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Vorsorge

Im Ausland richtig versichert sein

Sabine Hildebrandt-Woeckel
Wer ein Auslandssemester oder ein Praktikum im Ausland vorbereitet, hat naturgemäß eine ganze Latte von Dingen auf seiner Kümmer-Liste stehen. "Krankenversicherung" und "Steuern" steht da - wenn überhaupt - meist ganz hinten drauf. Das ist nicht gut.
Grippe im Ausland - das kann jedem passierenFoto: © forca - Fotolia.com
Bei Charlotte Milachowski lief es optimal. Die 24-Jährige, die Baustoffingenieurwesen in München studiert, bewarb sich für ihr Auslandspraktikum beim Deutschen Komitee der IAESTE. Punkt für Punkt gingen die Betreuer mit ihr durch, was sie für ihren dreimonatigen Aufenthalt in Yokohama benötigte. Als die Studentin in den Flieger stieg, war sie sicher, dass ihre private Krankenversicherung für alle Eventualitäten einstehen würde. Und sie wusste auch, dass sie die knappe Aufwandsentschädigung von 800 Euro pro Monat getrost auf den Kopf hauen konnte. Weder in Japan noch in Deutschland ist dieser Betrag steuerlich relevant. Doch so reibungslos läuft es nicht immer. Gerade wer sein Auslandssemester oder Praktikum in Eigenregie organisiert, ist oft so sehr mit den sprachlichen und inhaltlichen Anforderungen beschäftigt, "dass er über so profane Dinge wie Krankheiten gar nicht nachdenkt", klagt Marina Palm vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD). So schlimm, so die Einschätzung der meisten Studenten, werde es schon nicht kommen. Und im Zweifel käme man eben einfach wieder nach Hause.Schneller krank als geplant
Doch so unkompliziert dieser Plan auch klingen mag, ganz so auf die leichte Schulter sollte man die Versicherungsfrage nicht nehmen. Schon innerhalb Europas kann viel passieren, was nicht automatisch mit einer Versicherung im Heimatland abgedeckt ist. Und jenseits von Europa gelten noch mal ganz andere Regeln, betont auch Harald David vom Akademischen Auslandsamt München. Und er weiß, wovon er spricht.

Die besten Jobs von allen

Als er Ende der 90er Jahre im Rahmen seiner Doktorarbeit für ein paar Monate nach Singapur flog, entging er nur knapp einer privaten Katastrophe. Mit einer schweren Erkältung war er in Deutschland gestartet, dann hatte ihm der Klimawechsel so zugesetzt, dass er "von jetzt auf gleich einfach umfiel". David hatte zwar eine private Krankenversicherung, die grundsätzlich weltweit galt, doch erst im Krankenbett einer teuren Privatklinik nahm er sich Zeit für einen Blick ins Kleingedruckte. Und noch heute, so David, sei er dankbar dafür, dass ihm der Zusammenbruch nach zwei Tagen und nicht nach zwei Monaten passierte - dann nämlich hätte ein Versicherungsschutz schlicht nicht bestanden.Wer heute zu David in die Sprechstunde kommt, erhält daher einen Rat immer zuerst: Sich genau mit dem Vertragswerk seiner hiesigen Krankenversicherung auseinander zu setzen, egal, ob es sich um eine private oder gesetzliche Police handelt. Und dies selbst, wenn das Gastland - wie etwa Russland - oder die Ziel-Uni ohnehin den Abschluss einer ganz bestimmten Zusatzversicherung einfordern. Denn damit sind längst nicht alle Probleme gelöst.Selbst Die EU macht ZickenAuf den ersten Blick am einfachsten erscheint der Fall, wenn Praktikum oder Auslandssemester in der EU absolviert werden und der Student in Deutschland eingeschrieben bleibt. Wer dann in einer gesetzlichen Kasse versichert ist, hat auch im europäischen Ausland Anspruch auf medizinische Leistungen. Er legt einfach seine Europäische Versicherungskarte vor. Doch schon auf den zweiten Blick wird es für gesetzlich Versicherte kompliziert: Denn erstattet werden bei Krankheit tatsächlich nur Leistungen, die wirklich notwendig sind. Vorsorgeuntersuchungen, beispielsweise beim Frauenarzt, gehören ebenso wenig dazu wie die regelmäßigen Kontrollen beim Augen- und Zahnarzt oder Nachbehandlungen nach einem Unfall. Und auch für einen Rücktransport muss die deutsche Kasse nicht aufkommen, sie darf es per Gesetz nicht einmal.Nicht nur für DAAD-Vertreterin Palm ist die Sache daher klar: Wer als Kassenpatient zum Auslandsstudium aufbricht, braucht eine private Zusatzversicherung, die zumindest den Rücktransport enthält. Wer privat versichert ist, genießt, je nach Vertrag, oft denselben Schutz wie im Inland, und dies zeitlich sogar unbegrenzt.Doppelter Beitrag möglich Wer während seiner Auslandsstippvisite in Deutschland eingeschrieben bleibt und sich eine private Zusatzpolice zulegt, muss doppelte Beiträge in sein Budget einkalkulieren: seine ganz normalen deutschen Krankenkassenraten und die Beiträge für den Auslandsvertrag. Denn durch den Auslandsaufenthalt erlischt die Versicherungspflicht in Deutschland nicht, wie Renate Schäfer von der Deutschen Angestelltenkasse betont. Diese Versicherungspflicht trifft alle immatrikulierten Studenten bis zum Abschluss des 14. Fachsemesters und maximal bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres. Ausgenommen davon - und damit von doppelten Beiträgen - ist nur, wer über eine Familienversicherung ohnehin gratis bei den Eltern abgesichert ist oder sich mit Beginn des Studiums für eine private Krankenversicherung entschieden hat. Betroffene Studenten, die diese Doppelbelastung vermeiden wollten, müssten aus der gesetzlichen Kasse austreten. Aber das kann nur, wer sich auch gleichzeitig exmatrikuliert. Manche Experten raten auch tatsächlich zu diesem Schritt, wenn ein längerer Aufenthalt in der Fremde geplant ist oder dieser ans Ende des Studiums fällt.DAK-Fachfrau Schäfer warnt jedoch vor den weit reichenden Konsequenzen: Nicht nur, dass dann bei Heimaturlauben hierzulande kein Versicherungsschutz besteht. Darüber hinaus kann bei den zulassungsbeschränkten Fächern hinterher das ganze Studium gefährdet sein, wenn die Uni einen nicht mehr rein lässt. Schlimmer noch: Wer sein Studium später, zum Beispiel aufgrund verschärfter Zulassungsbedingungen, hierzulande nicht fortsetzen kann oder es bereits abgeschlossen hat und nicht zügig einen Job findet, hat - zumindest nach derzeitiger Gesetzeslage - überhaupt keinen Anspruch mehr, in die gesetzliche Kasse aufgenommen zu werden und steht gänzlich ohne Krankenschutz da.Auch privat nur mit ZusatzDa mag es auf den ersten Blick einfacher scheinen, sich gleich für eine private Krankenversicherung zu entscheiden, was zu Beginn des Studiums ja möglich ist. Doch auch in der privaten kann das Eis schnell dünn werden - und das nicht nur wegen der zeitlich beschränkten Gültigkeit in der Ferne. Rücktransporte beispielsweise schließen auch private Anbieter oft aus oder reglementieren sie stark, und auch Schwangerschaften im Ausland werden sehr unterschiedlich finanziert.Für längere Aufenthalte raten daher auch Vertreter privater Kassen zu einer speziellen Auslandsreiseversicherung. Wobei die Versicherten dann, genau wie Kassenpatienten, ebenfalls mit doppelten Zahlungen rechnen müssen: Denn würden sie ihre private Police in Deutschland kündigen, um nur noch den Auslandsbeitrag zahlen zu müssen, steht bei der Rückkehr eine neue Gesundheitsprüfung an, welche die Police schnell deutlich teurer machen kann. Sinnvoller ist es, die private Versicherung nicht zu kündigen, sondern "auf Anwartschaft zu stellen". Für 40 bis 50 Euro Monatsbeitrag sichert man sich die Rückkehr in seinen Tarif ohne erneuten Gesundheits-Check, auch wenn man zwischenzeitlich keinen Anspruch auf Leistungen hat.

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