort mit Fachkräften, die überwiegend aus der jeweiligen Region stammen. Letztes Jahr wurden insgesamt 400 zusätzliche Stellen - größtenteils Auslandsstellen - geschaffen, dieses Jahr waren es bis zum Sommer bereits mehr als 270.Für viele Einsteiger ist gerade die internationale Arbeit reizvoll. Die projektbezogenen Verträge laufen in der Regel über drei Jahre und können um maximal zwei Jahre verlängert werden, danach folgt ein Wechsel. Das kann ein anderes Projekt oder Land sein, aber auch die Rückkehr nach Deutschland; zum Beispiel in den Bereich Planung und Entwicklung, der für fachliche und konzeptionelle Fragen verantwortlich ist - oder auch ganz woanders hin.Knapp die Hälfte eines Traineejahrgangs bleibt nach der 18-monatigen Ausbildung bei der GTZ, die andere Hälfte wechselt meist zu verwandten Arbeitgebern wie dem Deutschen Entwicklungsdienst oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Claudia Volk, Personalreferentin bei der KfW, bestätigt, dass Wirtschaftswissenschaftler, die bei der GTZ ausgebildet wurden, für die eigenen Reihen durchaus interessant sind: "Mit entsprechender Fokussierung können sie sich auch im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern gut einbringen."Auf Besucher wirkt der Platz zwischen den fünf Gebäuden auf dem Unternehmensgelände in Eschborn eher wie ein Uni-Campus - nur mit höherem Altersdurchschnitt. Typische Business-Outfits sieht man selten. Der Komplex wurde 2006 nach strengen ökologischen Kriterien saniert, worauf die Geschäftsführung sehr stolz ist. Und auch unter den Mitarbeitern ist das Klima gut, sagt Betriebsratschef Thomas Kalkert.Die GTZ nehme Themen wie die Work-Life-Balance und Familienfreundlichkeit ernst. Es gibt eine firmeneigene Kindertagesstätte, einen Fitnessraum und Gesundheitskurse für die Belegschaft. Vor allem lobt Kalkert aber die flexiblen Arbeitszeiten. "Wir haben um die 350 verschiedene Arbeitszeitmodelle. Zwischen 20 Prozent, etwa zugunsten von Fortbildung oder auch wegen des familiären Hintergrunds, und 90 Prozent Teilzeit ist alles drin", betont er. Seit 1999 gilt die Vertrauensarbeitszeit, aber wer will, darf auch stechen.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick