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Gesetz

Ihr Recht auf Urlaub

Fenimore Frhr. v. Bredow
Urlaubsreif? Der Sommer naht und mancher Arbeitnehmer lässt seine Gedanken schon mal vorab in die Ferne schweifen: Toskana, Thailand, Teutoburger Wald. Aber haben Sie auch nicht vergessen, Ihren Urlaub zu beantragen? Und: Ist er genehmigt worden?
Junge Karriere sagt, wie's mit dem Urlaub klapptFoto: © ema.nu.ele - Fotolia.com
Juristen definieren Urlaub als die durch den Arbeitgeber zum Zweck der Erholung erfolgte Freistellung des Arbeitnehmers von seiner Arbeitspflicht unter gleichzeitiger Fortzahlung der Vergütung.Puuh! Von diesem Kauderwelsch werden Sie in Ihrem Arbeitsvertrag sicher nichts finden. Trotzdem können Sie beruhigt sein: Der Gesetzgeber hat im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) einen Mindesturlaubsanspruch von jährlich 24 Werktagen verankert, wobei gesetzliche Feiertage und Sonntage generell arbeitsfrei sind und nicht mitgerechnet werden. Der Samstag hingegen gilt als Werktag, auch wenn Sie nicht samstags arbeiten müssen. Unter dem Strich stehen Ihnen also vier Wochen Mindesturlaub pro Jahr zu. Das BUrlG gilt zwingend; Ihr Arbeitgeber darf hiervon nicht zu Ihrem Nachteil abweichen. In der Praxis werden ohnehin mehr Urlaubstage vereinbart, meist gestaffelt nach Lebensalter und/ oder Betriebszugehörigkeit.

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Wer bekommt Urlaub?Grundsätzlich können alle Arbeitnehmer sowie Personen in Berufsausbildung Urlaub beanspruchen. Zu diesem Kreis gehören Voll- und Teilzeitkräfte ­ auch solche auf 630-Mark-Basis, Aushilfen, in Nebentätigkeit Beschäftigte, Auszubildende, Umschüler, Volontäre und sogar Praktikanten. Bei nicht vollzeitbeschäftigten Personen wird der Urlaub anteilig nach dem Umfang der Beschäftigung gewährt.Um Urlaub zu bekommen, müssen Sie nicht unbedingt tatsächlich gearbeitet haben. Entscheidend ist vielmehr die Tatsache Ihrer Betriebszugehörigkeit. Selbst wenn Sie zehn Monate im Jahr erkrankt waren, dürfen Sie in den restlichen zwei Monaten getrost ausspannen. Der volle Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub entsteht erstmals mit Ablauf der gesetzlichen Wartefrist von sechs Monaten. Vorher können Sie allenfalls anteiligen Urlaub verlangen.Der Urlaub ist grundsätzlich auf das laufende Kalenderjahr beschränkt und verfällt mit dessen Ende. Können Sie ihn jedoch aus dringenden betrieblichen Gründen, beispielsweise Saison- oder Kampagnengeschäft, oder aus persönlichen Gründen nicht nehmen, ist der Urlaub auf das folgende Jahr zu übertragen. Er muss dann aber bis zum 31. März genommen sein, da er sonst endgültig verfällt. Ausnahmen von dieser Verfallfrist sind lediglich auf Grund individueller Zusage oder Tarifvertrag möglich.Urlaub muss beantragt werdenWie kommen Sie nun an Ihren Urlaub? Sie müssen ihn beantragen. Das BUrlG schreibt vor, dass bei der zeitlichen Festlegung die Wünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen sind. Ein häufiger Streitpunkt ist die Frage, wie viele Tage am Stück genommen werden dürfen. Der Mitarbeiter hat Anspruch auf mindestens zwölf hintereinander liegende Urlaubstage. Stehen Ihrem Urlaubswunsch keine betrieblichen Belange entgegen und kollidiert er auch nicht mit den Urlaubswünschen anderer Kollegen, die unter sozialen Gesichtspunkten ­ etwa wegen Schulferien ­ zu bevorzugen sind, muss der Arbeitgeber den Urlaub genehmigen.Vorsicht aber vor "Selbstbeurlaubung": Wenn Sie eigenmächtig einen nicht genehmigten Urlaub antreten, gilt dies gemeinhin als Grund für eine fristlose Kündigung. Dafür reicht auch schon aus, dass Sie Ihrem Arbeitgeber mit einer eigenmächtigen Urlaubsnahme bloß drohen, um ihn zu einer Bewilligung Ihres Urlaubsantrags zu bewegen. Streng untersagt ist im Urlaub jede dem Urlaubszweck zuwiderlaufende Erwerbstätigkeit. Eine Erwerbstätigkeit für ein Konkurrenzunternehmen kann sogar eine fristlose Entlassung rechtfertigen.Ist der Erholungsurlaub erst einmal genehmigt, gibt es für den Arbeitgeber kein Zurück: Er darf die Genehmigung nicht widerrufen oder Sie gar aus dem Urlaub zurückbeordern. Ebenso können genehmigte Urlaubstage nicht wieder in Arbeitstage umgewandelt werden. Anders sieht es aus, wenn Sie während des Urlaubs erkranken: Gegen Vorlage eines ärztlichen Nachweises muss Ihr Chef Ihnen die Tage, an denen Sie erkrankt waren, wieder als unverbrauchte Urlaubstage gutschreiben.Geld im UrlaubBleibt die Frage nach dem lieben Geld. Erholungsurlaub ist bezahlter Urlaub, das heißt, Sie bekommen das so genannte Urlaubsentgelt als Gehalt. Es berechnet sich nach dem durchschnittlichen Bruttoverdienst ­ davon ausgenommen sind Überstunden ­ der letzten 13 Wochen vor Ihrem Urlaub. Zusätzlich kann Ihr Arbeitgeber Ihnen auf freiwilliger Basis eine Urlaubsgratifikation, das so genannte Urlaubsgeld, gewähren. Hierzu ist er nicht verpflichtet, es sei denn, der Arbeitsvertrag oder ein einschlägiger Tarifvertrag sieht eine solche Zahlung vor. Wurde das Urlaubsgeld aber drei Jahre hintereinander freiwillig und ohne Vorbehalt gewährt, haben Sie auch im folgenden Jahr einen Anspruch auf diese Sonderzahlung.Urlaubsabgeltung schließlich heißt der Betrag, auf den Sie Anspruch haben, wenn das Arbeitsverhältnis beendet ist und noch Urlaubstage offen stehen. Während des laufenden Arbeitsverhältnisses ist eine Urlaubsabgeltung grundsätzlich verboten. Wurde fristgerecht gekündigt, empfiehlt es sich, noch offene Urlaubsansprüche "in natura" zu nehmen, während die Kündigungsfrist abläuft. Denn nach Steuern und Sozialabgaben bleibt von der Abgeltung meist nicht viel übrig.Fenimore Frhr. v. Bredow, 37, ist Rechtsanwalt in der Kölner Kanzlei Domernicht & v. Bredow. Seine Schwerpunkte sind Arbeitsrecht und Erbrecht.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.06.2001

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