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Martin Herrenknecht

"Ich schlage auch mal zu"

Tanja Kewes
Martin Herrenknecht ist Vorstandschef des Weltmarktführers für Tunnelbohrmaschinen und setzt auf einen engen Kontakt zur Wissenschaft. Hier spricht er über Unternehmertum in Deutschland, internationales Verhandlungsgeschick und seine politischen Ambitionen.
Dr. Martin Herrenknecht setzt auf die WissenschaftFoto: © Sonja Bell
Herr Dr. Herrenknecht, warum engagieren Sie sich seit Jahren mit der Wissensfabrik für Unternehmertum?
Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Auch Unternehmer, und gerade die jungen, brauchen ein soziales Netz. Sie setzen auf volles Risiko - beruflich und privat. So eine Plattform wie den Wettbewerb von Weconomy und das Netzwerk der Wissensfabrik sind da mehr wert als jede Finanzspritze. Hier können sich Gründer mit ihresgleichen austauschen und erfahrene Unternehmer um Rat fragen. Mein Augenmerk liegt dabei natürlich besonders auf Technik. Wir brauchen in Deutschland wieder mehr Gründungen in diesem Bereich.
Was raten Sie den Gründern? 
Wer Unternehmer sein will, braucht eine Vision, die er gezielt und risikobereit verfolgt, und er muss hart arbeiten können und wollen. Acht Stunden im Büro und dann um 16 Uhr Tennisspielen - das geht nicht. Das hat auch Auswirkungen auf das Privatleben. Das ist hart, aber es geht nicht anders. Meine Kinder haben in ihrer Kindheit und Jugend wenig von mir gehabt. Darüber waren Sie früher enttäuscht und haben mir das auch vorgeworfen. Jetzt, wo sie erwachsen sind und ihre eigenen Ziele verfolgen, verstehen sie das und unser Verhältnis ist viel besser.

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Wurden Sie als Ratgeber auch schon einmal enttäuscht? 
Ja. Im Jahr 2000 habe ich in Schwanau versucht, einen Technologiepark zu etablieren. Ich habe zehn Ingenieuren je 5000 Mark gegeben und - und das war der Fehler - keine Eigenbeteiligung verlangt. Nur Wagniskapital zu geben, reicht nicht. Ein Gründer muss eigenes Kapital einsetzen und damit auch das finanzielle Risiko mittragen. Der Technologiepark ist Geschichte.
Wie haben Sie selbst sich als Unternehmer durchgesetzt? 
Ich habe mit 21 Jahren mein Ingenieurstudium abgeschlossen und dann erst international Erfahrungen gesammelt. Ich war vier Jahre in der Schweiz und zwei Jahre in Kanada und habe dort an Großprojekten mitgearbeitet. Dieses fachliche Wissen und die damals entstandenen Kontakte waren die Grundlage für meine Selbstständigkeit. Mein Startkapital von 25 000 Mark kam von meiner Mutter, mein Vater hat mir später die Miete für ein kleines Apartment gezahlt. Das war alles. Im ersten Jahr war dann vor allem Standfestigkeit gefragt. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich meine erste Maschine verkauft habe.
Was hat Sie angetrieben?
Mein Traum war immer, eines Tages mal mehr Menschen zu beschäftigen als mein Vater. Der hatte eine Polsterei mit 15 Mitarbeitern. Der sozialen Verantwortung muss man sich aber auch schon als Jungunternehmer bewusst sein. Ich hatte selbst in den Anfangsjahren immer noch so viel Geld auf der hohen Kante, dass ich meinen Leuten noch drei Monate Gehalt hätte zahlen können. Heute beschäftige ich 3700 Mitarbeiter weltweit.
Standen Sie schon einmal mit dem Rücken zur Wand? 
An dem Tag als Boris Becker das erste Mal Wimbledon gewonnen hat, habe ich eine Niederlage einstecken müssen. Ich konnte eine Maschine nicht wie versprochen liefern und stand plötzlich ganz allein da. Der Geschäftspartner, der mich zu dem Auftrag überredet hatte, wusch seine Hände in Unschuld. Die Strafe musste ich alleine tragen. Das war hart, aber auch lehrreich. Solche Rückschläge treiben einen Unternehmer entweder in den Ruin oder machen ihn stark.
Sie gelten als Netzwerker. Ist das Ihr Erfolgsgeheimnis? 
Ja, auch. Beziehungen sind sehr wichtig, vor allem politische. Ich habe als Mittelständler relativ früh die Chance bekommen, mit offiziellen Wirtschaftsdelegationen zu reisen. In vielen Ländern wie China oder Russland kriegen Sie nur so einen Fuß in die Tür. Meine erste Reise dieser Art machte ich 1986 mit dem damaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Lothar Späth in die Türkei. Die persönliche Beziehung zu Lothar Späth hat sich danach gehalten und vertieft. Seit 1998 sitzt er dem Aufsichtsrat der Herrenknecht AG vor.

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