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Mein schlimmster Job

Horrorjob im Kohlebergwerk

Mariam Schaghaghi
In einer koreanischen TV-Show erlebte Bruno Bruni Jr. zahlreiche skurrile Abenteuer und riskierte einmal fast sein Leben. Im folgenden Protokoll erzählt er von seinem gruseligen Erlebnis in einem Bergwerk und was er dennoch daraus gelernt hat.
Bruno Bruni Jr. als Mitarbeiter im koreanischen KohlebergwerkFoto: © Bente Schipp
Mein schlimmster Job? Ich habe in Südkorea mal an einer TV-Reality-Show teilgenommen. Das war nach dem Abi, und eigentlich war ich im Land, um Taekwondo-Kurse zu belegen. Dann wurde ich aber für diese Show engagiert, in der es darum ging, als Ausländer ohne Geld zwei Monate durchs Land zu ziehen. Zu Fuß, versteht sich. Es gab nur zwei Kandidaten, einen Chinesen und mich. Klang skurril - also sagte ich zu. Wir zogen los, ohne Kohle, ohne Plan. Das Einzige, was erlaubt war: Man durfte unterwegs bei Leuten anklopfen und nach einer Unterkunft oder Essen fragen. Als Gegenleistung musste man für sie arbeiten. So bin ich zu einigen abgefahrenen Jobs gekommen. Wo ich aber echt einen Nervenzusammenbruch bekommen habe, war im Kohlebergwerk. Die umliegenden Häuser sahen leicht schwarz aus, und viele Bewohner, erfuhren wir später, waren an Staublunge gestorben. Unsere Aufgabe bestand darin, unter Tage zu fahren und einen Schacht auszubauen. Es fing schon mit der endlosen Fahrt an. Es ging Hunderte von Metern nach unten, in einem wackeligen Holzlift. Dort war es so schwarz, dass man gar nichts mehr gesehen hat. Dann ging es in einen Kohleschacht. Das einzige Geräusch, das ich hörte, waren Wassertropfen - und ich dachte sofort an Katastrophenmeldungen von eingebrochenen Schächten.Wer kennt schon die Sicherheitsvorschriften in Südkorea? Und ein Typ hatte mir noch erzählt, dass es im letzten Jahr ,nur fünf Tote gab'. Dann aber ging es auf einer Karre erst noch richtig tief in den Stollen. Dort musste ich graben und meine Ausgrabung mit Holzplanken sichern. So ein Ding wog aber 50, 60 Kilo pro Stück, das konnte man nur auf dem Rücken tragen und sich in den schrägen Schacht hineinrobben. Und dann bin ich dort abgerutscht und eine Holzplanke ist auf mich gefallen. Zum Glück trug ich einen Helm. Trotzdem hatte ich genug. Mir ging's so dreckig - ich musste da raus, ganz schnell. Ich war fix und fertig. Das war wirklich gruselig. Als ich wieder Licht sah, ging's mir besser. Als Belohnung bekam ich eine Schale Suppe und ein Kissen für den Fußboden. Das war eine Extremerfahrung, klar. Aber seitdem kann ich alles Ungewohnte mit großer Gelassenheit angehen. Ich habe mir eine grundpositive Haltung antrainiert. Ohne die geht man kaputt - auch im Alltag. Die Sendung wurde übrigens ein Quotenhit. Ich bekam danach ein Angebot für eine eigene Show und blieb noch fünf Jahre in Seoul." 

Die besten Jobs von allen

Bruno Bruni Jr., 30, Schauspieler, hat u.a. in dem Kinofilm "Æon Flux" mitgespielt und ist am 5. März in "Kommissar LaBréa - Mord an der Bastille" in der ARD zu sehen.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.03.2009

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