Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Interview

"Ich bin für eine gesteuerte Zuwanderung"

Claudia Obmann
Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, forciert den Imagewandel seines Hauses. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er darüber, wie er sich die moderne Arbeitsvermittlung vorstellt und warum Deutschland die Zuwanderung braucht.
Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für ArbeitFoto: © PR
Neuerdings geben Sie eine elektronische Zeitung für Chefs heraus, laden Unternehmer zum geselligen Abend und vermitteln ihnen verstärkt Fachkräfte aus dem Ausland. Hat die Bundesagentur nicht genug damit zu tun, rund drei Millionen Arbeitslose zu betreuen?
Sie sprechen den Bestand an. Aber die viel wichtigere Größe ist der Umschlag.
Was heißt das?
Wir verzeichnen pro Jahr je neun Millionen Zu- und Abgänge. Darunter sind Menschen, die in Rente gehen oder Qualifizierungsprogramme durchlaufen, aber vor allem diejenigen, die arbeitslos werden und eine Stelle suchen. Und genau für sie brauchen wir die Arbeitgeber.

Die besten Jobs von allen

Sie treiben mit Ihrer Marketingoffensive also den Wandel von der Behörde zum Dienstleister für Arbeitgeber gezielt voran?
Auf jeden Fall.
Wieso gerade jetzt?
Da der Fachkräftemangel nicht nur ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen ist, sondern sich durch den demografischen Wandel noch verschärfen wird, ist das der richtige Moment, uns den Arbeitgebern als wichtiger Dienstleister vorzustellen. Und sozusagen im Huckepack unsere Menschen mitzubringen.
Wer soll durch die neuen Arbeitgeberservices in Lohn und Brot gebracht werden – Mütter und Migranten?
Zuerst richten wir uns nach dem Bedarf der Firmen. Sollte sich ein Idealprofil nicht besetzen lassen, beraten wir Arbeitgeber über Alternativen. Techniker statt Ingenieur etwa, oder wie sich mit flexibler Arbeitszeit auch eine qualifizierte Mutter einbinden lässt. Außerdem helfen wir, falls Arbeitskräfte aus dem Ausland notwendig sind. Denen würden wir dann mit Sprachkursen die Integration erleichtern.
Ohne Zuwanderung wird das Potenzial an Arbeitskräften in Deutschland in den kommenden zehn Jahren so stark schrumpfen wie in keinem anderen Industrieland. Wo wird es besonders kritisch?
Bei Ingenieuren und Ärzten, aber in bestimmten Regionen und Branchen auch bei vielen anderen Fachkräften. 
Stehen auch Manager auf der Liste der Mangel-Berufe?
Das muss man differenziert betrachten. Für Spitzen-Manager mit einem Jahreseinkommen von über 500.000 Euro gibt es einen eigenen internationalen Markt. Aber beim mittleren Management sind wir als Vermittler dabei.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick