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Interview mit Dirk Notheis

"In der Politik mehr gelernt als an der Uni"

Tanja Kewes
Dirk Notheis war Chef der Jungen Union in Baden Württemberg - entschied sich dann aber für eine Karriere in der Wirtschaft. Heute ist er Deutschlandchef von Morgan Stanley. Im Interview spricht er über Kanzler, Wirtschaftsminister und den Wahlkampf.
Dirk Notheis entschied sich früh für die WirtschaftFoto: © Bert Bostelmann
Herr Dr. Notheis, Sie waren Vorstand der Jungen Union in Baden-Württemberg und damit auf einem guten Ausgangsposten für eine steile politische Karriere. Warum haben Sie sich dann doch für die Wirtschaft entschieden?
Politiker ist für mich im Ideal kein Beruf, sondern Berufung auf Zeit. Meine materielle und persönliche Unabhängigkeit war mir zudem schon immer sehr wichtig. In der Politik können Sie der stärkste Charakter sein, die Gefahr, dass Sie sich verbiegen müssen, wenn Sie Ihre Hypothek und die Ausbildung ihrer Kinder darauf abstellen, ist sehr groß. Aus diesen Gründen habe ich Politik immer nur im Ehrenamt betrieben.
Der Wechsel kam damals für viele Parteifreunde und Beobachter abrupt. Hatte es Streit gegeben? Was war der Anlass?
 Nein, Hintergrund war ein Jobwechsel. Ich bin 1999 von der SGZ-Bank zu Morgan Stanley gewechselt, also vom regionalen ins internationale Geschäft. Der neue Job war zeitlich, auch durch das viele Reisen, sehr viel anspruchsvoller. Nach drei Monaten habe ich die weiße Fahne geschwenkt und gesagt, beides lässt sich nicht mehr vereinbaren.

Die besten Jobs von allen

Was sagen Sie zum phänomenalen Aufstieg von Karl-Theodor zu Guttenberg? Bundeswirtschaftsminister - das wäre doch genau Ihr Job. Kommt da bei Ihnen keine Wehmut auf?
 Überhaupt nicht. Ich freue mich sehr für ihn. Er macht einen exzellenten Job, er ist eines der größten politischen Talente, die dieses Land hat. Auf seiner jüngsten Reise nach New York habe ich ihn begleitet und konnte mich davon aus erster Hand überzeugen.
Was wollten Sie als Kind werden? Kanzler? 
Nein, überhaupt nicht, auch wenn das immer alle vermutet haben. Als Kind hatte ich sogar den Spitznamen "Bundeskanzler". Ein mit meiner Familie befreundeter Unternehmer hat mich als kleinen Steppkes mal so genannt, weil ich schon sehr früh, mit sieben oder acht Jahren mit den Erwachsenen politische Diskurse führen wollte.
Was dann? 
Als Kind hatte ich ein breites Spektrum an Traumberufen, Politiker wollte ich nie werden. Sportreporter stand ganz oben auf der Liste, Fußballreporter um genau zu sein, und später dann Musiker und Opernsänger. 
Ist Politik ein schmutziges Geschäft? 
Nein, ganz im Gegenteil. Politik war für mich immer die Freude an der Auseinandersetzung um das beste Argument und die Freude daran, die Strukturen der Gesellschaft so zu formen, dass alle Menschen gute Lebensbedingungen vorfinden. Politik ist ein zutiefst ethisches Geschäft. Erwin Teufel, der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hat einmal zu mir gesagt: "Wenn du in die Politik gehen willst, musst du die Menschen ,lieben'!"
Wie sind Sie in die Politik gekommen? 
Es lag ein bisschen in der Familie. Mein Großvater war in der Weimarer Republik für die katholische Zentrumspartei aktiv. Nach dem Krieg war er dann Mann der ersten Stunde, als sich die CDU aus katholischen und evangelischen Christen formte. Er hat in Karlsruhe die lokale Einheit der CDU mit gegründet. Mein Großvater war aber in erster Linie Unternehmer und hat Politik - wie ich ja bis heute auch - immer nur im Ehrenamt betrieben. Mein Vater ist auch ein politischer Mensch, aber kein parteipolitischer.

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