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Interview mit Thomas Greiner

"Ich arbeite direkt über dem Paradies"

Diana Fröhlich
Thomas Greiner, Geschäftsführer der Dussmann-Gruppe, liebt Bücher, Musik und Wein. Im Interview erzählt er auch, warum er als langhaariger Schüler einen Streik organisierte.
Thomas Greiner ist seit 2007 Vorstandschef bei DussmannFoto: © Martin Lengemann - Intro
Junge Karriere: Herr Greiner, welches Buch haben Sie zuletzt im Kulturkaufhaus gekauft?
Thomas Greiner: Erst gestern habe ich mir von Reich-Ranicki aus seinem Kanon die Dramen erstanden, und ich war richtig glücklich darüber. Schon vor einem halben Jahr wollte ich die Bücher haben, doch da sagte man mir, die Dramen seien eigentlich nicht mehr verfügbar. Ach, auch heute habe ich schon etwas gekauft: "Die Dämonen" von Dostojewskij.
Sie sind nah an der Quelle. Ihr Büro liegt direkt gegenüber dem Kulturkaufhaus.
So macht Arbeit natürlich Spaß. Dussmann ist weit mehr als nur das Kulturkaufhaus an der Berliner Friedrichstraße. Aber es stimmt, die Nähe ist schon sehr verführerisch, weil ich häufig denke, ich mache jetzt mal zehn Minuten Pause und gehe kurz runter. Fast immer kaufe ich etwas. Wer Bücher und Musik so liebt wie ich, wird dort permanent zum Einkaufen inspiriert. Ich arbeite also direkt über dem Paradies.

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Glückwunsch zum Traumjob!
Ja, es ist ein Idealberuf. Was mich sonst noch fasziniert hätte: Verleger zu werden. Da hat man nämlich auch eine ganz enge Verbindung von Kultur und Wirtschaft. Dussmann ist ein Multidienstleister.
Was macht das Unternehmen für Sie so interessant?
Wir machen, was der Kunde will. Das Unternehmen hat mit Reinigung begonnen, dann kam das Catering dazu, dann die Bewirtschaftung ganzer Häuser. 1986 noch Residenzen, hochwertige Altenheime. Es wurde einfach immer mehr. Das ist der rote Faden von Dussmann, und mir gefällt es.
Wie passt das Kulturkaufhaus dazu?
Im Jahr 1994 hat Dussmann die Firmenzentrale von München nach Berlin verlegt. Die oberen Stockwerke des Gebäudes waren bereits durch die weltweite Hauptverwaltung unseres Unternehmens belegt, doch der untere Bereich stand noch komplett leer. Zu der Zeit haben wir keine Mieter auf der Friedrichstraße gefunden, dann haben wir unser eigenes Konzept umgesetzt, das Kulturkaufhaus.
Sie sind seit 1. September 2007 Vorstandsvorsitzender. Wie wollen Sie aus dem Schatten des Firmengründers Peter Dussmann heraustreten?
Jedes Familienunternehmen hat eine ganz eigene Kultur, die geprägt ist vom Eigentümer. Peter Dussmann hat dieses Unternehmen 40 Jahre lang geführt, er kennt die Märkte und hat extrem viel Erfahrung. Mein Ziel ist es, ihn in alle wesentlichen Entscheidungen zu integrieren. Ich will von seinem Wissen profitieren. Er ist Ideengeber, Diskussionspartner - und kein Schatten.
Sie gehören nicht zur Familie Dussmann. Ist das manchmal schwierig?
Ich heiße nicht Dussmann, fühle mich der Familie aber trotzdem sehr verbunden. Wir haben einen guten Kontakt zueinander.
Ihre Eltern waren ebenfalls Unternehmer.
Ich habe quasi am Modell gelernt. Meine Eltern haben mir vorgelebt, Dinge aktiv in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln. Ich habe erlebt, wie befriedigend Erfolg sein kann. Und ich habe auch erfahren, dass die Woche keine 38,5 Stunden hat, sondern weitaus mehr. Der Vorteil: Meine Eltern waren so beschäftigt, dass ich viele Freiräume hatte. Mein Vater war zum Beispiel nie bei einem Elternabend in der Schule.
Hat dieses Lernen am Modell, wie Sie es nennen, nicht manchmal auch eine abschreckende Wirkung gehabt?
Meine Eltern hatten immer so viel Zeit für mich, wie ich wollte. Das haben die schon geschafft. Wir hatten dazu ein Kindermädchen, das sich auch um mich gekümmert hat. Ich persönlich habe nichts vermisst.
Sie haben auch im öffentlichen Dienst gearbeitet. Was genau haben Sie gemacht?
Ich war Dezernent für Kultur und Sport der Stadt Rottweil und habe zum Beispiel Musikfestivals veranstaltet. Drei Wochen lang kamen jeden Tag 1000 Menschen. Das Spannende dabei war die Frage: Wie gefällt es den Leuten? Es war eine tolle Zeit.
Ursprünglich wollten Sie aber Strafverteidiger werden und haben angefangen, Jura zu studieren. Woher stammte das Interesse?
Ich bin zu Schulzeiten nachmittags gerne ins Landgericht gegangen und habe zugeschaut. Das hat mich sehr fasziniert. Ich habe mich gefragt, wie kommt jemand dazu, eine Straftat zu begehen. Nach dem Abitur war deshalb mein Berufswunsch Strafverteidiger. In Tübingen habe ich dann Jura studiert. Allerdings hatte ich auch schon immer ein großes Interesse an Politik. In Paris habe ich neben Jura politische Wissenschaften studiert und einen Politik-Abschluss in München gemacht. Ich habe immer studiert, was mich interessiert hat. Für mich war es ein Vergnügen.
Sprechen Sie heute noch Französisch?
Leidlich. Früher war ich ganz gut, habe vor meinem Studium in Paris mehrere Jahre lang Schülerfreizeiten in Frankreich geleitet. Da habe jede Menge Erfahrungen gesammelt.

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