Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Innovationen

Ideen für Deutschland: Zukunft denken

Teil 3

Jens Ahrens arbeitet an virtuellen akustischen RäumenFoto: © www.GordonWelters.com
"Unser Anspruch ist es, internationale Spitzenforschung zu machen", sagt Peter Möckel. Die Forscher kommen zu je einem Drittel aus Deutschland, dem restlichen Europa und der ganzen Welt. Es gibt eine Kooperation mit ausgewählten Forschungsinstituten weltweit, mit denen man sich auch über die Ergebnisse austauscht. "Wir sind überzeugt, dass wir von dieser Offenheit profitieren und noch attraktiver für Nachwuchsforscher werden", sagt Möckel. Die guten Bedingungen haben sich inzwischen herumgesprochen, durch die Publikationen, die Teilnahme an Kongressen und durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Berlin, Deutschlands Hochburg der Kreativen, hilft auch, Nachwuchsforscher anzulocken. "Nach Bonn wären die meisten der ausländischen Studenten wahrscheinlich nicht gekommen", sagt Möckel.Auch Jens Ahrens, der vorher an einem Forschungsinstitut in Paris arbeitete, hörte über einen Bekannten von der Ausschreibung der T-Labs. So stieß er dazu. Der Ingenieur der Elektrotechnik befasst sich mit der Reproduktion von Schallfeldern. Mit 56 im Kreis angeordneten Lautsprechern kann er jedes akustische Umfeld nachbilden. Gemeinsam mit Kollegen hat er diese Technik genutzt, um die Unterscheidung von Stimmen bei Telefonkonferenzen zu verbessern. Bei herkömmlichen Geräten scheinen die Stimmen aller Teilnehmer von einem Fleck zu kommen. Die von Ahrens mitentwickelte Technik gibt die akustische Szene räumlich wieder und macht sich den Cocktailparty-Effekt zunutze. Dieser beschreibt die Fähigkeit des Menschen, aus vielen Unterhaltungen in einem Raum eine auszuwählen und sich auf diese zu konzentrieren.Ein weiteres Projekt aus den T-Labs, das kurz vor der Marktreife steht, ist der "Virtual City Guide". Wer mit seinem Handy ein Gebäude in der Stadt fotografiert, kann sich mithilfe eines Bilderkennungsprogramms und der Satellitennavigation GPS dazugehörige Informationen und Bilder aufs Telefon schicken lassen. Andere denkbare Einsatzmöglichkeiten: der mobile Ticketverkauf durch das Fotografieren von Eventplakaten und der Einsatz als Museumsführer. Jens Ahrens möchte nach dem Abschluss seiner Doktorarbeit in der Forschung bleiben. Die Telekom bietet verschiedene Karriereoptionen an. Es gibt die Möglichkeit, im Unternehmen zu bleiben, Unterstützung bei einem Wechsel an eine Hochschule zu bekommen oder sich mit einer Erfindung selbstständig zu machen. "Wir bieten das an, weil wir uns als Talentepool des Unternehmens verstehen", sagt Peter Möckel.

Die besten Jobs von allen

Bei Henkel sind die kleinen Innovationsteams der Wasch- und Reinigungsmittel noch näher an den Produkten dran. Sechs Leute teilen sich die Ressorts Unternehmensziele, externe Faktoren, Konsumentenbedürfnisse, Handelslandschaft, Markenentwicklung, Beobachtung der Wettbewerber, Technologie und die Lieferkette. "Voraussetzung für die Teilnahme an einem Innovationsteam ist fachliche Expertise, Teamfähigkeit, Kreativität und Leistungsbereitschaft", sagt Thomas Jungmann, der half, die Innovationsteams bei Henkel 2004 einzuführen. Es müsse aber zusätzlich eine Bereitschaft da sein, Verantwortung zu übernehmen und Chancen selbstständig zu ergreifen. Die Berufung in ein global agierendes Team ist ein Karrieresprung. "Das sind schon die Besten, die in diese Teams aufgenommen werden", sagt Jungmann. Karrierefördernd sei auch, dass die Teams ihre Ergebnisse am Ende auf der zweithöchsten Managementebene präsentieren können. Die einzelnen Mitglieder beobachten die Entwicklungen in dem ihnen zugeteilten Fachgebiet. In regelmäßigen Treffen bringen sich die Mitglieder gegenseitig auf den neuesten Stand.Hausbesuche gehören in Henkels Innovationsprozess zum Standard. Jungmann, der inzwischen für die Märkte in Indien, China, auf den Philippinen und in Südkorea zuständig ist, hat bei seinen Hausbesuchen vor Ort viel gelernt. In Indien etwa schaute er den Menschen beim Waschen zu. "Dabei fiel uns auf, dass sie bei weißer Wäsche immer ein bisschen blauen Farbstoff hinzufügten", erzählt Jungmann. Der Grund dafür sei, erklärten sie ihm, dass ein leicht bläulich gefärbtes Hemd, in der Sonne reflektiert und dadurch noch weißer wirkt. Im zweiten Schritt nahm er ihnen ihr Waschmittel weg und fragte, wie sie ihre Kleidung ohne chemische Hilfe reinigen würden. "Sie schnitten daraufhin eine Zitrone auf und rieben die Flecken damit ein", sagt Thomas Jungmann. Diese Beobachtung zahlte sich später aus. Rund eineinhalb Jahre später brachte Henkel in Indien ein neues Waschmittel auf den Markt. Der Name: "Lime & Blue". Der Erfolg: riesig. In kurzer Zeit steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 35 Prozent.Wirtschaftssoziologe Holger Rust stellt den deutschen Unternehmen ein gutes Zeugnis aus. "Die Zukunftsforschung ist auf einem hohen Niveau." Nur vor dem Einsatz von Trendforschern, die ihre Meinungen regelmäßig in den Medien verbreiten dürfen, warnt er. "Sie setzen auf ihre vorgebliche Erfahrung und Intuition, statt seriöse Wissenschaft zu betreiben", sagt Rust, der sich mit den vermeintlichen Experten auch in seinem neuen Buch "Zukunftsillusionen" auseinander setzt. Marc Drüner sieht das ähnlich: "Wir brauchen nicht ständig neue Trendbegriffe, sondern müssen wirklich neue Entwicklungen in den Unternehmenskontext übersetzen."

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick