Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Mach' mal Pause - immer nur Vollgas im Job schadet ...
Foto: Rawpixel.com/Fotolia.com
20 Karriere-Tipps

Immer nur Vollgas ist schädlich

Teil 2: Kleine Gesten, große Anreize

Anderen eine Freude machen

Kleine Gesten wie ein mitgebrachter Kaffee oder eine Dankes-Mail nach Projektende können große Wirkung entfalten. Forscher der Universität von Kalifornien zeigten, dass Mitarbeiter, die von Chef und Kollegen freundlich behandelt werden, glücklicher und selbstbewusster sind. Und: Wer nett behandelt wird, gibt das nicht nur an den Absender zurück, sondern auch an andere Kollegen weiter, sagt Studienleiter Joseph Chancellor.

Anreize geschickt setzen

Ob "Mitarbeiter des Monats" oder "Bester Verkäufer": Viele Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter durch Auszeichnungen motivieren. Das kann nach hinten losgehen, schreibt Timothy Gubler von der Universität von Kalifornien. Faule Mitarbeiter könnten solche Systeme manipulieren – etwa, indem sie fleißige Arbeit nur vortäuschen. Das wiederum fänden ehrlich motivierte Mitarbeiter so ungerecht, dass ihnen der intrinsische Anreiz verloren gehe. Gublers Tipp: Chefs sollten bei solchen Programmen nicht nur an die Zielgruppe, sondern an alle Mitarbeiter im Unternehmen denken.

Mit Musik kreativer werden

Überraschende Ideen kommen meistens nicht dann, wenn man sie braucht. Man kann ihnen aber auf die Sprünge helfen, schreibt Simone Ritter von der Radboud-Universität. Bei der nächsten kreativen Flaute sollten wir einfach mal Musik hören. Warum? Fröhliche Töne fördern originelle Ideen. Gut geeignet ist demnach zum Beispiel Antonio Vivaldis Violinkonzert Die vier Jahreszeiten. Ob die Inspiration auch mit Pop- und Rocksongs funktioniert, haben die Forscher nicht getestet. Und: Bei logischen Aufgaben hilft Musik nicht weiter.

Tagträume gezielt nutzen

Ihr Chef meckert, weil Sie mit Ihren Gedanken abschweifen? Glaubt man der Forschung Eric Schuhmachers vom Georgia Institute of Technology sind Tagträume aber durchaus sinnvoll – wenn sie zielgerichtet erfolgen. Wer in einem Traum ein neues Projekt durchspielt, hat kreativere Ideen.

Nicht zu viel Fluktuation zulassen


Neue Mitarbeiter sind leistungsbereit und haben frische Ideen. Ein gewisses Maß an Fluktuation ist für Unternehmen daher gut. Das gilt allerdings nicht für junge Firmen, hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung festgestellt. Wenn dort Mitarbeiter ausgetauscht werden, sinkt die Produktivität – und zwar langfristig. Der Grund: Das implizite Wissen, das die ersten Mitarbeiter haben, können Nachfolger kaum aufholen. Zudem ist es für Start-ups oft schwierig, gute Leute anzuwerben. Am besten ist es daher, man hält die alten.

Guten Rat in Ruhe umsetzen

Nur wer die Zeit und Freiheit hat, im Job kreative Ideen umzusetzen, kann vom Feedback von Freunden und Kollegen profitieren. Sonst droht der gute Rat zu verpuffen, warnt Arbeitspsychologe Roy Sijbom von der Universität von Amsterdam. Er empfiehlt Chefs, Feedback-Workshops einzurichten, bei denen Mitarbeiter lernen, wie sie Kritik geben und empfangen können.

An die Richtigen delegieren

Mitarbeiter mit Verantwortung sind motivierter? Nur wenn sie kreativ arbeiten können, glaubt Allan Lee von der Universität von Exeter. Wer hingegen nur Routineaufgaben erledigt, könnte einen eigenverantwortlichen Führungsstil dagegen so interpretieren, dass der Chef nur Arbeit abwälzen will. Und das wirkt demotivierend.

Auf Außenseiter vertrauen

Je mehr Experten zusammenarbeiten, desto besser wird das Ergebnis, könnte man meinen. Falsch. Riitta Katila von der Stanford-Universität hat festgestellt: Unternehmen, bei denen zu viele Insider in Führungspositionen sitzen, sind weniger innovativ. Die Forscherin vermutet, dass Experten mehr auf ihre altbewährte Expertise vertrauen und weniger auf neue Herangehensweisen. Ihr Tipp für die perfekte Mischung: 40 Prozent Experten, 60 Prozent Fachfremde.

Glauben ans Leistungsprinzip bewahren

Wer als Chef eine Stelle neu besetzt, befördert normalerweise den Mitarbeiter mit dem passendsten Profil. Manchmal könne es aber besser sein, einen weniger passenden Kollegen zu wählen, wenn dieser zuvor besonders viel geleistet habe, sagen Daniel Barron und Michael Powell von der Kellogg School of Management. Der Glaube daran, dass Leistung zu Beförderung führe, sei für Mitarbeiter eine zentrale Motivation. Diesen zu erhalten sei manchmal wichtiger, als die perfekte Person auf eine Stelle zu setzen.

Überflieger vor Neidern schützen

High-Performer sind der Traum jedes Chefs. Gerade in kooperativen Unternehmen bekommen sie aber schnell Probleme. Wie Elizabeth Campell von der Carlson School of Management zeigte, können sich normale Mitarbeiter unter Druck gesetzt fühlen und die begabten Kollegen herausekeln. Um das zu verhindern, sollten Chefs die Teams rund um solche Leistungsträger sehr bewusst zusammenstellen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 29.01.2018

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick