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Interview mit Ulrich Weber

"Ich wollte was finden, das mich 40 Jahre unterhält"

Kirsten Ludowig
Ulrich Weber, zukünftiger Personalchef der Bahn, hat in seinem Studium viele Entscheidungen wieder verworfen und heute einen eher kruvigen Lebenslauf. Hier spricht er über seine Evonik-Zeit, wichtige Sackgassen und Eigenheiten von Vorstandssekretärinnen.
Ulrich Weber wechselt von Evonik zur BahnFoto: © Emanuel Bloedt
Herr Weber, nach 28 Berufsjahren in Nordrhein-Westfalen zieht es Sie raus - und zwar als neuer Personalvorstand der Deutschen Bahn nach Berlin. Wie kam es zu diesem Angebot? 
Ganz einfach: Die Stellen mussten neu besetzt werden. Und ich erschien den Verantwortlichen offensichtlich als der geeignete Kandidat dafür.
Die Deutsche Bahn schreibt viele Schlag- zeilen in den letzten Monaten. Sie sind der dritte Bahn-Personalvorstand innerhalb kurzer Zeit. Ist das nicht ein Schleudersitz, auf dem Sie Platz nehmen? 
Da bin ich sorgenfrei, denn sobald ich meinen Posten angetreten habe, werde ich vermutlich zum Platznehmen keine Zeit mehr haben. Und im Übrigen gibt es dort keine Schleudersitze - wir fahren Bahn.

Die besten Jobs von allen

Sie haben sich in der Schule schwer getan. Hat es Ihnen dort nicht gefallen? 
Nein, nicht wirklich. Ich bin bisher jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen, aber diesen inneren Antrieb, das Interesse und damit auch die Leichtigkeit habe ich in der Schule nie verspürt.
Ihr Vater war Schlosser, Ihre Mutter Hausfrau. Warum wollten Sie studieren? 
Die Entscheidung hatte mit meinen Vorlieben und meinen Schwächen zu tun. Etwas Handwerkliches kam für mich nicht in Frage, weil ich zwei linke Hände habe. Es musste also irgendwie in Richtung Kopf gehen. Da kam zwangsläufig die Frage auf: betriebliche Ausbildung oder Universität?
Warum haben Sie sich für die Deutsche Sporthochschule in Köln entschieden? 
Ich habe immer unheimlich gerne Sport getrieben. In Köln gab es damals außerdem den einzigen Lehrstuhl für Sportpublizistik, einer der Dozenten war der Chef des Sportinformationsdienstes. Ich hatte vor, Sport und Journalismus zu verbinden und Sportreporter zu werden.
Hatten Sie vor der Aufnahmeprüfung genauso viel Bammel wie viele der Anwärter heute?
Nein, das Anspruchsniveau ist in den vergangenen Jahrzehnten rasant angestiegen. Ich gehörte da noch zu den glücklicheren Jahrgängen. Im Studium waren einige Prüfungen im Turnen oder im Schwimmen aber schon sehr hart.
Nach ein paar Semestern wurden Sie unsicher, ob das wirklich das Richtige ist.
Ja, ich konnte mir dann doch nicht vorstellen, damit den Rest meines Berufslebens zu verbringen.

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