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Stefan Groß-Selbeck

"Ich muss noch viel lernen!"

Gero Lawecki
Stefan Groß-Selbeck, der neue Vorstandsvorsitzende von Xing, spricht im Interview über seinen Vorgänger, den Gründer Lars Hinrichs und ihre Zusammenarbeit, sein persönliches Netzwerk und missglückte Ironie.
Stefan Groß-Selbeck, Vorstandsvorsitzender von XingFoto: © PR
Herr Groß-Selbeck, seit Mitte Januar sind Sie Xing-Vorstandschef. Wie hat sich seitdem Ihr Netzwerk entwickelt?
Ich habe jetzt 657 Kontakte, als ich anfing waren es knapp 100. Allein bei Xing habe ich 200 Kollegen. Das geht schnell.
Sie müssen ja nicht jeden akzeptieren. Wen lehnen Sie ab? 
Ich bin sehr offen und lehne nur ab, wenn ich das Gefühl habe, die Anfrage ist nicht ganz seriös. Oder wenn ich überhaupt keine Motivation hinter der Kontaktanfrage erkennen kann. Das ist aber erst ein- oder zweimal vorgekommen. In der Regel bekomme ich sehr freundliche und interessante Nachrichten und Kontaktanfragen. Dann sage ich auch zu.

Die besten Jobs von allen

Bewerben sich die Leute auch für einen Job bei Ihnen? 
Klar, das kommt durchaus vor.
Und Sie sagen "Kontakt ja, Job nein"? 
Nein, denn wir wachsen und haben offene Stellen. Ich freue mich über solche Anfragen, verweise die Bewerber dann aber an die Personalabteilung.
Geht die Krise an Xing vorbei? 
Nein, die Krise hinterlässt Spuren. Die Werbung macht allerdings nur rund acht Prozent unseres Gesamtumsatzes aus und wird auch in Zukunft nur eine ergänzende Erlösquelle bleiben. Gleichzeitig erkennen durch die Wirtschaftskrise immer mehr Berufstätige, dass persönliche Kontakte wichtiger werden, um neue Kunden zu gewinnen, Kooperationspartner zu gewinnen oder auch einen neuen Job zu finden. Ohne ein Netzwerk wie Xing können Sie vielleicht 200 Kontakte pflegen, also ab und zu von sich hören lassen. Mit einem Tool wie Xing schaffen Sie das mit mindestens dreimal so vielen Leuten. Dies führt dazu, dass die Aktivität auf unserer Plattform steigt und wir neue Mitglieder hinzugewinnen. Wir profitieren also auch von wirtschaftlich unsicheren Zeiten.
Xing ist Marktführer in Deutschland. Aber Facebook drängt auf den Markt und Linked-In hat seine deutsche Seite gestartet. Wird es eng für Xing?
Facebook und Linked-In sind Wettbewerber, die wir respektieren und ernst nehmen, alles andere wäre arrogant. Aber in Deutschland haben wir mit rund drei Millionen Mitgliedern die größte Business Community, die zudem auch weltweit einzigartig aktiv ist. 60 Prozent unserer Nutzer sind regelmäßig im Monat auf ihrer Seite und 500000 Mitglieder waren im vergangenen Jahr bei den rund 90000 Gruppentreffen, die von Mitgliedern organisiert und offline veranstaltet werden. Das ist einzigartig. Xing wächst im deutschsprachigen Raum, auch nachdem Linked-In die Internetseite ins Deutsche übersetzt hat, weiter. Deshalb bereitet uns das keine schlaflosen Nächte.
Und was bieten Sie den Kunden, um die eigene Position zu stärken?
Im Kernsegment, bei unseren Premiumkunden, wollen wir noch mehr Nutzwert schaffen. Neu sind zum Beispiel die Unternehmensprofile und unser Service "Xing-News", den wir bereits auf Deutsch, Englisch, Türkisch und Spanisch anbieten, In den nächsten Wochen wird auch die italienische Version gestartet. Unsere Mitglieder können so Nachrichten, die aus zahlreichen Quellen stammen, weiterleiten, diskutieren oder kommentieren. Den über 40000 Personalberatern und Recruitern, die sich jetzt schon bei uns tummeln, wollen wir ebenfalls neue Tools an die Hand geben. Mit "Xing-Mitglieder fragen? können unsere Nutzer Fragen stellen und Antworten von anderen Mitgliedern bekommen. Dabei profitieren sie vom Fachwissen der User im Xing-Netzwerk. Auch dieses neue Feature ist bereits als Betaversion auf unserer Plattform zu finden und kann aktiviert werden.

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