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Gratwanderung
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Mobiles Arbeiten

Immer eine Gratwanderung

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Der Stress wächst, wenn Menschen auch außerhalb des Büros erreichbar sind. Doch Psychologen erkennen auch positive Folgen.
Die Meinungen gehen auseinander: Während im Arbeitsministerium laut über eine gesetzliche Regelung nachgedacht wird, die berufliche E-Mails und SMS nach Feierabend einschränkt, warnt das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) davor.

Stephan Sandrock vom ifaa: "Der derzeitige Stand der Forschung gibt keine Belege für eine mehrheitliche Überbelastung der Erwerbstätigen." Hilfreich seien "betriebsspezifische Lösungen, die nur der einzelne Betrieb definieren und umsetzen kann."

Flexible Handhabung

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema sind, das zeigt die Diskussion, ziemlich offen für verschiedene Interpretationen. Die Psychologen Barbara Pangert und Heinz Schüpbach von der Universität Freiburg haben jetzt für die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in einer Metastudie die bisherigen Erkenntnisse zusammengetragen, über die das Portalwirtschaftspsychologie-aktuell.de berichtet.

Ergebnis: Durch die Erreichbarkeit nehmen Belastung, Konflikte zwischen Arbeit und Freizeit sowie Stress zu, aber auch die Arbeitszufriedenheit nimmt offenbar leicht zu. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass "man für die Mehrheit der deutschen Beschäftigten von einer erweiterten arbeitsbezogenen Erreichbarkeit sprechen kann". Das bedeutet, dass die Beschäftigten nicht rund um die Uhr, aber auch jenseits der regulären Arbeitszeit und des Arbeitsortes durch Smartphones für berufliche Angelegenheiten erreichbar sind.

Regelmäßig mobil

Sie nehmen Bezug auf deutschlandweite Studien, etwa auf die oben genannte Befragung von 3.090 Erwerbstätigen durch die DAK. Demnach lesen etwa ein Viertel aller Beschäftigten einmal oder mehrmals in der Woche außerhalb der Arbeitszeit E-Mails. Rund 16 Prozent aller Beschäftigten werden einmal oder mehrmals in der Woche außerhalb der Arbeitszeit angerufen und 15 Prozent übernehmen sehr häufig oder oft in Ihrer Freizeit Aufgaben für ihr Unternehmen.

65 Prozent der Befragten sagen, dass sie E-Mails außerhalb der Arbeitszeit gar nicht belasten, 33 Prozent fühlen sich etwas, 2 Prozent erheblich belastet. 49 Prozent belasten Telefonate gar nicht, 46 Prozent etwas, 6 Prozent erheblich. Neben den negativen Auswirkungen (unterbrochene Erholung, fehlende Planbarkeit) sehen viele auch positive Auswirkungen der Erreichbarkeit, zum Beispiel Flexibilität.

Ergebnisse:

Aus 23 internationalen Studien zu den Folgen der Erreichbarkeit ziehen Pangert und Schüpbach folgende Schlüsse:

• Je größer die erweiterte Erreichbarkeit, desto häufiger kommt es zu Konflikten zwischen Arbeit und Privatleben.

• Je mehr erweiterte Erreichbarkeit, desto häufiger wird über Burnout, Stress, Nicht-abschalten-können und Schuldgefühle berichtet.

• Je erweiterter die Erreichbarkeit, desto zufriedener, engagierter und leistungsfähiger beschreiben sich die Befragten. Allerdings ist dieser Zusammenhang schwächer als die beiden anderen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 19.12.2013

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