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Ortswechsel

"In Buenos Aires ist der Alltag freundlicher"

Karen Naundorf
Die Metropole am Rio de la Plata ist industrielles und kommerzielles Zentrum Argentiniens und Welthauptstadt des Tangos. Iris Barth und Michael Sehmsdorf berichten von ihren Erlebnissen sowie über die Vor- und Nachteile am Leben in Buenos Aires.
Kongressgebäude in Buenos AiresFoto: © pedro - Fotolia.com
Ob es Zufall ist, dass sie in Argentinien landete? Iris Barth wiegt den Kopf. Ihr Vater, der vom Leben in Argentinien träumte, habe ihr oft von der herrlichen Weite des Landes erzählt. "Das gefiel mir", erinnert sie sich. Sie schrieb sich für Geografie und Ethnologie mit Lateinamerika-Schwerpunkt an einer Uni ein und bekam ein Jobangebot der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). "Es ist nur für zwei Jahre", tröstete sie ihre Freunde. Inzwischen sind daraus sechs geworden.Dabei hatte der erste Besuch sie skeptisch gemacht, ob ein Job in der Entwicklungszusammenarbeit sinnvoll sei. Damals war sie 19, machte ein Praktikum in einem argentinischen Kindergarten auf dem Land. "Ich hatte die Klischees im Kopf: Dicke Kühe und flötende Indios." Stattdessen sah sie Dürre und Kinder mit geflickten Schuhen. "Ich merkte, wie wenig ich wusste. Und fragte mich, welche Verbesserungen ich den Menschen vorschlagen sollte."

Die besten Jobs von allen

Argentinische Freundlichkeit und stundenlange DiskussionenDas hat sich längst geändert: Heute arbeitet Barth im Auftrag der GTZ im argentinischen Institut für Agrartechnologie. "Wir beraten bei Entwicklungsprojekten und messen deren Wirkung für kleine und mittlere Bauern." Außerdem sorgt sie dafür, dass der Klimawandel auf der Agenda des Instituts steht. "Wir lachen viel im Büro, haben interessante Diskussionen." Es gebe aber einen klaren Unterschied: "Das Konzept Zeit. Wir Deutschen wollen jede Minute nutzen. Hier diskutiert man gerne mal fünf Stunden lang über etwas, das man auch in einer Stunde hätte besprechen können. Das macht mich wahnsinnig."Trotzdem wolle sie nicht zurück nach Deutschland, denn die Sonne scheine öfter, der Alltag sei freundlicher. "Wer lächelt einen in Deutschland schon an? Hier gehe ich nur zum Gemüsehändler und bekomme gute Laune", sagt die 36-Jährige. Die Leute hätten längst gelernt, dass das Leben auch in einer Krise weitergehe, dass man auch mit einem alten Auto glücklich sein könne, solange es fahre. Barth wohnt in Buenos Aires, im Stadtteil Palermo, in dem es mindestens so viele Cafés und Galerien gibt wie in Berlin-Mitte. Ihre Wohnung ist in einem alten Getreidesilo, das zu einem Wohnkomplex umfunktioniert wurde. Sie lacht: "Man kehrt eben zu den Wurzeln zurück. Ich bin bei Heidelberg in einer Mühle aufgewachsen, neben Getreidesilos. Jetzt wohne ich in einem."

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