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Sind Motivationsgurus wirklich seriös?
Foto: Eugenio Marongiu/Fotolia
Motivationstrainer

"I've got the Power!"

Anja Stehle
Die Nachfrage nach Motivationsseminaren boomt. Aber warum lassen sich Manager von Heilsbringern mit dubiosen Methoden trainieren? Eine Suche nach Antworten bei Jürgen Höller, Deutschlands umstrittenstem Motivationscoach.
Die Lautsprecher kennen kein Erbarmen. Schon seit Minuten dröhnt es: "I've got the Power." Auf einer großformatigen Leinwand gibt es dazu Diashow. Jürgen Höller – ein Leben in Bildern: dicke Autos, Strand und Sonne, zusammen mit den Klitschko-Brüdern und Magier-Duo Siegfried und Roy. Auch du kannst alles erreichen – wenn du nur willst, so lautet die Botschaft. Das kommt an. Die Menge flippt aus, obwohl der große Motivator leibhaftig noch nicht in Erscheinung getreten ist.

Begeisterung spüren

Endlich springt Höller auf die Bühne. Schwarzer Anzug, weißes Hemd, rotes Einstecktuch – die Dienstkleidung des Erfolgsvorturners. Das Gesicht braun gebrannt, das Lachen breit, die Arme ausgestreckt, die Daumen zeigen nach oben. "Jaaaaa", schreit Höller in den tobenden Saal hinein. "Wollt ihr wieder Begeisterung spüren? Wollt ihr wieder an euch glauben? Dann ruft euch zu: Ich bin ein Gewinner!"

Es kann so leicht sein, wenn man nur daran glaubt. Das tun viele: 1 500 Menschen sind zu Höllers "Power-Days" in das Hamburger Congress Center gekommen, darunter ganze Führungsmannschaften, eine Gruppe von Selbstständigen im Vertrieb der Deutschen Vermögensberatung, der Autohausbesitzer, der Steuerberater, der Einzelkämpfer. Zwei Tage lang werden sie sich von den Höller'schen Imperativen beschallen lassen – angelockt von Versprechen, die sich auf Höllers Webseite finden. Er werde zeigen, wie man "wesentlich mehr verdient, mit weniger Aufwand". "Mehr Selbstbewusstsein, ein stärkeres Auftreten, eine entwickelte Persönlichkeit" – so lautet das in Aussicht gestellte Gesamtpaket.

Neue Impulse

"Ich bin ein Gewinneeeer!", Markus Schütz, 58, schreit es heraus. Er hat einen der besten Plätze gebucht, steht jetzt in der ersten Reihe und jubelt Höller zu. Schütz ist Geschäftsführer der Schweizer Firma Orcos Medical – ein mittelständischer Betrieb, der medizinische Geräte verkauft. Vor ihm liegt ein Workbook, fester Bestandteil der Seminarausstattung für alle Teilnehmer. Wenn Höller eine seiner Weisheiten verkündet, macht sich Schütz eine Notiz. Am Ende des ersten Vormittags hat er drei Sätze zusammen: "Auch du bist einmalig, einzigartig, großartig. Ich habe mehr Potenzial, als mir eingeredet wird. Sorge dich nicht, lebe!"

Markus Schütz ist ein Gewinner. Er kann verkaufen und weiß, wie man ein Unternehmen führt. Er hat Karriere gemacht und kennt ganz offenbar die Gesetzmäßigkeiten des Erfolgs. Wozu braucht so jemand Jürgen Höller?

Schütz bucht Höllers Seminare regelmäßig. Was es bringt? Nach dem letzten Besuch habe er eine Veränderung bei sich beobachtet, sagt Schütz. "Neue Impulse, die Dinge von außen betrachten" – das will er gelernt haben.

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