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Ratgeber

Im Großraumbüro die Etikette wahren

Julia Trösser
Effektive Arbeit und schnelle Kommunikation sind das Ziel, oft jedoch führen große Büros zu Stress, Gereiztheit und sogar zu Gesundheitsproblemen der Mitarbeiter. Kann ein Verhaltenskodex helfen?
Do's and Dont's im GroßraumbüroFoto: © Kirill Zdorov - Fotolia.com
Klar kommunizieren
Damit alle Mitarbeiter die Etikette des Großraumbüros wahren, sollte sie zunächst besprochen werden. Setzen Sie sich mit Ihren Kollegen zusammen, und reden Sie über auftauchende Probleme. Vielleicht ist einem Mitarbeiter nicht bewusst, wie sehr es nervt, dass er immer beim Wählen die Telefonnummer laut vor sich hersagt. Wenn nur Sie selbst die Etikette beachten, können zwar Ihre Kollegen in Ruhe arbeiten, aber Sie werden weiterhin gestört.
Privatsphäre respektieren
Versuchen Sie auch im Großraumbüro, unbedingt die Privatsphäre der Kollegen zu respektieren. "Laufen Sie nicht quer durch den Arbeitsbereich des anderen, sondern nehmen Sie vorgesehene Wege", rät Knigge-Expertin Gabriele Schlegel, Geschäftsführerin des Instituts für Business-Behavior. "Ignorieren Sie die Büro-Intimsphäre der Kollegen nicht, indem Sie Abkürzungen direkt hinter deren Rücken wählen." Auch imaginäre Wände sollten nicht durchbrochen werden.

Die besten Jobs von allen

Nicht in den Rücken fallen
Nähern Sie sich dem Schreibtisch des anderen nicht überraschend von hinten oder stellen Sie sich nicht in seinen Rücken, wenn Sie ihn ansprechen. Ein gebührender Abstand von der gegenüberliegenden Tischseite ist angebracht. Ein höflicher Hinweis etwa per Mail oder Telefon, dass Sie Gesprächsbedarf haben, sollte ohnehin vorausgehen und dem Kollegen genügend Zeit lassen, sich auf Sie einzustellen, seine momentane Tätigkeit zu beenden oder auch den Bildschirminhalt auszublenden.
Stimme senken
Telefongespräche während der Arbeitszeit lassen sich nicht vermeiden, die Belästigung der Kollegen aber schon. Nehmen Sie Rücksicht auf den Rest der Belegschaft und sprechen Sie möglichst leise. Sonst sind die Kollegen zum Zuhören gezwungen und werden von ihrer Aufgabe abgelenkt. Auch lange Privatgespräche während der Arbeitszeit sollten vermieden werden, sie sorgen bloß für einen lauten Geräuschpegel im Büro.
Finger weg
Sie teilen mit den Kollegen nur das Büro - und nicht Schreibtisch und Habseligkeiten. Wenn Sie gerade keinen Stift oder Zettel zur Hand haben, bedienen Sie sich nicht am Nachbartisch! Hier gilt: Freundlich fragen, statt einfach nehmen.
Tratschen tabu
Besprechen Sie die Erlebnisse vom Wochenende oder die gestrige Verabredung nicht lautstark im Büro. Das hält die ganze Abteilung von der Arbeit ab. "Wenn es gar nicht anders geht, legen Sie eine Kaffee- oder Raucherpause ein, um die Dinge draußen zu besprechen", sagt Christina Tabernig, Mitbegründerin der Seminar- und Coachingagentur korrekt!. Wenn Sie schon nicht arbeiten, können es so wenigstens die Kollegen tun.
Essen vermeiden
Ihr Mittagessen gehört in die Kantine - und nicht auf den Schreibtisch. Auch wenn Sie noch so viel Arbeit haben, Zeit für eine kurze Mittagspause muss sein. Bringen Sie keinesfalls Ihr Essen mit ins Büro, um Schweinebraten oder Döner zu verdrücken, während gegenüber die Kollegen sitzen. Das ist unhöflich. Ein Kaugummi oder Pfefferminzbonbon nach dem Essen darf dagegen gerne sein.
Achtung, ansteckend
"Wer krank ist, gehört nicht ins Großraumbüro", sagt Christina Tabernig. Wenn Sie trotz dicker Erkältung nicht im Bett bleiben, wird Ihr Arbeitsplatz schnell zur Bakterienschleuder. Das ist rücksichtslos den Kollegen gegenüber und kann dazu führen, dass die ganze Belegschaft flachliegt.
Deko in Maßen
Übertreiben Sie es nicht mit der persönlichen Dekoration Ihres Arbeitsplatzes. Gegen ein Foto der Familie oder eine schöne Weihnachtskarte sagt niemand etwas, aber das sollte auch reichen. Ihre Kollegen arbeiten schließlich direkt nebenan. Die haben vermutlich einen anderen Geschmack und möchten nicht den ganzen Tag auf kitschige Schreibtisch-Accessoires schauen.
Schweigen ist Gold
"Ein wirres Stimmendurcheinander erhöht das Stressniveau und reduziert die Fähigkeit zur effizienten Arbeit", sagt Gabriele Schlegel. E-Mails oder ein Gespräch im internen Chat sind genauso effektiv wie eine persönliche Unterhaltung, stören aber die Kollegen nicht. Stellen Sie aber unbedingt Signale bei eingehenden Nachrichten aus, diese können mehr nerven als jedes persönliche Gespräch.
Nicht abschotten
Leise Musik über Kopfhörer können Ihnen Ruhe und bessere Konzentration bringen, doch übertreiben Sie es nicht. Sie signalisieren damit, dass Sie nicht gestört werden wollen, und das ist für ein bis zwei Stunden am Tag auch okay. Wenn Sie aber den ganzen Tag in Ihrer eigenen Welt leben, schadet das dem Arbeitsklima.
Kunden draußen empfangen
Wenn Sie einen Kunden erwarten, sollten Sie am besten einen Meetingraum reservieren oder mit ihm in eine ausgelagerte Sitzecke verschwinden. Gespräche an Ihrem eigenen Schreibtisch sind wegen Platzmangel oft schwierig, außerdem stören das Kundengespräch und die Arbeit der Kollegen sich gegenseitig. Falls es in Ihrem Unternehmen keine Ausweichmöglichkeit gibt, sollte sie unbedingt eingerichtet werden.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.02.2008

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