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Innovationen

Ideen für Deutschland: Zukunft denken

Teil 4

Das geschieht zum Beispiel in der Logistikbranche, deren umweltbelastendes Geschäft in den vergangenen Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. In Troisdorf bei Bonn leistet sich die Post das "DHL Innovation Center" mit einem international besetzten Team von 35 Mitarbeitern. Der Leiter, Keith Ulrich, ist zuversichtlich, dass bald noch weitere Stellen geschaffen werden, weil der Innovationsdruck in der Branche steige. "Wir suchen junge, kreative, technikaffine Leute", sagt Ulrich. Eines der ersten Produkte, die das Innovation Center entwickelt hat, ist "Go Green", ein klimaneutraler Versand von Briefen, Paketen und Containern. Die Forscher in Troisdorf haben einen CO2-Rechner entwickelt, der den Ausstoß pro Transport ermittelt. Um den klimaneutralen Versand zu ermöglichen, werden Hybridfahrzeuge eingesetzt oder externe Projekte zum Klimaschutz gefördert. Großkunden wie die Allianz, die 140 Millionen Briefe im Jahr mit Go Green verschickt, reduzieren dadurch die eigenen Emissionen.Im internationalen Vergleich ist der Innovationsstandort Deutschland vorn dabei. Nur die USA meldeten 2007 mehr Patente beim Europäischen Patentamt an als Deutschland. BDI-Vizepräsident und Unternehmer Oetker sieht aber an anderer Stelle noch Verbesserungsbedarf: "Von der Idee bis zum fertigen Produkt dauert es in Deutschland häufig noch zu lange." Dass auch kleine und mittelständische Unternehmen Innovatoren sein können, zeigt ein Stiftehersteller. Bei Stabilo gibt es seit 1997 ein "Innolab". Eingeführt haben es Horst Brinkmann und Frank Thiele. Brinkmann kam damals als neuer Marketingchef in die Firma und engagierte Frank Thiele und dessen Design-Agentur FPM. Vor der Einführung des Innolabs dauerte die Entwicklung eines Stifts bis zu drei Jahre. "Die Einstellung war: Sie werden fertig, wenn sie fertig sind'', sagt Thiele.Heute dauert es nur noch sechs bis neun Monate. Stabilo bringt jetzt pro Jahr fünf neue Modelle auf den Markt, früher war es eins. "Es gab bei Stabilo immer die Kompetenz, gute Stifte zu entwickeln, aber es gab keine richtige Markenstrategie", sagt Brinkmann. Der Traditionsbetrieb aus dem fränkischen Heroldsberg verließ sich auf seine zwei Klassiker, den Textmarker Stabilo "Boss" und den "Point 88". "Diese herstellerorientierte Strategie stieß an ihre Grenzen", sagt Brinkmann. Mit der Unterstützung von FPM wandelte sich Stabilo in eine Lifestylemarke für junge Kunden. Der erste Schritt war die Einrichtung des Innolabs. Das Gremium tagt mittlerweile viermal im Jahr. Vertreter aus dem Marketing, der Werbung, Forschung und Kommunikation unterhalten sich über die Zukunftstrends. Häufig werden Experten aus anderen Branchen oder Wissenschaftler eingeladen. Moderiert werden die Debatten von Frank Thiele. "Die Diskussionen werden sehr offen und frei geführt", sagt Thiele. Horst Brinkmann fügt hinzu, dass sich in diesem geschützten Raum Ideen "wie kleine Pflanzen" entwickeln könnten.

Die besten Jobs von allen

Das erste Ergebnis des Innolabs war 1998 der "Elasticwriter". Der Feinschreiber sieht aus wie ein Basketball, der dringend aufgepumpt werden müsste. "Wir haben die Trendsportart Basketball aufgegriffen und daraus einen Stift gemacht", sagt Brinkmann. Die jüngere Zielgruppe nahm ihn an. Dass ihn auch Arthrose-Patienten wegen seiner guten Griffigkeit kauften, war nicht einkalkuliert, brachte aber zusätzliche Einnahmen. Noch erfolgreicher war der "Smove Easy". Der ergonomisch geformte Stift, der die Hand beim Schreiben schont, ist der Marktführer unter den Schulschreibgeräten. Auf die Idee kam das Innolab-Team durch Gespräche mit einem Ergonomieexperten. "Der Input externer Experten ist uns sehr wichtig", sagt Frank Thiele.Die Quellen des Innolabs sind vielfältig. Exkursionen in europäische Großstädte zum Trendscouting finden regelmäßig statt. "Um uns von der Natur inspirieren zu lassen, machen wir auch mal einen Spaziergang im Wald", sagt Brinkmann. In der Zukunft will man auch dazu übergehen, Stifte für elektronisches Papier zu entwickeln.Eine Ideenfabrik anderer Art haben die Architekten Matthias Böttger und Friedrich von Borries in Berlin gegründet. Raumtaktik heißt ihr Büro, mit dem sie den deutschen Beitrag "Updating Germany" für die 11. Internationale Architekturbiennale in Venedig kuratierten. Darin stellten sie 100 Projekte für eine bessere Zukunft vor, die sich mit der Ressourcenknappheit, dem Klimawandel und der Nachhaltigkeit beschäftigen: darunter ein Schulhaus für Afrika, Hybridbusse in Mannheim und ein energieautarkes Hochhaus in Dubai. "Wir glauben nicht an große Masterpläne, sondern an große Veränderungen durch kleine Schritte", sagt Böttger. Updates könnten dabei auch immer Irrwege und kleine Fehler enthalten. Dann müsse man eben nachbessern, sagt von Borries. "Aber gar nichts zu machen, nur weil man das große Ziel nicht erreichen kann, das ist mir zu unproduktiv."So viel geballte Zukunftsexpertise, ein künstlerischer Beruf, wohnhaft in Berlin - vielleicht sollte Ludwig Engel aus der Daimler-Denkfabrik das Duo mal besuchen. Die Kühlschränke der beiden Architekten könnten ihn interessieren.Lesen sie auf der nächsten Seite Porträts von Mitarbeitern in Kreativ-Zentren!

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