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Bernd Bischoff

"Ich wollte unbedingt wie Winnetou werden"

S. Scheffler, G. Lawecki
Bernd Bischoff, CEO von Fujitsu Siemens, über Kindheitsträume, die Arbeit mit klobigen Großrechnern bei der Bundeswehr und seine Zeit als Barkeeper in der Studentenkneipe´.
Bernd Bischoff, CEO Fujitsu Siemens ComputersFoto: © Pressefoto Fujitsu Siemens
Herr Bischoff, wir überlegen uns mal, wie Ihre Karriereplanung aussah. Als junger Mann haben Sie am Tor von Siemens gerüttelt - so ähnlich wie unser ehemaliger Bundeskanzler Schröder?
Nein, das habe ich nicht gemacht. Auch wenn das eine witzige Vorstellung wäre. Letztlich aber glaube ich nicht, dass man das planen kann. Um CEO oder etwas Vergleichbares zu werden, gehört auch Glück zu. Also, ich habe mein Berufsleben nicht gestartet und gesagt: Ich werde CEO.
Was wollten Sie denn werden?
Alles mögliche. In meiner Kindheit habe ich viel Karl May gelesen, da wollte ich unbedingt Winnetou oder Old Shatterhand werden. Im Prinzip haben mich damals alle interessanten Berufe fasziniert, die man sich als Kind bildlich vorstellen kann. Nur nicht das, was man dann wirklich wird.

Die besten Jobs von allen

Aber irgendwann sind Sie dann der Faszination Technik, Computer und IT erlegen.
Das war in meiner Bundeswehrzeit, 1978. Ich hatte mich für zwei Jahre verpflichtet und bin nach der Grundausbildung in die Logistik der Luftwaffe versetzt worden.
Was genau haben Sie bei der Bundeswehr gemacht?
Kennen Sie den Spruch: Lieber tot als Roth? In Roth bei Nürnberg habe ich meine Grundausbildung gemacht. Und danach war ich die meiste Zeit in Erding, dort war ich zuständig für dringliche Ersatzteilbeschaffung für Starfighter und Phantom. Bei der Luftwaffe hatte ich einen dieser riesigen IBM-Großrechner vor mir, der noch mit Lochkarten funktionierte. Heute hat jede Spielkonsole mehr Rechenleistung als der Rechnerschrank damals. Aber das hat mich gepackt.
Hat diese Zeit sie sonst irgendwie geprägt?
Nein. Es schadet zwar nicht, wenn man eine Zeit lang zu Acht in einem Raum schläft. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass ich deswegen gestählter durchs Leben gegangen wäre. Ich hatte dort meine erste Berührung zur IT-Branche und kam letztendlich dann auch nicht mehr davon los. Viel wichtiger war aber die Finanzierungsspritze für mein Studium.
Was für eine Finanzierungsspritze?
Ich habe damals rund 3500 Mark Abfindung von der Bundeswehr bekommen. Das war damals viel Geld und hat mich über die ersten zwei Semester an der Universität Mannheim gebracht, wo ich BWL studiert habe.
Was haben Sie gemacht, nachdem Sie die Abfindung auf den Kopf gehauen haben?
Nein, ich habe das Geld schon sorgsam eingeteilt. Ansonsten habe ich ein, zwei Mal in der Woche an der Bar der Studentenkneipe gestanden, Bier gezapft und Cola ausgeschenkt. Vom Barkeeper zum Vorstandschef. Inzwischen gibt es solche Karrieren viel häufiger als früher. In den 60-er, 70-er Jahren kamen die meisten Entscheider der Wirtschaft doch aus behüteten und begüterten Familien. Heute haben viele, beispielsweise Rene Obermann, ich oder auch Gerhard Schröder, aus relativ bescheidenen Verhältnissen den Aufstieg geschafft.
Auf dem Weg nach oben, haben Sie da den Kontakt zu den alten Freunden gehalten?
Mit meiner alten Clique, mit der wir auch Fußball gespielt haben, treffen wir uns bis heute noch zwei, drei Mal im Jahr. Das hat 30 Jahre überdauert und funktioniert immer noch.
Fußball spielen Sie immer noch?
Jetzt nicht mehr, nein. Sonst habe ich jedes Mal einen Muskelfaserriss.
Welche Position haben Sie gespielt?
Ich war linker Verteidiger - das erklärt auch meine Lieblingsspieler: Phillip Lahm und Marcell Jansen.
Ihr Herz gehört also dem FC Bayern München.
Ich war ja gerade in der Zeit in München, als die Bayern praktisch den europäischen Fußball beherrscht haben. Da bin ich vom VfB Stuttgart zu Bayern München konvertiert.

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