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Karin Katerbau

"Ich glaube nicht an den einen Führungsstil"

Christoph Stehr
"Ohne Leistung gewinnt man keine Förderer". Karin Katerbau, 44, brauchte zehn Jahre an die Spitze. So lange war sie im Commerzbank-Konzern, bis sie Vorstandsmitglied der Tochtergesellschaft Comdirect wurde.
Karin Katerbau: Seit März 2008 Chief Operating Officer der Commerzbank AGFoto: © PR
Frau Katerbau, Sie sind 2001 innerhalb des Commerzbank-Konzerns zur Comdirect Bank gewechselt. Von wem ging die Initiative aus?Ich war bei der Commerzbank in verschiedenen Positionen in den Bereichen Multinational Corporates und Investment-Banking tätig. Dort hatte ich auch viel mit der Comdirect Bank zu tun. Im Zuge der Zusammenarbeit sind die Comdirect und ich gegenseitig aufeinander aufmerksam geworden. Die Chance zu einem Wechsel habe ich gern wahrgenommen, weil es Spaß macht, mit einem modernen und dynamischen Team eine Menge zu bewegen.

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Nach drei Jahren bei der Comdirect wurden Sie Vorstand - Respekt. War das alles harte Arbeit, oder hatten Sie Förderer?
Sowohl als auch. Förderer sind wichtig, denn sie erkennen und entwickeln im Idealfall Ihr Potenzial. Aber ohne gute Ergebnisse und herausragende Leistungen gewinnt man keine Förderer.
Was fällt Ihnen zu den Schlagwörtern "Männerseilschaft" und "gläserne Decke" ein?Diese Stichwörter erinnern mich stark an Schubladendenken. Die Debatte um die "gläserne Decke" ist meines Erachtens vor allem durch geschlechtsspezifische Vorurteile bestimmt. Allerdings stehen Frauen oft weniger selbstbewusst hinter ihren Leistungen. Ich bin mir aber sicher, dass Frauen in den nächsten Jahren vermehrt in den oberen Führungsetagen vertreten sein werden. Unternehmen, die eine Vorbildfunktion einnehmen wollen und wegweisend sind, werden daran kaum vorbeikommen.Wie entwickeln Sie Ihren Führungsstil weiter? Besuchen Sie Seminare, haben Sie einen Coach?Die persönliche Weiterentwicklung erfolgt im Grunde ständig: Nur weil man dem Vorstand angehört, hat man noch lange nicht ausgelernt. Jedes neue Thema und jedes Projekt bietet mir die Möglichkeit, meinen Führungsstil weiterzuentwickeln. Dazu gehören in einem modernen Unternehmen auch gezieltes Coaching und ausgewählte Fortbildungsmaßnahmen. Das macht vor einem Vorstand nicht halt.Führen Sie anders als Ihre männlichen Kollegen?Ich glaube nicht an den einen männlichen oder weiblichen Führungsstil. Gute Führung verbindet für mich auf der einen Seite die Verständigung darüber, welche Ziele erreicht werden sollen. Auf der anderen Seite ist eine konstruktive Begleitung auf dem Weg dorthin wichtig. Dazu gehört auch die Anerkennung von Erfolgen, das Aufzeigen von Verbesserungspotenzialen und natürlich Motivation sowie Raum für eigenständiges Handeln.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.02.2008

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